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Unabhängige Fachzeitschrift für die Sanitär-, Heizungs-, Lüftungs- und Energiebranche

Die bestens in der Branche vernetzte Firma Restclean aus Oberlunkhofen hat sich darauf spezialisiert, verkalkte WC-Anlagen, die nicht mehr ausreichend spülen, wieder in den Neuzustand zu versetzen. Die nachhaltige Idee kommt gut an, und das Unternehmen, das inzwischen ein Kompetenzzentrum für Ausbildungszecke gegründet hat, floriert. Priskus A. Theiler, Patron und Erfinder des Restclean-Systems, spricht im Interview über die grossen Erfolge seiner Idee und darüber, was er und Geschäftsführer und Mitinhaber Roger Mäder in Zukunft mit Restclean noch alles vorhaben.

Priskus A. Theiler, bei Ihrer innovativen Idee für die Branche kommt man schnell zur berühmten Frage: «Wer hats erfunden?» Natürlich… Wie kamen Sie darauf und was hat Sie motiviert, diese nicht ganz einfache Aufgabe zu lösen?

Priskus A. Theiler (PAT): 1998, also vor mehr als 20 Jahren, habe ich eine Liegenschaft gekauft mit Restaurant, Bar und vier Wohnungen. Da waren alle neun Toiletten sehr stark verkalkt, auch auf den sichtbaren Keramikflächen. Da ich diese Toiletten nicht für viel Geld ersetzen wollte, habe ich mich für eine Entkalkung entschieden. Genau am 10. April 1998 um 12 Uhr nachts kam mir die Idee dazu! Am nächsten Tag kaufte ich mir ein Aquariumpumpe, Schläuche und flüssige Säure. Mit diesen einfachen Mitteln kriegte ich die Toiletten kalkfrei und konnte mir deren Ersatz ersparen.

Von diesem Tage an habe ich mich dieses Themas angenommen. Anfänglich war ich an der Entwicklung eines Handgeräts für Haushaltungen und habe dafür 10 Jahre an Entwicklung investiert. Um das Produkt auf den Markt zu bringen, hätte ich 2008 5 Mio. Franken benötigt – was jedoch auch mit Investoren nicht zustande kam. Die Idee habe ich dann eine Weile beiseitegelegt. Zwei Jahre später habe ich mich dann entschieden, daraus eine Servicedienstleistung zu entwickeln. Kurzerhand habe ich meine Anstellung gekündigt, mir die Pensionskassengelder auszahlen lassen und mit der Entwicklung eines Profigeräts begonnen. Tag und Nacht arbeitete ich daran bis ich im Mai 2011 soweit war. Die ersten Toiletten durfte ich in meinem Bekanntenkreis entkalken und auch für Sanitärfirmen, die meine Dienstleistung zu diesem Zeitpunkt bereits kannten. Als quasi «One-Man-Show» entwickelte ich noch intensiver weiter, damit alles perfekt lief und funktionierte. Kaum ein Jahr später konnte ich aufgrund der immer grösseren Nachfrage bereits den ersten Mitarbeiter einstellen.

Was waren zu Beginn vor acht Jahren die Reaktionen auf Ihre Dienstleistung?

PAT: Je nach dem, aus welcher Perspektive die Frage gestellt wird. In meinem Umfeld und Bekanntenkreis stiess ich zunächst auf Unverständnis, da ich mich jetzt ausschliesslich mit einem sogenannten No-Go-Thema befasste – Toiletten: Not very sexy! Für Uneingeweihte gibt es da wohl Spannenderes. Aber ich wusste, dass ich damit auf dem richtigen Weg bin.

Roger Mäder (RM): Die Fachwelt jedoch, sprich der Sanitärprofi, hatte endlich eine Alternative für seine Kunden, damit nicht kostenintensive Ersatzreparaturen gemacht werden mussten. Denkt man zurück an die farbigen Badezimmer, wo ein «blaues» WC nicht mehr produziert wurde, ist die Lösung von Restclean einfach perfekt. Ebenso die teuren Dusch-WCs, bei denen der Wasserspülverlauf verkalkt ist – die können sehr kostengünstig und effizient durch Restclean entkalkt werden.

Haben Sie erwartet, dass Ihre Idee schweizweit so gut in der Branche aufgenommen wird?

PAT: Natürlich hatte ich mich im Vorfeld der langen Entwicklungszeit von über 13 Jahren mit diesem Thema intensiv auseinandergesetzt. Grosse Regionen mit viel Kalk im Wasser gibt es zwischen dem Genfersee und dem Bodensee, und genau dort ist die neue Dienstleistung von Restclean sehr gefragt. Gemäss Marktforschungsinformationen befinden sich in der Schweiz mehr als 18 Mio. Toiletten, es bietet sich also ein sehr grosses Potential.

RM: Durch die Empfehlung der Sanitärbranche profitiert der Sanitärbetrieb auch direkt. Bei Eigentümern und Verwaltungen bleibt mehr Geld übrig für weitere Investitionen, wie z. B. neue Entkalkungsanlagen, Einhandhebelmischer, Lavabo-Ersatz usw. Aktuell zählen wir über 350 Sanitär-Partnerbetriebe, von denen wir aktiv empfohlen werden: Mehr als 25 Prozent aller WC-Sanierungen ergeben sich aus der direkten Empfehlung von Sanitärlern, worüber wir sehr dankbar sind.

Die von Restclean angebotene Entkalkungsdienstleistung (Keramik und Spülkasten) bewirkt, dass bis zu 50% weniger Trinkwasser verbraucht werden und die Anlage mehr Spülkraft liefert. Ihre Dienstleistung hat auch eine nachhaltige Komponente, da nichts Neues verbaut wird. Was sind die Vorteile Ihrer Dienstleistung gegenüber der «Mach-alles-neu» Methode?

PAT: Eine sanierte WC-Anlage kostet inklusive der Fahr- und Auftragspauschale, neuen Funktionsteilen wie Panzerschlauch, Füllventil, Spülgarnitur und Bassin, der restlosen Entkalkung und dem aufpolieren der sichtbaren Toilette im Durchschnitt 380 Franken. Je nach Spülkasten (AP oder UP) kostet die «Mach-alles-neu» Methode zwischen 1000 und 2500 Franken je WC. In jedem Fall ist eine regelmässige Wartung der Spülsysteme sinnvoll, schützt die Investition und schont die Ressourcen nachhaltig. Ebenso sollte der Spülvorgang innert 4 Sekunden abgeschlossen sein. Dies ist nicht ein Restclean-Werbegag, sondern es ist in der DIN EN 14055 und DIN EN 995 klar festgehalten. Dieser Spüldruck wird benötigt, damit das Transportgut jedes Mal bis an den Anschluss der Kanalisationsleitung gelangt. Nimmt der Spüldruck ab, steigen die Verschmutzungen in der Grundleitung an und führen im Endeffekt zu einer Verstopfung.

Wie viele Toiletten wurden von Restclean bisher gereinigt?

PAT: Wir durften bisher für unsere Kunden mehr als 37 000 Toiletten sanieren. Dies sind 60-mal mehr als im Jahre 2011, als ich begonnen habe. Aufgrund unserer hohen Kompetenz konnten wir die schweizerische Generalvertretung der Spülkastenmarken Schwab und Jomo übernehmen. Aktuell kommen jeden Monat rund 1000 Toiletten dazu.

«Aktuell kommen jeden Monat rund 1000 Toiletten dazu.»

Bei 18 Mio. WC-Anlagen in der Schweiz gibt es viele verschiedene Systeme. Wie haben Sie das mit Ihrer Dienstleistung und Ihren Angestellten in den Griff bekommen?

PAT: Wir haben unsere Kompetenz mit den Jahren soweit ausgebaut, dass wir die Erfahrung von 14 Spülkasten-Herstellern auch auf unserem Shop abbilden können. Wir sprechen da von über 90 verschiedenen Spülkästen, die bei uns in der Zentrale in Oberlunkhofen an Lager sind.

RM: Unsere neuen Servicetechniker werden während zwei Monaten intensiv geschult, und jeder Servicetechniker kommt alle sechs Wochen in eine interne Weiterbildung. Nur so können wir unseren Kunden vor Ort einen perfekten Service und eine 100%-iges Funktionieren der Anlagen garantieren.

Sie haben ein Kompetenzzentrum für Ausbildungszecke gegründet. Was sind dessen Aufgaben und wie gut ist es ausgelastet?

PAT: In unserem Kompetenzzentrum haben wir 40 fahrbare Spülsystem-Exponate, die direkt an das Wasser und Abwasser angeschlossen werden können. So garantieren wir unseren Kursteilnehmern reale Bedingungen wie: Einstellung der unterschiedlichsten Funktionsteile, Zusammenspiel der unterschiedlichen Spülsysteme zu den unterschiedlichsten Keramiken, Ausspülbild und Ausspülleistung, Dichtheitskontrolle, erkennen von Fehlfunktionen und richtiges Vorgehen dabei. Sehr viele Tipps und Tricks und allgemeines Wissen werden an diesem Kurstag vermittelt. Bis heute durften wir über 500 Kursbesucher weiterbilden. Ebenso finden dort auch die Schulungen mit unseren Servicetechnikern statt.

Vorgesehen war von Restclean, dass regionale Sanitärfirmen Ihre Dienstleistung mit Ihrer Unterstützung vor Ort direkt selber ausführen werden. Wie weit ist man mit diesen Plänen?

PAT: Aufgrund unserer Erfahrungen mussten wir erkennen, dass dies so nicht effizient realisiert werden kann. Berücksichtigen wir die Ausbildung unserer Servicetechniker, das speziell eingerichtete Servicefahrzeug, die interne Auftragsbereitstellung, das Wissen im Unterhalt der Werkzeuge und der Geräte würde das bedeuten, dass interessierte Sanitärbetriebe einen Mitarbeiter haben müssten, der all dies beherrscht. Dies erwies sich weder als rentabel noch zielführend. Aus diesem Grunde stellen wir unser ganzes Know-how in unserem Kompetenzzentrum der Sanitärbranche günstig zur Verfügung.

Sie planen neue Restclean-Standorte in der Schweiz. Wo wird das sein und wann wird das in die Tat umgesetzt?

RM: Wir haben schon früh begonnen, unsere Servicetechniker in der Fläche zu positionieren. Aktuell sind wir in Oey BE, Rüti bei Büren, Solothurn, Teufenthal, Hausen bei Brugg, Wohlen, Berikon, Freienbach, Schaffhausen und Eichberg SG vertreten. Weitere drei Servicestandorte für 2019 sind geplant in der Nähe von Frick, Winterthur und in der Innerschweiz. In der Zentrale in Oberlunkhofen befindet sich die ganze administrative Organisation, das Lager mit über 700 Funktionsteilen und Werkzeugen für unsere Servicetechniker und für den Versand der Onlineshop-Bestellungen. Dabei profitieren Sanitärprofis mit einem Login von guten Nettopreisen. Bestellungen bis 14 Uhr werden noch am gleichen Tag versandt.

«China war für uns eine sehr tolle Erfahrung. Ein chinesischer Investor ist daran interessiert, die Möglichkeiten für den chinesischen Markt zu prüfen.»

Sie haben an einem internationalen Innovationswettbewerb in China brilliert und einen Preis gewonnen. Gehen Sie jetzt auch nach China oder haben die Chinesen vielleicht Ihre Idee bereits abgekupfert?

PAT: Wenn alles so einfach wäre, wäre das System bereits vor 50 Jahren erfunden worden. China war für uns eine sehr tolle Erfahrung, und wir konnten viele neue Eindrücke mitnehmen, aber mehrheitlich sind sich die Chinesen Stehtoiletten gewohnt. Ein gewisses Interesse besteht dennoch, da durch die enorme Bautätigkeit in den Städten von China auch die westliche Welt dort Einzug hält, sprich: die Installation von Sitztoiletten und Dusch-WCs, und auch diese müssen entsprechend unterhalten werden. Ein chinesischer Investor ist daran interessiert, die Möglichkeiten für den chinesischen Markt zu prüfen.

Sie wollen auf jeden Fall ins Ausland expandieren. Was ist vorgesehen und wann erfolgt der Start im Ausland?

PAT: Ja, Restclean hat in der EU das Patent längst angemeldet und wir stehen aktuell in der Abklärungsphase für einen Markteintritt im süddeutschen Raum. Das Projekt ist sehr anspruchsvoll, da wir nicht mit 70 oder 80% starten können, sondern wir müssen das gleiche Angebot bieten können wie in der Schweiz. Sprich: Administration, Terminierung, Materialverfügbarkeit, Geräteservice und Reparaturmöglichkeiten. Der Markteintritt ist für 2020 vorgesehen.

 

Weitere Informationen:
restclean.com

 

Über Restclean

Die Restclean AG in Oberlunkhofen ist heute als Dienstleister im Bereich des Toilettenunterhalts führend. 2011 begründet hat sich das Unternehmen in der Branche bekannt gemacht und bedient Kunden in der ganzen Schweiz. Restclean will mit seinen Dienstleistungen «rund um das stille Örtchen» einen nachhaltigen Beitrag an die Umwelt leisten und zur Schonung der Ressourcen beitragen. Die Firma, die 2016 ein Trainingsscenter rund um die Spültechnik zur Ausbildung der Fachleute in Jonen gegründet hat, beschäftigt mittlerweile rund 20 Mitarbeiter und will ins Ausland expandieren.

Das Restclean-System besteht im Wesentlichen aus drei Elementen:

  • Aus dem patentierten Reinigungsgerät mit einer zentralen Umwälzpumpe und sechs unterschiedlich positionierten Düsen,
  • dem Reinigungsmittel – einer Mischung aus Entkalkungspulver und biologisch abbaubarem Nussschalengranulat,
  • einer speziellen, ebenfalls patentierten Vorrichtung zum temporären Verschliessen des WCs am Ende des Siphons.

Das Nussschalengranulat im Reinigungsmittel dient für die effiziente Lösung des Kalksteins. Die Toilette wird am Ende des Siphons vorübergehend verschlossen. Dann wird das Restclean-Mittel mit warmem Wasser vermischt und in den wasserführenden Kanälen der Toilette während einer Stunde umgewälzt. Dabei wird eine Umwälzungsleistung von über 5000 Litern erreicht. Während dieses Prozesses neutralisiert sich das Entkalkungspulver durch den Abbau des Kalkes vollständig. Alle Abbauprodukte können nach der Reinigung einfach der Kanalisation zugeführt werden.