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Unabhängige Fachzeitschrift für die Sanitär-, Heizungs-, Lüftungs- und Energiebranche

Nach über 20 Jahren hat der Schweizer Teilnehmer an einer Berufs-Weltmeisterschaft in der Sparte Sanitär- und Heizungsinstallation wieder Gold gewonnen: Marcel Wyss aus Grindelwald BE holte sich in Abu Dhabi die Goldmedaille. Für die Schweiz war es mit 11 Berufs-Weltmeistern die beste Schweizer WorldSkills-Bilanz aller Zeiten und eine grosse Bestätigung des vorzüglichen Ausbildungslevels in unserem Land.

Das SwissSkills Team hat an den WorldSkills in Abu Dhabi elf Gold-, sechs Silber- und drei Bronzemedaillen gewonnen und belegt als mit Abstand beste europäische Nation in der Nationenwertung Platz 2. In der Sparte Sanitär- und Heizungsinstallation holte sich Marcel Wyss aus Grindelwald in Abu Dhabi die Goldmedaille (Lehrbetrieb: Marcel Fischer, Heizungen, san. Installationen, Planungen, Grindelwald). Der letzte Weltmeistertitel im Beruf Sanitär liegt 22 Jahre zurück – 1995 in Lyon durch Sébastien Allaz.

Teilnehmer aus 29 Ländern

Im Beruf Sanitär und Heizung  (Plumbing & Heating) haben diesmal insgesamt 32 Länder teilgenommen. Von 3 Ländern war nur ein Experte anwesend, deshalb haben sich 2017 in diesem Beruf 29 Kandidaten um den Weltmeistertitel duelliert. «Das Teilnehmerfeld ist in den letzten Jahren immer dichter geworden», sagt Berufsexperte Florian Müller aus Oensingen, der an den WorldSkills 2011 in London Vizeweltmeister
wurde und Silber holte. «Die Länder kommen heute aus der ganzen Welt, das heisst von China, Japan, Korea über Malaysia, Indien, Vietnam, Kasachstan, Mongolei, Südafrika, Namibia, bis zu Neuseeland, Australien, USA, Brasilien und den Europäern. Da ist viel los.»

Die Schweiz hatte neben dem Kandidaten Marcel Wyss ein
eigenes Expertenteam vor Ort. Als Experte und Trainer von Marcel Wyss, fungierte Markus Niederer, Suissetec Bildungszentrum, Lostorf, der gleichzeitig seit 2013 der Chefexperte des sehr gros-
sen WorldSkills-Wettkampfberufs Plumbing & Heating ist. Durch die hohe Absorption, welches das Amt des Chefexperten mit sich bringt, und um die Rechte des Kandidaten während des Wettkampfs zu wahren, bewilligte WorldSkills International den Antrag von Niederer, für Marcel Wyss als einziger Schweizer Kandidat einen Compatriot Support Expert in der Person von Florian Müller, R. Nussbaum AG, Olten, zur Verfügung zu stellen. Florian Müller übernahm dabei die volle Funktion eines Länderexperten und unterstützte teilweise im Vorfeld das Training von Marcel.

Anspruchsvolle Aufgabe

Als Aufgabenstellung wurde 3 Monate vor dem Wettkampf ein Testprojekt mit einer Infrastrukturliste veröffentlicht. Anhand von diesem Projekt konnten sich die Länder auf den Wettbewerb vorbereiten und wussten, welche Verbindungstechniken im Wettkampf angewendet würden. Dieses Projekt wurde dann vor Ort, vor dem Wettkampf, von den Experten um mindestens 30 % verändert. Das diesjährige Projekt war in 4 Module aufgeteilt, und die Wettkampfzeit betrug exakt 22 Stunden.

Das 1. Modul bestand darin, die Verrohrung eines Wassererwärmers mit einem Solarpanel zu planen. Die Planung musste isometrisch dargestellt werden. Mit dem Plan hatte der Kandidat das Rohr zu bestellen. Nach der erfolgten Bestellung musste die Planung umgesetzt und der Speicher mit dem Solarpanel verbunden werden. Für diese Arbeit hatten die Kandidaten 6,5 Stunden Zeit.

«Marcel hat diesen ersten Wettkampftag trotz einiger kleiner Probleme – zu wenig Rohr bestellt – schliesslich souverän absolviert und wurde als einer der Einzigen komplett fertig in der geforderten Zeit», erzählt Florian Müller. «Somit war der Start wunderbar geglückt.»

Module 2 und 3

Bis zum Ende des 3. Wettkampftages mussten die Teilnehmer dann die Module 2 und 3 abschliessen. Die Reihenfolge der Module war ihnen überlassen. Das Modul 2 war die Erstellung des HDPE-Ablaufs. Für dieses Modul hatte jeder Kandidat 3 Stunden Zeit, die PE-Schweissmschine zu nützen. Diese Schweisszeiten wurden ausgelost und den Kandidaten vorgegeben.

Das Modul 3 war die komplette Gas- und Heizungsinstallation. Bei der Heizungsinstallation lag die grösste Schwierigkeit im gebogenen Handtuchradiator mit den Folgebögen. Die Gasleitung war aus Kupfer, die Verbindungen wurden alle weichgelötet. Auch da waren Folgebögen dabei. Wenn die Arbeit fertig abgeschlossen war, gehörte immer auch eine Druckprüfung dazu.

«Marcel machte alles richtig», so der Experte, «er begann mit der Heizungsinstallation und anschliessend mit der Gasleitung. Bis zum Ende des 2. Tages war er mit der Installation der Heizung inklusive der Druckprüfung fertig. Die Gasleitung war zu diesem Zeitpunkt auch schon fast fertiggestellt.»

Am Morgen des 3. Tages

war der PE-Ablauf an der Reihe. Von den möglichen 3 Stunden benötigte Marcel Wyss nur gerade 1¾ Stunden, um den Ablauf zu schweissen und fixfertig zu montieren. Dies war der Grundstein, Zeit zu gewinnen für die restlichen Aufgaben. So konnte Wyss die Zeit gebrauchen, um die Gasleitung fertigzustellen und auf Dichtheit zu prüfen.

Das Modul 2 wurde am Abend des 3. Wettkampftags bewertet. Marcel Wyss konnte am 3. Tag bereits mit dem Modul 4 beginnen und den grössten Teil davon fertigstellen.

Das Modul 4 beinhaltete die komplette Wasserinstallation mit der Apparatemontage und zum Schluss die Inbetriebnahme der Anlage. Die Wasserleitungen wurden mit einem Metallverbundrohr gepresst ausgeführt.

Am 4. Wettkampftag

hatten die Kandidaten noch 2,5 Stunden Zeit, das Projekt abzuschliessen, inklusive der Inbetriebnahme. Marcel Wyss hatte nur noch die Wasserleitungen zu pressen und anschliessend die Dichtheit zu überprüfen. Die Apparate hatte er in Rekordzeit montiert. Zum Schluss standen die Inbetriebnahme und das Füllen der Anlage noch bevor. Dies wurde durch ein 4-köpfiges Expertenteam anhand einer Checkliste bewertet.

Schnell und mit hoher Präzision gearbeitet

«Die Erfolgsfaktoren waren aus meiner Sicht, wie cool Marcel mit dem Druck umgegangen ist und sich durch fast nichts aus der Ruhe bringen liess», betont Florian Müller. «Zudem ist uns aufgefallen, wie speditiv und schnell Marcel die einzelnen Module fertiggestellt hatte und dies alles mit hoher Präzision. Kleine Fehler passieren jedem Kandidaten während einem 4-tägigen Wettkampf, so auch Marcel. Hingegen konnte er bei den wichtigen Elementen wie Dichtheitsprüfungen, rechtzeitige Fertigstellung der einzelnen Module, Sauberkeit und Inbetriebnahme immer voll punkten und so deutlich zulegen für die Goldmedaille. Wunderschön ist auch, dass wir als Team super harmoniert haben und am Schluss alles zusammengepasst hat für diesen grossen Erfolg.»

Grosser Empfang in der Schweiz

Bei der Rückkehr in die Schweiz wurde das SwissSkills Team in der Messe Zürich von rund 1000 Angehörigen, Freunden, Arbeitskollegen, Fans und Bundesrat Johann Schneider-Ammann zu einem furiosen Welcome Event empfangen. Mit Gratulationen, viel Glockenlärm und frenetischem Applaus wurde der grosse Erfolg der Schweizer Delegation noch einmal tüchtig gefeiert.

Reto Wyss, Stiftungsratspräsident von SwissSkills, begrüsste die Fangemeinde und sprach dem SwissSkills Team seinen grossen Stolz und seine Bewunderung für die herausragende Leistung aus. Daneben betonte er, wie wichtig die Unterstützung der Experten für ein derart erfolgreiches Abschneiden ist. Wie die Wettkämpfer selber hätten sich auch diese mit grossem Engagement eingesetzt und diesen Erfolg möglich gemacht. Wyss: «Die Konkurrenz ist in den letzten Jahren deutlich stärker
geworden. Wer aufhört, besser zu sein, wird nicht gut bleiben!»

Auch Nationalrat Gerhard Pfister sprach den jungen Berufsleuten die «Anerkennung der Schweiz für das, was Sie geleistet haben» aus, denn sie hätten es verdient, dass die Politik ihnen die Ehre erweise.

Selbst Bundesrat Johann Schneider-Ammann, Vorsteher des Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung WBF, machte dem Event seine Aufwartung, um das SwissSkills Team zu würdigen und den jungen Berufsleuten persönlich zu ihrem wunderbaren Erfolg zu gratulieren. Er sei sehr stolz auf das, was diese Equipe geleistet habe, sagte er: «Dieser Erfolg ist eine Entschädigung für sehr viel Aufwand – eine Motivationsspritze in die Zukunft, wie sie besser nicht sein könnte. Mir wurde einmal in Ostasien gesagt, dass es bekannt sei, dass es nur 2 Länder auf der Welt gebe, in denen es dank einem sehr guten Ausbildungssystem keine Jugendarbeitslosigkeit gebe: Deutschland und die Schweiz; mir hat dabei nur die Reihenfolge nicht gefallen … – ich bin so sehr von unserem Ausbildungssystem überzeugt, dass ich es überall auf der Welt propagiere – und wir werden unseren Vorsprung auf absehbare Zeit behalten!»

Rangliste Sanitär- und Heizungsinstallation:
– Gold: Marcel Wyss, Schweiz
– Gold: Armin Taxer, Österreich
– Bronze: Hyengwook Kim, Korea
– Bronze: Björn Landin, Sweden
– Bronze: Nima
– Hosseinpoursaloukolaei, Iran
– Bronze: Daniel Martins, United Kingdom

Nachgefragt bei Marcel Wyss:
Wie haben Sie den Wettkampf in Abu Dhabi erlebt?
Es war sehr spannend und aufregend, das alles in so einer Umgebung live mitzuerleben, und eine sehr gute Erfahrung für mich.

Wie ist es Ihnen am Wettkampf beim Lösen der Aufgaben ergangen?
Mir ist es sehr gut gegangen, doch es gibt natürlich in einem solchen Wettkampf die Tiefs, wenn man sich verschnitten oder etwas verbogen hat, und die Hochs, wenn man in der Zeit perfekt ist, und alles bestens passt.

Was war technisch am schwierigsten für Sie?
Oh, eindeutig das erste Modul, das komplett selbst geplant und ausgeführt werden musste.

Was hat Ihnen am besten gefallen am Event in Abu Dhabi?
Das Ganze war eine riesige und tolle Sache für mich! Am meisten haben mich der Wettkampf selbst und die ganzen Leute beeindruckt, die sich so sehr ins Zeug gelegt haben. 

Jannic Schären (Telma AG)Vizeweltmeister bei den Elektronikern
Jannic Schären aus Gerzensee ist an den WorldSkills 2017 in Abu Dhabi Vizeweltmeister bei den Elektronikern geworden und hat die Silbermedaille gewonnen, eine von 20 Medaillen für das erfolgreiche SwissSkills Team in Abu Dhabi – so viele wie noch nie.
Jannic Schären absolvierte seine Ausbildung als Elektroniker EFZ bei der Telma AG in Seftigen, die seit 42 Jahren in der Entwicklung, Industrialisierung und Fertigung von Elektroniksteuerungen tätig ist. Gut ausgebildete Mitarbeiter sowie ein moderner Maschinenpark stehen für ausgereifte Produkte und garantieren eine hohe Fertigungsqualität.

Noch nie so viele Schweizer Weltmeister – zweiter Platz in der Nationenwertung

Mit elf Goldmedaillen hat das SwissSkills Team den bisherigen Bestwert aus dem Jahr 2003 – den Heim-WorldSkills in St. Gallen – um einen Titel verbessert. Zusätzlich gab es sechs Silber- und drei Bronzemedaillen. In der Nationenwertung (gemäss «Average Medal Points») belegt die Schweiz Platz zwei.
Die 38 Schweizer Teilnehmer vertraten in Abu Dhabi 36 Berufe – die Automatiker und die Landschaftsgärtner traten in Zweier-Teams an. Insgesamt nahmen an den WorldSkills rund 1300 Teilnehmer aus 58 Nationen in 51 Berufen teil. Das Schweizer Team sicherte sich damit in über einem Fünftel der Berufe den WM-Titel, mehr als die Hälfte der jungen Schweizer Berufsleute konnte mit einer Medaille zurückreisen, sogar über 90% der Delegation mit mindestens einem Diplom.

Weitere Informationen:
worldskillsabudhabi2017.com/en
www.swiss-skills.ch