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Unabhängige Fachzeitschrift für die Sanitär-, Heizungs-, Lüftungs- und Energiebranche

Die Wirtschaft in der Schweiz ist stark und innovativ, der starke Franken zeigt das auf, das heisst aber nicht, dass sich Unternehmen auf den Lorbeeren ausruhen können. Kleinbetriebe, die in der Schweiz produzieren – auch für den Export – und in unserer Branche wichtig sind, erbringen enorme Anstrengungen, um weiter konkurrenzfähig zu bleiben. Der Chef der Elysator Engineering AG in Bilten, Rolf Frei, erklärt im Interview mit dem p+i, wie sein Unternehmen den aktuellen Herausforderungen begegnet und welche Schwierigkeiten dabei zu meistern sind.

Rolf Frei, Ihr Unternehmen ist seit 1960 eigentümergeführt und beschäftigt heute gut 20 Mitarbeiter – es ist ein klassischer KMU-Betrieb, der auch im Export tätig ist und sehr erfolgreich Lösungen für die Aufbereitung von technischem Wasser und die Reinigung von Wasserkreisläufen anbietet. Was zeichnet Ihr Unternehmen aus und wo liegen Ihre Stärken?
Die Stärken unseres Unternehmens liegen in dem in unserem Business in über 50 Jahren gesammelten Know-how, in unserer eigentümergeführten Organisation und in unserem aktiven Innovationsmanagement. Nur so können wir trotz den vergleichsweise hohen Standortkosten in der Schweiz attraktive Produkte fertigen, die im In- und Ausland konkurrenzfähig sind. Trotz den vergleichsweise hohen Löhnen und Immobilienkosten im Vergleich zum Ausland sowie dem Preisdruck, den alle zu spüren bekommen, ist es möglich ein Unternehmen mit Fertigung hier in der Schweiz zu haben.
In unseren Datenbanken verwalten wir Wasseranalysen von mehreren tausend Objekten. Wir können also einen repräsentativen Zusammenhang zwischen einem wassertechnischen Problem und seiner Lösung herstellen und überprüfen.«Wir stellen aber auch immer wieder fest, dass wir gegenüber Firmen in Investorenbesitz einen Konkurrenzvorteil haben, da unser Cashflow zur Eigenfinanzierung von Innovationen verwendet werden kann.»
Welche Vorteile für die Wirtschaft ganz allgemein und für KMU im Besonderen sehen Sie in der eigentümergeführten Organisationsform?

Bereits 1776 stellte der Mitbegründer der Marktwirtschaft Adam Smith fest: «Von Direktoren, die nicht ihr eigenes Geld investiert haben, kann man nicht erwarten, dass sie das Kapital mit derselben ängstlichen Achtsamkeit verwalten, als wenn sie mit eigenem Geld ein Geschäft gegründet hätten.» Aus diesem Grund ist bei uns auf Geschäftsleitungsebene Miteigentum an der Firma eine Grundvoraussetzung. Wir stellen aber auch immer wieder fest, dass wir gegenüber Firmen in Investorenbesitz einen Konkurrenzvorteil haben, da unser Cashflow zur Eigenfinanzierung von Innovationen verwendet werden kann.«Wir fördern die Ideen der Mitarbeiter mit einem Bonussystem und lassen diese möglichst in den Betrieb und in die Fertigung einfliessen.»
Sie sprechen von aktivem Innovationsmanagement, können Sie uns das genauer erläutern?
Auf der Ebene unserer internationalen Vertriebspartner sind wir gemeinsam in einer eigenen Innovationsgenossenschaft verbunden. Wir treffen uns regelmässig und versuchen so die Bedürfnisse des Marktes zu ergründen. Innovation wird bei uns durch den Markt gesteuert und durch die Mitarbeiter umgesetzt. So fördern wir die Ideen der Mitarbeiter mit einem Bonussystem und lassen diese möglichst in den Betrieb und die Fertigung einfliessen. Auf diese Art haben wir eigene Abfüllanlagen und Maschinen konstruiert, damit wir rationeller produzieren können.
Ein wesentlicher Faktor der Innovation ist auch die langfristige Weitsicht auf zukünftige Märkte. In diesem Zusammenhang ist der Blick auch immer auf die Nachfolgeregelung in der Unternehmensführung zu legen.«Mit klugen Nachfolgeregelungen können Unternehmen verhindern, dass sie an Konzerne verkauft werden, die das Innovationsportfolio dann ausschlachten und den Betrieb einfach schliessen oder weiterverkaufen.»
Was raten Sie anderen KMU, gerade in Zeiten enormer wirtschaftlicher Umbrüche und Herausforderungen, in dieser Hinsicht?
Oft vergehen die Jahre, in denen man in einem Unternehmen intensiv am Arbeiten ist, so schnell, dass man vergisst, die Nachfolge zu planen. Aber es werden eben nicht nur das Unternehmen und das Umfeld älter, sondern auch die Menschen, die hinter dem Unternehmen stehen. Darunter kann die Innovationskraft leiden. Mit klugen Nachfolgeregelungen können Unternehmen verhindern, dass sie an Konzerne verkauft werden, die das Innovationsportfolio dann ausschlachten und den Betrieb einfach schliessen oder weiterverkaufen. Je öfter der Chef wechselt, desto öfter wechseln die Mitarbeiter. Ein stabiles Vertrauensverhältnis zur Firma erhöht die Motivation und Einsatzbereitschaft der Mitarbeiter.

Was bedeutet Swissness für Sie und wie wird sie in Ihrem Unternehmen gelebt?
In der heutigen Zeit ist es schwierig, 100% Swissness in die Produkte einfliessen zu lassen. Wir legen aber sehr grossen Wert darauf, dass mindestens zwei Drittel der Wertschöpfung bei uns und in der Schweiz stattfinden. Unsere Produkte sind somit Swiss Made.
Durch unsere zentrale Lage in Bilten, Glarus-Nord, haben wir die Möglichkeit, Betriebe in unserer Nähe beim Einkauf von Teilen oder der Weiterverarbeitung zu berücksichtigen; wir können so lange Transportwege vermeiden bzw. einsparen.

Was wird Ihr Unternehmen weiter tun, um auch in der Zukunft erfolgreich zu sein? Stichworte: BIM, Industrie 4.0 und Internet of Things – IoT?
BIM ist ein grosses Thema in der Branche, auf das wir uns gut vorbereiten, damit wir die passenden Dateien der Kundschaft abgeben können. Für mich ist noch nicht klar ersichtlich, welcher Weg uns zum Ziel der Umsetzung BIM führen wird. Zurzeit öffnen sich viele Möglichkeiten und ich bin sicher, das Labyrinth wird in den kommenden Jahren den Weg klarer zeigen.«Wir legen sehr grossen Wert darauf, dass mindestens zwei Drittel der Wertschöpfung bei uns und in der Schweiz stattfinden.»
… und wie steht es bei Ihnen mit den Themen Industrie 4.0 – oder: zweite Phase der Digitalisierung – und Internet of Things?
Das Thema Industrie 4.0 ist für uns sehr kleingeschrieben. Die volle Industrialisierung unserer Produktion mit digitaler Vernetzung, Kommunikationstechnik und Roboter, die direkt mit der Logistik kommuniziert und koordiniert, braucht bei uns schon noch Zeit.
Bei Internet of Things sehen wir sicher die Zukunft und arbeiten bei unseren Geräteentwicklungen stark daran, dass eine weltweite intelligente Vernetzung möglich ist. Dies ist sicher unser Thema, das wir auch vorantreiben werden.

Wie ist dabei in Zukunft vorzugehen?
Ich bin der Meinung, dass man mit Offenheit und Weitsicht den Markt betrachten soll. Ich versuche meinen Blick von aussen auf das Unternehmen zu richten, damit wir die Bedürfnisse der Kundschaft und die Forderungen der Zukunft früh erkennen können. Teilweise muss man einfach auch etwas ausprobieren, obwohl man noch nicht genau weiss, wohin es geht. Wir sind ja schliesslich Unternehmer und unternehmen etwas …

Was erwarten Sie sich als freier Unternehmer in Zeiten harten Konkurrenzkampfs von den staatlichen Institutionen?
Wir sind ein liberales und marktwirtschaftliches Land. Doch die Bedingungen im Bereich Regulierung und Besteuerung werden zunehmend unternehmerfeindlich. Beispielsweise stellt der Unternehmer sein Vermögen in Form von Aktienkapital gebunden dem Wirtschaftskreislauf zur Verfügung und dennoch wird dieses wie freies Bargeld besteuert. Daraus resultiert der Fehlanreiz an den Unternehmer, sein Kapital zu verkaufen, um wenigstens etwas davon zu haben. Auch im Bereich der Nachfolgeregelung sind KMU oft genötigt, die Firma an Konzerne zu verkaufen, da eine andere Lösung aus steuerlichen Gründen – auch bei gutem Willen des Besitzers – erheblich erschwert wird.
«BIM ist ein grosses Thema in der Branche, auf das wir uns gut vorbereiten, damit wir die passenden Dateien der Kundschaft abgeben können.»Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in 10 Jahren?
Unser Unternehmen wird weiterhin hier in der Schweiz sein und sich für Swissness einsetzen. Ich bezweifle aber, dass es noch in genau dieser Form sein wird wie heute. Wir werden die Anforderungen des Umfelds zu erkennen haben und allenfalls darauf zu reagieren wissen. Ich freue mich auf das Kommende und bin sicher, dass es auch in Zukunft spannende Lösungen geben wird.

Zur Person
Rolf Frei, aus Bäretswil im Zürcher Oberland stammend, bewegt sich seit vielen Jahren bestens vernetzt in der Branche. Nach der obligaten Schulzeit hat er eine Ausbildung im Bereich Sanitär und Heizungsinstallateur gemacht. Anschliessend folgte die Weiterbildung als Haustechnikplaner und die Spezialisierung im Bereich Wasser.
Seit 1986 ist Rolf Frei in der Haustechnikbranche tätig, zuerst als Monteur, dann als Planer, Verkaufsleiter und schliesslich als stellvertretender Geschäftsführer. Seit 2010 ist Frei bei der Elysator Engineering AG in Bilten. Seit Anfang 2017 ist er dort Geschäftsleiter.

Weitere Informationen:
www.elysator.com