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Unabhängige Fachzeitschrift für die Sanitär-, Heizungs-, Lüftungs- und Energiebranche

Am diesjährigen Weishaupt Ingenieur-Fachzirkel (WIF) in der Umwelt Arena Spreitenbach haben rund 300 Fachleute der HKL-Branche teilgenommen. Der renommierte, alle zwei Jahre stattfindende Anlass hat sich seit 2001 zu einer wichtigen Veranstaltung in der Branche entwickelt. Der Anlass nahm sich diesmal mit der «Energiestrategie 2050 – Stand heute» einem hochaktuellen Thema an und zeigte dessen Umsetzung in der Praxis.

Bevor es ins Technische am Weishaupt Ingenieur-Fachzirkel (WIF) ging, wurde die Stabsübergabe von Weishaupt-Geschäftsführer Richard Osterwalder an seinen Nachfolger Thomas Rusch zelebriert. Nach 30 Jahren verlässt der Mann, der die Geschicke der Unternehmung Weishaupt in der Schweiz massgeblich geprägt und die Marke in der Schweiz an die Spitze gebracht hat, die Geschäftsleitung des Unternehmens. 

30 Jahre für Weishaupt erfolgreich gewirkt

Am 1. Februar 1989 hatte Richard Osterwalder die Leitung der Weishaupt AG Schweiz übernommen. 30 Jahre lang setzt er sich als Geschäftsführer für den Ausbau und die Weiterentwicklung des Unternehmens ein. Er machte Weishaupt zu einer der grossen Marken im Schweizer Markt der Brenner- und Wärmeerzeuger-Anbieter. Osterwalder wird die operative Leitung der Weishaupt AG offiziell per 1. Juni 2019 an seinen Nachfolger, ETH-Ingenieur Thomas Rusch, übergeben. Richard Osterwalder, der am Event betonte, dass bei Weishaupt auch in Zukunft die Qualität ganz im Fokus stehen werde, wird das Unternehmen weiter als Delegierter vom Verwaltungsrat begleiten und Thomas Rusch am Markt, bei Verbänden, Institutionen und Behörden einführen.

«Unsere Mitarbeiter bei Weishaupt arbeiten täglich daran, die Ziele der Energiestrategie 2050 zu erreichen», sagte Thomas Rusch zur Begrüssung der Teilnehmer des WIF in der Umwelt Arena in Spreitenbach. Durch den Weishaupt-Event führte erneut der bekannte Moderator Reto Brennwald. Das Interesse des Moderators am Thema Energiewende wurde durch eine Reportersendung über Doris Leuthard geweckt. Brennwald brillierte mit breitem Hintergrundwissen und hielt den Finger gekonnt auf die Diskrepanz zwischen Realität und Zielsetzungen.

Brennstoffverbrauch seit 2004 signifikant gesunken

Der schweizerische Gebäudepark mit einem Gesamtwert von 2500 Mia. Franken und einem jährlichen Investitionsvolumen von 40 Mia. Franken ist für über 40 Prozent des Schweizer Gesamtenergieverbrauchs und für zirka 27 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich. Der Stellvertretende Generalsekretär der Energiedirektorenkonferenz, Oliver Brenner, verwies in seinem Referat «Transformation des schweizerischen Gebäudeparks – Instrumente der kantonalen Energiepolitik» auf die Tatsache, dass unsere Energieversorgung zu 75 Prozent vom Ausland und stark von fossilen Energieträgern abhängig ist. Bedenklich ist die Tatsache, dass der Brennstoffverbrauch im Gebäudesektor seit 2004 signifikant sinkt, jedoch die Treibstoffe des Verkehrs laufend zunehmen. Seit 1990 sind trotz Bevölkerungswachstum die CO2-Emissionen aus Gebäuden insgesamt um 4,4 Mio. Tonnen gesunken.

Dies wurde zu einem nennenswerten Anteil mithilfe der Instrumente der Kantone erreicht. Diese decken die Bereiche Fordern, Fördern, freiwillige Label sowie Information und Beratung ab. Die Weiterentwicklung und konsequente Anwendung dieser und weiterer Instrumente werden auch künftig erforderlich sein, sollen die gesetzten Ziele im Energie- wie auch Klimabereich erreicht werden. Einen wesentlichen Reduktionsbeitrag müssen die bestehenden ineffizienten und fossil beheizten Bauten leisten. Dabei ist zu beachten, dass die Energieeffizienz im Gebäudebestand die Eintrittskarte für eine technologieoffene Anwendung der begrenzt verfügbaren erneuerbaren Wärmequellen im Gebäudebereich ist.

Die Erneuerung und Sanierung des Gebäudeparks in Richtung effizient und erneuerbar geht allerdings zu langsam voran. «Sobald es einen persönlich betrifft, dass sieht man auch bei Abstimmungen, bremsen die Leute», so Brenner. «Soll es doch die Politik richten, ist die Meinung.»

Brenner berichtet auch ausführlich über die Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich MuKEn 2014, die nach dem Gau in Fukushima 2011 entstanden sind und die wichtigen Gebäudevorschriften/Gebäudestandards für Neubauten und bestehende Bauten zur zielkonformen Reduktion des Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen beinhalten. Brenners Fazit: «Energie- und klimapolitische Herausforderungen und Ziele lassen sich nur gemeinsam erreichen, wobei Kantone und die Gebäudetechnikbranche wichtige Player sind. Der Branche kommt bei der Umsetzung eine Schlüsselrolle zu, die viele Möglichkeiten, Chancen und Arbeitsplätze bietet.» 

Neue Produkte von Weishaupt

Berthold Högerle, Leiter Schulungszentrum Max Weishaupt GmbH, berichtete über den grossen Energieumbruch in der Branche. Obwohl Brenner noch 60 Prozent ausmachen, ist Weishaupt daran, den regenerativen Bereich stark auszubauen. Högerle stellte die neue, in der Schweiz produzierte Luft/Wasser-Wärmepumpe Biblock WWP LB und die neuen noch energieeffizienteren Gasbrenngeräte WTC-GW 80/100-A vor – alles Eigenentwicklungen made in Switzerland. «Wir sind bei Weishaupt stolz auf Schweizer Qualität», sagte Högerle. «Energieeffizienz steht an erster Stelle, die Anlagen werden zudem immer leiser, einfacher zu montieren und benötigen immer weniger Platz.»

Die Luft/Wasser-Wärmepumpe Biblock ist ein Multitalent, die auf der ISH 2019 Premiere feierte. Das System rundet das komplette Wärmepumpen-Programm von Weishaupt optimal ab. Mit der Biblock kann ab −22 °C die Wärme der Aussenluft effizient zum Heizen und zum Bereiten von Warmwasser genutzt werden. Durch die Dampfeinspritzung werden Temperaturen bis 65 °C erreicht. Das sorgt für hohen Warmwasserkomfort und optimale Hygiene. Dabei ist die neue Biblock hocheffizient: Sie macht mehr als viermal so viel Energie aus der Umwelt nutzbar, wie für ihren Betrieb aufgewendet wird. Zahlreiche Innovationen von Weishaupt sind erstmals in der Wärmepumpe Biblock in Serie verwirklicht worden. Dazu gehören der verbesserte Eulenflügel-Ventilator und die strömungsoptimierten Lamellen des Aussengeräts für extrem leisen Betrieb: Bereits in 1,5 m Abstand werden 35 dB(A) erreicht. Auch der BlueFin-Verdampfer (Perleffekt und Korrosionsschutz) mit seiner grossen Empfangsfläche zählt zu den Stärken. «Aussen fehlt jetzt der Verdichter», betonte Högerle. «Im Aussengerät ist gar nicht mehr viel drin.»

Die WTC-GW 80/100-A führen die Stärken der Gas-Brennwerttechnik von Weishaupt in eine neue Leistungsdimension. Denn durch die Möglichkeit zur Kaskadierung von bis zu acht Geräten kann der Fachhandwerker Anlagen von bis zu 800 kW Leistung verwirklichen – mit höchster Effizienz, mit noch höherer Betriebssicherheit durch Redundanz der kaskadierten Wärmeerzeuger und mit einem kompletten System für den Heizraum zur schnellen Montage und Inbetriebnahme der gesamten Anlage. Im Betrieb überzeugen die WTC-GW 80/100-A unter anderem durch ihren grossen Modulationsbereich von 14 kW bis 80 kW oder 98 kW, bei gleichbleibend hoher Verbrennungsqualität. Schlüssel dazu ist die Verbrennungsregelung des Premix-Brenners mit dem Weishaupt SCOT-System (Safety Combustion Technology). Zu den Vorteilen der WTC-GW 80/100-A zählen auch ihre Eignung für Erd- und Flüssiggas, die eine Gasartenumstellung stark vereinfacht, und der leise Betrieb. Für den Fachhandwerker zeigt sich die durchdachte Konzeption in Details – von der schnellen Montage über die erfolgreiche Inbetriebnahme bis zur Wartung.

Die Montage einer Kaskade kann wie bei herkömmlichen Systemen erfolgen. Das heisst, dass die Geräte an der Wand, das Hydrauliksystem am Boden und das Abgassystem an der Decke befestigt werden. Eine montagefreundlichere Variante bietet das neue Trägersystem: Neben den Geräten können alle Anschlusskomponenten wie Hydrauliksystem, Gasleitung, Kondensatleitung, Abgassystem, Kabeltrasse und Kaskadenregler schnell über definierte Befestigungspunkte an der stabilen Profilstahlkonstruktion montiert werden. Das führt zu einer grossen Zeitersparnis. Zum Schluss werden die vorgefertigten Wärmedämmschalen für alle Hydraulikkomponenten wie Geräteanschlussrohre, Kugelhähne, Pumpen, Sammlerrohre und hydraulische Weichen angebracht.

Druck von Markt und Technologie ist da

Die Energiewende ist beschlossen und wird das Energiesystem radikal verändern. Dies bringt weitreichende Veränderungen mit sich. Sich gegen Veränderungen zu wehren und untätig zu bleiben, mag auf den ersten Blick komfortabel erscheinen. Doch Gianni Operto, Präsident AEE Suisse, Dachorganisation der Wirtschaft für erneuerbare Energien und Energieeffizienz, und Inhaber der Operto AG, führte in seinem Vortrag «Ausreden findet man immer, Chancen nicht» wunderbar aus, wie der Energiewende mit innovativen Lösungen begegnet werden kann und wie sie sich durchsetzen wird: «Trotz der bremsenden Wirkung von US-Präsident Donald Trump sind unter ihm mehr Kohlekraftwerke rausgenommen worden, als in den 8 Jahren zuvor. Der Druck der Technologie und des Markts ebnen zum Glück den Weg für die Energiewende.» Über 68 Prozent der weltweiten Investitionen in neue Stromproduktionsanlagen gingen 2017 in die Erneuerbaren, das mache zuversichtlich. Die Technologien seien ein grosses Thema und machten wie auch die Digitalisierung grosse Fortschritte. Letztere eröffnet, neue Möglichkeiten. Der AEE-Suisse-Präsident sieht sie als grosse Chance.

Fragen ans Podium

Wie üblich beschloss ein Podiumsgespräch den WIF. In der Diskussion kam klar heraus: WAS wir wollen, scheint eigentlich klarer zu sein, als WIE wir es wollen. Im Grundsatz ja, aber nicht bei Betroffenheit. Die grosse Herausforderung wird die Umsetzung der Vorschriften sein. Über eines gibt es allerdings völligen Konsens: Eine Rückkehr zur Atomkraft wird es nicht geben, weder in der Schweiz noch in Deutschland. Verschiedene Infostände, eifriges Netzwerken und ein reichhaltiger Apéro rundeten den gelungenen Event ab.

Weitere Informationen:
weishaupt-ag.ch

Über EnDK und AEE Suisse

Seit 1979 ist die Energiedirektorenkonferenz (EnDK) der Zusammenschluss von 26 Mitgliedern der Kantonsregierungen, die führend im Bereich Energie sind. Sie bilden das Energie-Kompetenzzentrum der Kantone. Hauptaufgaben sind die Förderung und Koordination der Zusammenarbeit der Kantone in Energiefragen sowie die Vertretung gemeinsamer Interessen. Angegliedert ist die Energiefachstellenkonferenz (EnFK), die fachtechnische Fragen behandelt.

Die AEE SUISSE vertritt als Dachorganisation der Wirtschaft die Interessen von 20 Branchenverbänden und rund 15 000 Unternehmen und Energieversorgern aus den Bereichen erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Ihr Ziel ist es, die Öffentlichkeit und Entscheidungsträger für eine nachhaltige Energiepolitik zu sensibilisieren und sich aktiv an der Gestaltung der wirtschaftlichen und energiepolitischen Rahmenbedingungen auf nationaler und regionaler Ebene zu beteiligen.