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Unabhängige Fachzeitschrift für die Sanitär-, Heizungs-, Lüftungs- und Energiebranche

Die Gebäudetechnikbranche steht im Zusammenhang mit der angestrebten Dekarbonisierung sowie einem effizienteren Betrieb der Anlagen im Schweizer Gebäudepark vor grossen Herausforderungen. Dazu sind innovative Lösungen gefragt, die Eliminierung des oft auftretenden «Performance Gap» ist daher wichtig. Der Gebäudetechnik Kongress in Luzern hat hier Brücken geschlagen, um Forscher, Planer, Ausführende und Betreiber zusammenzuführen, sowie für den wichtigen Wissens- und Informationsaustausch gesorgt. Den thematischen Rahmen bildeten die Begriffe «Innovation» und «Performance Gap».

«Die Trägerschaft des heutigen Events, bestehend aus dem Schweizerischen Ingenieur- und Architektenverein SIA, dem Verband Electrosuisse und dem Schweizerischen Verein der Gebäudetechnik-Ingenieure SWKI, freut sich, namhafte und auch noch in der Start-up-Phase befindliche Referenten verpflichtet zu haben, die ihre Erfahrung sowie auch die Visionen für einen nachhaltigen Gebäudepark aufzeigen können», sagte Prof. Adrian Altenburger, Vizepräsident SIA, zur Begrüssung der Teilnehmer im KKL Luzern. «Wir verfolgen das entscheidende Ziel, den Gebäude-
park Schweiz auf ein nachhaltiges Fundament zu stellen. Zudem möchten wir Antworten auf Fragen zur Gebäudetechnik in allen Lebenszyklusphasen geben – und dies in einem qualitativ hochwertigen und innovativen Umfeld.»

Die gebäudetechnischen Systeme sind dabei von zentraler Bedeutung. Diese müssen gleichzeitig dem Anspruch eines adäquaten Komforts und eines bedarfsgerechten Betriebs genügen. Konzeption und Einsatz der Systeme dürfen daher nicht Selbstzweck sein, so Altenburger, sondern hätten dem Grundsatz «So wenig Technik wie möglich, soviel wie nötig» zu folgen.

Vision: bis 2050 den Verbrauch um 66 % senken

Benoît Revaz, Direktor des BFE, gab in seinem Vortrag einen interessanten Überblick über den Gebäudepark Schweiz: Der Gesamtwert des Gebäudeparks in der Schweiz erreicht 2500 Mia. Franken. In 1,8 Mio. Gebäuden wird eine Fläche von 800 Mio. m² beheizt, weitere 500000 Gebäude sind nicht beheizt. Ungefähr 500000 Mehrfamilienhäuser brauchen 350 Millionen m² und 1 Mio. Einfamilienhäuser 160 Mio. m².

«Nicht zu vergessen ist», so Revaz, «dass damit bei uns 600000 Arbeitsplätze – Vollzeitstellen: 16 % des Arbeitsmarkts – in der Bauwirtschaft verbunden sind.»

Für Verwaltungsgebäude und Büros werden 60 Mio. m², für Geschäftshäuser 40 Mio. m² sowie für Industriebauten und Lagerhallen 80 Mio. m² veranschlagt. «Nicht zu vergessen ist», so Revaz, «dass damit bei uns 600000 Arbeitsplätze – Vollzeitstellen: 16 % des Arbeitsmarkts – in der Bauwirtschaft verbunden sind.»

Der Verbrauch des Gebäudeparks in der Schweiz beträgt 100 TWh bzw. 45 % des Energiebedarfs der Schweiz. 75 % davon werden für die Heizungen benötigt (50% aus Heizöl, 25 % aus Erdgas). «Die neue Energiepolitik sieht für den schweizerischen Gebäudepark einen Verbrauch von 55 TWh im Jahr 2050 vor», betonte der BFE-Direktor. Ein ambitioniertes Vorhaben, das bei Wahl der richtigen Weichenstellungen gelingen kann.

Die Ziele des neuen Energiegesetzes umfassen wirksame Massnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz bei Gebäuden, Mobilität, Industrie und Geräten, Massnahmen zum Ausbau der erneuerbaren Energien sowie den Atomausstieg. Als Schwerpunkte nannte Revaz die Verstärkung des Gebäudeprogramms bis 2025 (ab 2020 Abkehr von Subventionen), die neutrale Unterstützung der Energieoptimierung mit dem Programm EnergieSchweiz, den ganzheitlichen Ansatz im Bereich Labels, Standards und Normen, die Förderung der Forschung, Ausbildung von Fachleuten und die Zusammenarbeit mit den Berufsverbänden sowie die Finanzhilfen mittels kostendeckender Einspeisevergütung (KEV), Einmalvergütung (EV), wettbewerblichen Ausschreibungen (WA) und CO2-Kompensation.

«Unsere grosse Vision ist, im Gebäudepark bis 2050 den Verbrauch um 66 % auf 55 TWh im Jahr 2050 zu senken», stellte Revaz fest. «Das bedingt ab 2030 die obligatorische Energieoptimierung aller Gebäudetypen sowie den Verzicht ab 2050 auf Heizöl, Erdgas oder Strom für den direkten Verbrauch beim Heizen. Wir wollen ab 2050 energieautarke Gebäude, Quartiere und Städte und wir forcieren die Verdichtung statt Zersiedlung – das sind Massnahmen zur Sicherung der Nachhaltigkeit und Lebensqualität bei uns.» Die Zukunft soll im Gebäudebereich (eigene Solaranlagen) den Wechsel vom Konsumenten zum Energieakteur bringen.

Die Chancen packen

Dr. Suzanne Thoma, CEO der BKW Gruppe, thematisierte die neuen Kundenanforderungen durch die Energiestrategie 2050. «Sie arbeiten in einer Branche, in der es ein unglaubliches Wachstum geben wird», meinte Thoma, «und Sie können auf den Segen und die Unterstützung der Behörden zählen. Diese Chance ist zu packen, denn fast 50% des Energieverbrauchs findet im Gebäude statt; es heisst also die Energieeffizienz zu steigern. Das ist ein signifikanter Markt für die Gebäudetechnik.» Thoma rechnet damit, dass die Anzahl der PV-Anlagen in der Schweiz von heute 70000 bis 2050 auf fast 1 Mio. ansteigen wird.

«Wir haben uns von der BKW ein wenig ausgeruht und wollten auf Bewährtes setzen», so die BKW-Chefin, «doch wir müssen innovativ sein und uns am Kundenbedürfnis orientieren, denn dieser will es einfach ausgedrückt: warm, hell, gemütlich, sicher, nicht zu teuer – und keinen Ärger. Der Kunde möchte sich in seiner Freizeit nicht mit Gebäudetechnik rumschlagen müssen. Wer sich wegduckt, wird bestraft, denn dann kommen die Lösungen einfach von anderer Stelle. Es liegt eine unglaubliche Chance in diesen Entwicklungen.»

Wir müssen uns damit beschäftigen, dass es an kritischen Tagen keinen Strom-Export in die Schweiz geben wird.

Thoma erinnerte daran, dass es noch lange nur teilautarke Häuser geben wird und nicht vollautarke, und diese bräuchten Strom aus dem Netz, deshalb sei die Frage nach der Reserve-Infrastruktur entscheidend: «Wir müssen uns damit beschäftigen, dass es an kritischen Tagen keinen Strom-Export in die Schweiz geben wird. Die Schweizer Wasserkraft produziert vor allem im Sommer und der Verbrauch ist im Winter höher als im Sommer. Und hier setzt die Gebäudetechnik an, damit Lösungen für die Energiezukunft gefunden werden können, für eine sichere Versorgung. Herzliche Gratulation, Sie haben die richtige Branche gewählt, gestalten wir das doch!»

Performance Gap – technische Anlagen effizient einstellen

Nach dem Podiumgespräch mit den beiden Referenten und SIA-Präsident Stefan Cadosch, an dem die behandelte Thematik vertieft wurde, stellte Bruno Schöpfer, Managing Director Katara Hospitality Switzerland AG, mit eindrücklichen Bildern das Energie- und Gebäudetechnikkonzept am Bürgenstock Resort, dessen Energiekonzept CO2-neutral gestaltet wurde, vor und Martin Ménard, Lemon Consult AG, Vizepräsident SIA-Kommission KGE, das Thema «Performance Gap – Nutzer, Anlagen oder Normen-Bug?» in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. «Das Verständnis des Performance Gap verhindert Fehlinterpretationen und Fehlanreize und ermöglicht dadurch erst zielgerichtete Innovationen», so Ménard. Normative Standardwerte trügen wesentlich zum Performance Gap bei: eine Anpassung des «Fahrzyklus» dränge sich daher auf. Ménard: «Die Betreiber müssen in die Lage versetzt werden, ihre technischen Anlagen der Nutzung entsprechend effizient einzustellen. Planer, Installateure und Nutzer tragen nur in Einzelfällen massgebend zum Performance Gap bei.»

Peter Grüter, Präsident des Schweizerischen Verbandes der Telekommunikation, bebilderte eindrucksvoll die Konvergenz von IT und Gebäudetechnik und Dr. Olivier Steiger, HSLU, stellte «Das sehende Haus – Bildanalyse in der Gebäudeautomation» vor.

Flugreisen erschweren die 2000-Watt-Bilanz

Im Nachmittagsprogramm des Gebäudetechnik Kongresses verdeutlichte Prof. Dr. Arno Schlüter, ETH, die Wichtigkeit der Interdisziplinarität als Voraussetzung für innovative Lösungen. «Effiziente Gebäude zu entwickeln wird vermehrt zu einer interdisziplinären Aufgabe», sagte Schlüter und zeigte prominente Beispiele, die verwirklicht wurden. «Auf den ersten Blick nicht so leicht zu erkennen ist, dass wir mit den vielen Flugreisen von Bewohnern heutzutage teilweise echte Schwierigkeiten haben, 2000-Watt-gerechte Lösungen zu erarbeiten. Schliesslich muss das auch mitberücksichtigt werden.»

Schlüter verwies auch auf die Notwendigkeit, für mehr Nachhaltigkeit beim Bauen mit weniger Material auszukommen (Leichtbau, Betondecken mit 70% weniger Beton, materialsparende Fassaden). Auch die Ausbildung spiele in dieser Hinsicht eine bedeutende Rolle. «Für mich ist Interdisziplinarität ganz klar eine Voraussetzung für zukunftsfähige Lösungen», schloss Prof. Schlüter.

«Für mich ist Interdisziplinarität ganz klar eine Voraussetzung für zukunftsfähige Lösungen»

Eine «stadtverträgliche Luft-/Wasser-Wärmepumpe»

wurde am Kongress von Lukas Gasser, Alera energies GmbH, vorgestellt. «Die 2000-Watt-Gesellschaft bedingt den konsequenten Einsatz von erneuerbaren Energien zur Bereitstellung des Wärmebedarfs für Raumwärme und Brauchwarmwasser», stellte Gasser fest. Er betonte in seinen Ausführungen die Vorteile von Luft-/Wasser-Wärmepumpen: sie sind effizient, kostengünstig und nachhaltig. «Doch aktuell gibt es keine stadtverträgliche Luft/Wasser-Wärmepumpe am Markt. Entweder sind sie effizient und laut oder leise und wenig effizient. Wir erfüllen mit unserer Alera 16XH Super Silence die Minimalanforderungen an eine solche Wärmepumpe, wie sie gemäss der Studie der Stadt Zürich gefordert sind. Die Alera-WP hat insbesondere eine maximale Effizienz durch intelligente Leistungsregelung – SCOP 4.3 – und einen unerreicht leisen Betrieb - Schallleistungspegel 48 dBA im Volllastbetrieb.»

Am Schluss der Veranstaltung stellte Hansjörg Sidler, Siemens, die Vorteile des Energiespar-Contractings vor, Prof. Markus Hubbuch, ZHAW, zeigte Einblicke in die Modellentwicklung für Performance Gap und Stefan Waldhauser, Waldhauser + Hermann AG, machte die Betriebsoptimierung als Zusatzleistung zum Diskussionsthema.