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Gut zu wissen
07.12.2018 - Ausgabe: 12-2018

Führung, Kommunikation und Datenschutz am Kadertag der Gebäudetechnik

Fery Lipp


Mit dem Schwerpunkt «Leadership und Kommunikation» wurden den Teilnehmern des Kadertags der Gebäudetechnik 2018 in Baden wertvolle Impulse mit auf den Weg gegeben. Während sich das Vormittagsprogramm um Arbeitseffizienz, Kommunikation bzw. Körpersprache drehte, stand der Nachmittag im Zeichen von IT-Sicherheit sowie den Möglichkeiten und Gefahren des Internets. Abgerundet wurde der Anlass mit einem spannenden Referat des bekannten Nahost-Experten Erich Gysling.

Der von energie-cluster.ch und ProKlima durchgeführte Kadertag Gebäudetechnik stand heuer im Zeichen des Mottos «Leadership und Kommunikation». Durch die Veranstaltung führte Ivan Oberti, Präsident von ProKlima, der die Teilnehmer mit einem Zitat des Nobelpreisträgers Albert Schweitzer begrüsste: «Ein Beispiel zu geben, ist nicht die wichtigste Art, wie man andere beeinflusst. Es ist die einzige.» Passender hätte er den vormittägigen Themenblock kaum einleiten können, schliesslich wurden in dessen Verlauf diverse Führungsstile vorgestellt.

 

Zeitmanagement: Zeitverschwendung

Eröffnet wurde die Vortragsreihe von Mauro Cosetti. Der Experte für Effektivität und Produktivität arbeitete über 20 Jahre als General Manager bei einem amerikanischen Technologieunternehmen. Der Autor des Buchs «Der 4-Stunden-Mann» vertritt die These, dass man in 50 Prozent der Arbeitszeit 100 Prozent der Ziele erreichen kann. Es komme nur darauf an, die richtigen Dinge zu tun (Effektivität), die Dinge richtig zu tun (Effizienz) sowie das Ganze gut zu planen.

Cosetti mahnte, dass Zeitmanagement reine Zeitverschwendung sei. Auch Multitasking würde nicht immer funktionieren. Als Gegenrezept empfahl er «Mindfulness», zu Deutsch: Achtsamkeit. Sie verhindere, dass man sich in der Vergangenheit oder der Zukunft verliere und stattdessen in der Zeit lebe, die einem wirklich gehöre – der Gegenwart. Hart ins Gericht ging Cosetti auch mit der sogenannten Eisenhower-Matrix, die Aufgaben nach deren Wichtigkeit und Dringlichkeit kategorisiert. Als Gegenprinzip schlug er sein eigenes «Cosetti-Modell» vor: «Das kann man eins zu eins übernehmen, denn zu viel arbeiten nützt am Ende niemandem und verhindert sogar nachhaltige Erfolge.» Im letzten Teil des Vortrags kam der Manager auf die drei wichtigsten Punkte zu sprechen, die jede richtige Führungskraft auszeichne: erstens das Fokussieren auf die wichtigsten Aufgaben, zweitens ein Führungsstil, der Untergebene zur Verantwortung befähigt, und drittens eine ergebnisorientierte Planung.

 

Wichtigkeit der Körpersprache

Beim zweiten Referat des Tages ging es um die Kraft der Körpersprache. Referentin war Antoinette Anderegg, Inhaberin der Firma Apriori Image & Communication, Frenkendorf. Die Kernaussage der Beraterin für nonverbale Kommunikation lautet, dass jeder mit der richtigen Körpersprache Zeit sparen und seine Ziele besser erreichen kann. Anderegg beleuchtete anhand eines Experiments die sozialen und kulturellen Unterschiede zwischen Lachen und Lächeln, die grundverschieden seien. Ersteres habe etwas Befreiendes und bewirke Entspannung. Letzteres wiederum könne ganz unterschiedlich gedeutet werden. So könne Lächeln als Unterwerfungssignal eingesetzt werden, unangenehme Nähe erzeugen oder Ausdruck von Falschheit sein. Diese manifestiere sich grundsätzlich durch das Zeigen der unteren Zahnreihen und die Ausrichtung der Mundwinkel nach unten. Doch könne man ein falsches nicht immer von einem echten Lächeln unterscheiden, weil Menschen halt gute Lügner seien, warnte Anderegg.

 

Wohnungsmarkt: vom Mangel zum Überangebot

Patrick Schnorf, Immobilienexperte bei -Wüest & Partner, Zürich, analysierte in seinem Vortrag die Schweizer Baubranche und den Immobilienmarkt. Beim Ausblick auf das nächste Jahr blendete er Grafiken mit den Kernindikatoren ein, die sich mit Ausnahme des schwachen Bevölkerungswachstums von 0,7 Prozent fast alle positiv auf den Immobilienmarkt auswirken.

Bei der Entwicklung der Mietpreise stellte er fest, dass sie seit 2015 sinken, eine Tendenz, die auch im nächsten Jahr anhalten dürfte. Bei den baubewilligten Wohneinheiten prognostizierte er eine neuerliche Ausdehnung bei den Mietwohnungen, und zwar in den kleineren und mittleren Zentren sowie in den Agglomerationen, also genau in jenen Bereichen, wo bereits ein Überangebot besteht. Beim Blick auf die Marktversorgungssituation betonte Schnorf die in den Jahren 2016 und 2017 eingetretene Zäsur: von einer Situation des Wohnungsmangels hin zu einem Wohnungsüberschuss.

Schliesslich ging der Immobilienfachmann auf die Klimabilanz des Gebäudeparks ein und blickte auf die Marktentwicklung bei den Heizsystemen, wo er einen substanziellen Rückgang beim Bau neuer Gas- und Ölheizungen ausmachte. Der Trend des Zubaus von Wärmepumpen werde mit einem Marktanteil von über 60 Prozent weiter anhalten, sagte er.

 

Unterschiedlichen Führungsstile veranschaulicht

Im Abschlussreferat vor der Mittagspause ging die international tätige Dirigentin Lena-Lisa Wüstendörfer auf die Parallelen zwischen dem Dirigieren eines Musikorchesters und dem Führen eines Unternehmens ein. Ein Orchester zu leiten ist eine Managementaufgabe mit Sofort-Rückmeldung: die Ergebnisse erfolgreicher Leitung und Kommunikation sind sofort hörbar. Die unterschiedlichen Führungsstile veranschaulichte Wüstendörfer anhand von Filmeinspielungen berühmter Dirigenten wie Ricardo Muti, Herbert von Karajan, Carlos Kleiber oder Antonio Pappano.

Dabei ging die Dirigentin auf zwei komplementäre, von den Sozialwissenschaften -herausgearbeitete Führungsstile ein: einerseits auf das eher sachliche transaktionale Modell, bei dem Mitarbeiter durch Klärung von Zielen und Aufgaben sowie durch Kontrolle und Belohnung von Leistungen angespornt werden; und andererseits auf das mehr auf Eigenverantwortlichkeit bauende, transformationale Modell, bei dem die Führungskraft durch exemplarisches Handeln, das Aufzeigen von Perspektiven und die Vermittlung von Visionen motiviert.

Wüstendörfer thematisierte die wesentlichen Grundeigenschaften eines guten Dirigenten. So müsse ein guter Orchesterleiter authentisch und glaubwürdig sein. Er müsse mit Herzblut bei der Sache sein, damit die Performance das Publikum in den Bann ziehe. Ein Dirigent müsse nicht nur Gehorsam einfordern, sondern die Musiker auch in die Entscheidungsprozesse miteinbeziehen sowie aktives Mitdenken und Eigenverantwortung fördern.

 

Den Kundennutzen im Auge behalten

Wie man mit wenigen, dafür gezielten Massnahmen einen wirkungsvollen Internetauftritt erreicht und in Suchmaschinen wie Google erscheint, zeigte Google-Experte Norman Irion von der Netpulse AG, Winterthur. Der gelernte Maschinenmechaniker hatte bei Grossfirmen wie HP und Microsoft als Telefonakquisiteur gearbeitet, bevor er sich selbständig machte. Durch die intensive Beschäftigung mit Google – «die häufigste Suche bei Google ist Google» – lernte er die Marketinginstrumente des Technologiegiganten schätzen. Seither nennt sich Irion «Der Schweiz weltgrösster Googlefan!».

Mit Lässigkeit und flotten Sprüchen ging Irion auf die vielen Vorzüge des Online-Marketings von Google ein, insbesondere auf Google AdWords: «Auf Google kannst du eigentlich für alles werben.» Mit diesem Marketinginstrument könne eine Firma zielgerichtet und standortunabhängig Werbung schalten. Darüber hinaus befasste sich Irion mit der Resonanzfähigkeit von Werbung und der Bedeutung von Re-Marketing. Dem Publikum empfahl er, sich bei der Internetpräsenz auf das Wesentliche zu beschränken, «sonst funktioniert das nicht!». Diese Vorgehensweise erziele eine höhere Wirkung und eine bessere Positionierung im Suchergebnis-Ranking. Schliesslich verwies er auf die Wichtigkeit, immer den Kundennutzen im Auge zu behalten und diesen gut zu beschreiben.

 

Datenschutz nicht vernachlässigen

Im Referat von Dr. Michael Widmer, Dozent für Datenschutzrecht an der School of Management and Law der ZHAW und Rechtsanwalt in der Kanzlei Probst Partner AG, Winterthur, ging es um die rechtliche Dimension des Datenschutzes. Datenschutz und Datensicherheit erhalten auch im Bereich der Gebäudetechnik besonders im Zusammenhang mit dem Internet of Things (IoT) eine zunehmend wichtige Rolle. Widmers erste Hinweise galten der neuen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union (EU). Die DSGVO definiere den Datenschutz als Persönlichkeitsschutz, so Widmer. Es gehe darum, jene Daten zu schützen, die Rückschlüsse auf die Identität von Personen zuliessen. Widmer verwies auf die Bedeutung der Begriffe «Bearbeiten» und «Verarbeiten», die sich auch auf das Speichern und Löschen von Daten beziehen.

In Bezug auf die Geltungskraft der DSGVO für Schweizer Unternehmen sagte Widmer, dass über 80 Prozent betroffen seien. Inländische Firmen würden unter die Regelung fallen, wenn sie Waren oder Dienstleistungen in der EU anböten oder das Verhalten von Personen mit Wohnsitz in der EU beobachteten. «Gar nichts zu tun beim Datenschutz», so Widmer, «ist gar keine gute Lösung.»

Um die eigene Firma regelkonform zu machen, schlug Widmer einen stufenweisen Ansatz vor: So sollte als Erstes eine Datenschutzerklärung auf der Webseite veröffentlicht werden. Als Zweites schlug er eine Klärung der Bestimmungen zu Outsourcing-Verträgen im IT-Bereich vor. Schliesslich empfahl er als dritten Schritt die Überarbeitung des Newsletters.

 

Cyberkriminelle sind hoch profitorientiert

Der Security Analyst Damian Pfammatter von der Compass Security Schweiz AG, Jona, zeigte auf, wie leicht und mit welchen Konsequenzen Hacking möglich ist. Zunächst richtete Pfammatter die Aufmerksamkeit des Publikums auf landesweit bekannte Fälle von Hackerangriffen, wie zum Beispiel auf den Rüstungskonzern Ruag, die SVP-Seite oder Schweizer Arztpraxen und Postkunden. Das Geschäft mit der Cyberkriminalität sei extrem profitorientiert, betonte er. 2016 hätten Cyberkriminelle weltweit über 450 Mia. US-Dollar erwirtschaftet und damit erstmals sogar das Geschäftsvolumen des internationalen Drogenhandels überflügelt. «Das ist bei über 70 Prozent aller Länder mehr als deren Bruttonationaleinkommen», betonte Pfammatter, «das muss man sich mal bewusst machen.» In der Schweiz sind es 374 Mio. Franken.

Die Hacker sind auch sehr gut organisiert: «Hacker sind eigentlich nur Leute, die nach Schwachstellen suchen, denen darf man es nicht zu leicht machen.» Pfammatter ging auch auf die Thematik der Ransomware ein. Über Trojaner verschafften sich Kriminelle Zugang zu Serverdaten des Opfers, um anschliessend mittels Lösegeldforderungen über Kryptowährungen wie Bitcoin an Bares zu gelangen. Der IT-Experte ging auch auf SM-Spoofing-Attacken und die Abläufe des Distributed Denial of Service (DDos) ein. Er warnte auch davor, USB-Stick unbekannter Herkunft zu verwenden – nur schon das Einführen des Sticks und das öffnen können gefährlich sein. Pfammatter erklärte auch das grundsätzliche Vorgehen der Kriminellen und die verästelte Betrugsstruktur, die dazu notwendig ist – vom Programmierer über den Geldwäscher bis zum Hosted System Provider.

Zum Schluss richtete Pfammatter einige grundsätzliche Empfehlungen ans Publikum: So müssten eingehende E-Mails und SMS stets kritisch hinterfragt werden. Ausserdem sind geeignete Schutzsysteme für die Hard- und Software zu aktivieren, regelmässige Back-ups durchzuführen und zu testen, sensible Daten zu verschlüsseln sowie sichere Passwort-Richtlinien aufzustellen. Mit Vorteil sollten Firmen Richtlinien für den Umgang mit sozialen Medien etablieren. «Seien Sie nicht die Low-hanging fruit», warnte der Security Analyst zum Schluss. «Die gut organisierten und profitorientierten Cyberkriminellen suchen sich immer einfache und lohnende Ziele.»

 

Mit Erich Gysling im Konfliktherd Naher Osten

Den Abschluss des Kadertages bestritt der bekannte Nahostexperte, Journalist und Publizist Erich Gysling. Der Konflikt zwischen Angehörigen der sunnitischen und schiitischen Glaubenslehre scheint die Politik des Nahen und Mittleren Ostens zu bestimmen. «Doch dieser Gegensatz», betonte der Nahostkenner, «ist eigentlich erst seit dem 1. Golfkrieg ein Punkt.» Der perfekt Arabisch und Persisch sprechende Gysling brillierte mit seinem grossen Wissen beim Publikum und erklärte die Zusammenhänge in Nahost ohne den üblichen Antiamerikanismus plausibel und nachvollziehbar. Durch seine grossen Sprachkenntnisse wirkt Gysling überzeugend, da er einen speziellen Zugang zu den Herzen und Gefühlen der Menschen der Region hat.

Der Konflikt rund um Syrien geht bald in sein neuntes Jahr. Dies ist eine traurige Realität mit tausenden Opfern, und es ist kein Ende in Sicht. «Der Westen ist dem Konflikt in Syrien müde geworden. Die internationale Gemeinschaft hat sich damit abgefunden, dass Assad an der Macht bleibt», stellte der Nahostexperte ernüchtert fest.

Gysling ging auch auf die religiösen Texte des Islam ein, die durchsetzt seien von traditionalen Wertvorstellungen. Er verwies dabei auf den Koran, wo es unbestreitbar Suren gebe, die zu Gewalt aufriefen. Diese Texte müssten zeitbezogen interpretiert werden, forderte er. Das Problem dabei sei nur, dass wichtige Autoritäten des gelehrten Islams darauf pochten, die alleinige Autorität und sprachliche Kompetenz dazu zu haben, dies zu tun. So bleibe alles unangetastet und beim Alten.

Ausführlich ging der Journalist auf die zwei rivalisierenden Mächte Saudi-Arabien (sunnitisch) und Iran (schiitisch) und die geopolitische Konfrontation zwischen den beiden ein; eine Feindschaft, die weniger mit Religion, als vielmehr mit Machtpolitik und Wirtschaftsinteressen zu tun habe. Gysling kritisierte, dass bei der Berichterstattung nur selten über die Realität hinter der glitzernden Fassade berichtet werde. Noch bis vor einigen Wochen habe Saudi-Arabien als ehrenwerter Staat, als reicher Ölstaat gegolten, bis dieser schockierende Fall Khashoggi passierte. Den von den Saudis angeführten Krieg im Jemen mit 10 000 Toten und Millionen hungernden Jemeniten schien ohnehin niemand zu interessieren.

Im Gegensatz zu Saudi-Arabien, dessen Wirtschaft zu über 80 Prozent von der Förderung von Erdöl und Erdgas abhängig sei, verfüge Iran über eine sehr diversifizierte Wirtschaft und sei nur zu 25 Prozent davon abhängig, betonte Gysling. An das Atomabkommen hätten sich die Iraner gehalten, mit Ausnahme der Raketenforschung. Ausserdem seien die Iraner im Vergleich zu den Saudis Zwerge bei den militärischen Ausgaben. Die USA hätten den historischen Vertrag mit Iran eigentlich deshalb gekündigt und Sanktionen eingeführt, weil sie auf einen «Regime Change» hofften. Doch Gysling bezweifelt den Erfolg dieser Strategie, denn das Regime sei zwar unbeliebt, aber wohl nicht so sehr, dass ein Umbruch in nächster Zeit stattfinden werde. Überzeugend zeigte er anhand von Karten die Einkreisung Irans durch amerikanische Militärstützpunkte in den umliegenden Ländern auf und machte das Verhalten der iranischen Führung mit ihren expansionistischen Bestrebungen nach Syrien, Gaza und Libanon plausibel.

Der Vortrag des ehemaligen Leiters von «Rundschau» und «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens über den Nahen Osten stiess beim Publikum auf sehr grosses Interesse. In der anschliessenden Fragerunde wurden Gysling zahlreiche Fragen etwa zu den US-Sanktionen gegen Iran, den Imamen in der Schweiz und der Auslegung bzw. Interpretation des Korans gestellt. Und auch beim abschliessenden Apéro mit Networking war der Fernsehstar heiss begehrt für Fragen interessierter Teilnehmer.