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Unabhängige Fachzeitschrift für die Sanitär-, Heizungs-, Lüftungs- und Energiebranche

An der Meier-Tobler-Hausmesse expo plus, die heuer als neue Plattform viermal stattgefunden hat, haben die Teilnehmer wertvolle Informationen zu aktuellen Themen bekommen. In interessanten Fachvorträgen gaben fachkompetente Referenten Auskunft zu aktuellen Vorschriften, Normen und Anforderungen in der Gebäudetechnik.

Meier Tobler hat seine neuen expo-plus-Events an vier Standorten in der Deutschschweiz durchgeführt. Martin Kaufmann, CEO Meier Tobler, zeigte sich am Event in der Umweltarena in Spreitenbach erfreut über das überaus grosse Interesse an der Veranstaltungsreihe. Der neue Event richtet sich an Fachpartner aus der Branche und beinhaltet eine Hausmesse, ein Fachsymposium sowie ein Rahmenprogramm. «Sie bekommen hier heute eine geballte Ladung Haustechnik», sagte Kaufmann. «Unser Unternehmen bietet mit unseren 47 Marchés und über 1 300 Mitarbeitern Einzigartiges. Wir haben ein breit gefächertes Sortiment sowie ein einmaliges Servicenetz und verfügen über viel Kompetenz auf der Temperaturachse.»

Die Ausstellung (Hausmesse) mit Partnern und Lieferanten an der Veranstaltung zeigte in einem hübschen Querschnitt interessante Branchen-Neuheiten und -Aktualitäten. Viele nutzten die ausgezeichnete Möglichkeit zum Netzwerken und Fachsimpeln. 

Aktueller Stand bei den MuKEn

Am Fachsymposium referierte Stephan Kämpfen, Sektionsleiter Energieeffizienz, Kanton Aargau, zum Thema «Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (MuKEn)» über Allgemeines mit Schwerpunkt Wärmeerzeugerersatz. «Was wir wollen, scheint klarer, als wie wir es wollen – im Grundsatz ja, aber nicht bei Betroffenheit!», hielt Kämpfen bereits am Anfang fest. Hinter der Bautätigkeit in der Schweiz stehen bemerkenswerte Zahlen. Pro Jahr fliessen circa 28 Mia. CHF in Gebäudeneubauten. Es entstehen jährlich 14 000 neue Gebäude und 50 000 neue Wohnungen mit einer Energiebezugsfläche (EBF) von 5 Mio. m2. Weiter fliessen ca. 3 bis 4 Mia. CHF in energetische Modernisierungsmassnahmen.

Beim Energieverbrauch nach Energieträgern über die vergangenen hundert Jahre zeichnete Stephan Kämpfen kein optimales Bild auf. Die Energieversorgung der Schweiz ist stark vom Ausland (Anteil 75,3 %) und von fossilen Energieträgern abhängig. Der Elektrizitätsverbrauch ist auf hohem Niveau stabil geblieben und der Brennstoffverbrauch sinkt seit 2004 signifikant. Die Gasverbrauchszunahme wird langsamer und die Zunahme erneuerbarer Energien bewegt sich auf tiefem Niveau. Der Energieverbrauch für Raumwärme und Warmwasser ist mit 33 % dominant und wird grösstenteils mit fossilen Brennstoffen gedeckt. Der Stromanteil von Wärmepumpen sei trotz einer seit Jahren steigenden Nachfrage gering, hielt Kämpfen fest. Der Sektor Gebäude leistet seit 1990 den grössten Reduktionsbeitrag – beachtliche minus 4,5 Mio. Tonnen CO2 im Inland. 

Auftrag der Kantone im Energie- und Klimabereich

Der Bund erlässt Vorschriften über den Energieverbrauch von Anlagen, Fahrzeugen und Geräten. Für Massnahmen, die den Verbrauch von Energie in Gebäuden betreffen, sind vor allem die Kantone zuständig. Sie erlassen Vorschriften über die sparsame und effiziente Energienutzung in Neubauten und in bestehenden Gebäuden. Die Kantone sorgen auch dafür, dass die CO2-Emissionen aus Gebäuden, die mit fossilen Energieträgern beheizt werden, zielkonform vermindert werden. Dafür erlassen sie Gebäudestandards für Neu- und Altbauten aufgrund des aktuellen Stands der Technik. Zusammenfassend kann man sagen, dass die MuKEn 2014 Gebäudevorschriften/Gebäudestandards für Neubauten und bestehende Bauten zur zielkonformen Reduzierung des Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen beinhalten. Die Mustervorschriften sind jedoch noch kein anwendbares Gesetz.

Den Kantonen steht ein vielseitiger Instrumentenmix zur Steigerung der Effizienz und erneuerbarer Energien zur Verfügung. Anforderungen an neue Bauten sind, den Bedarf zu senken, erneuerbare Energie zu nutzen und beispielsweise Strom zu produzieren. Bei bestehenden Anlagen wirken energetische Anforderungen zum Zeitpunkt der Erneuerung von Bauteilen und Anlagen. Ein wichtiges Ziel ist grundsätzlich die Senkung von Energieverbrauch und CO2-Emissionen bei Heizungserneuerungen. Bei 40 % der Gebäude bestehe Handlungsbedarf, weiss Kämpfen zu berichten. Mit der Umsetzung sieht es aktuell wie folgt aus: 6 Kantone haben die Mustervorschriften 2014 umgesetzt; 17 arbeiten an der Umsetzung und 20 Kantone sind auf dem Stand der Mustervorschriften 2008. «Energie- und klimapolitische Herausforderungen und Ziele lassen sich nur gemeinsam erreichen, wobei die Kantone und die Haustechnikbranche wichtige Teile davon sind.» Mit diesen Worten schloss Stephan Kämpfen seinen interessanten Vortrag.

ChemRRV-konforme Anwendungen

Daniel Keller, Verkaufsingenieur Klima-Kälte bei Meier Tobler, stellte unter dem Titel «Hocheffiziente und ChemRRV-konforme (Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung) Anwendungen für Wärmerückgewinnung und Fernwärme- bzw. Fernkälteanlagen» neue Produkte und realisierte Projekte vor.

Die neue F-Gase-Verordnung der EU (in Kraft seit Januar 2015) enthält unter anderem Verwendungsverbote für F-Gase und Verbote für die Inverkehrbringung von Erzeugnissen, die F-Gase enthalten. Die Emissionen fluorierter Treibhausgase sollen bis zum Jahr 2030 auf etwa 35 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent gesenkt werden. Unter F-Gasen befinden sich nahezu alle aktuell gängigen und verwendeten Kältemittel für die Kälte- und Klimatechnik. Einige dieser Kältemittel werden zu bestimmten Zeitpunkten direkt verboten (beispielsweise R134a oder R410A), andere werden durch ein «Phase-down» deutlich verteuert. Das Europäische Parlament versucht seit Jahren, unter anderem mit der F-Gase-Verordnung, den Treibhauseffekt zu reduzieren. Diese Verordnung hat auch Einfluss auf den Markt Schweiz. Die ChemRRV muss durch den Bund regelmässig angepasst werden und die Hersteller kältetechnischer Aggregate und Maschinen sind bezüglich Wahl der Kältemittel stark gefordert.

Meier Tobler setzt neben natürlichen Kältemitteln wie Ammoniak, CO2 oder Propan auch auf HFO (Hydrofluorolefine). Diese Kältemittel haben ein tiefes Treibhauspotenzial und sind somit klimafreundlicher als die früheren Generationen synthetischer Kältemittel. Mit ihnen sei ein umweltschonender und höchst energieeffizienter Betrieb von Kälteanlagen und Wärmepumpen möglich, erklärte Daniel Keller dem interessierten Plenum. Im Gegensatz zu den bisher verwendeten chemischen Fluiden sind natürliche Kältemittel und HFO teilweise brennbar, toxisch oder hoch brennbar und werden einer anderen Sicherheitsgruppe zugeordnet. Bei der Planung einer Anlage müssen dadurch erhöhte Sicherheitsvorkehrungen beachtet und berücksichtigt werden. Es bestehen in der Praxis Brand-, Explosions- und Gesundheitsgefahren. Die Suva hat aus diesen Gründen das Handbuch «Kälteanlagen und Wärmepumpen sicher betreiben» herausgeben. Diese Planungshilfe enthalte wertvolle Hinweise und könne direkt bei der Suva bezogen werden, empfahl Daniel Keller.

Anschliessend stellte er Installationsnormen gemäss SN/EN 378 mit Beispielen aus der Praxis vor. Bei Anlagen mit einer Füllmenge von mindestens 300 kg Kältemittel muss eine Anzeigeeinrichtung vorgesehen sein, um das Abblasen des Entlastungsventils in die Atmosphäre zu überprüfen. Bei Explosions- und Brandgefahr werden Kältemaschinen-Einhausungen verwendet und spezielle Absaugungsvorrichtungen installiert, welche im Falle einer Leckage das austretende Gas direkt in die Atmosphäre ableiten. Die Erfahrung zeige, dass fest gemauerte, bauseitig erstellte Maschinenräume die bevorzugte Ausführungsvariante darstellen, weiss Keller.

Kältemaschinen – Wärmepumpen in Fernwärmenetzen

Zwischen 2021 und 2024 werde im Fernwärmegebiet Zürich Nord die Erdgasversorgung stillgelegt, fuhr Daniel Keller fort. Mitteilungen wie diese führen zu einem erhöhten Bedarf an Fernwärmeanschlüssen. Dies wiederum bietet die Möglichkeit für den Einsatz von Absorptionskältemaschinen, Absorptionswärmepumpen und Grosswärmepumpen.

Absorptionskältemaschinen können dezentral eingesetzt werden. Je nach Fernwärmenetz können diese mit einem Delta T bis zu 50 K auf der FW (RL 65 °C) fahren. Bei Fernkältenetzen liegt das Delta T in der Regel bei 6 K.

Absorptionswärmepumpen, die ab einem Hochtemperatur-Fernwärmenetz betrieben werden und heizungsseitig hohe Vorlauftemperaturen benötigen, weisen gegenüber einer Kompressionswärmepumpe eine vergleichbare bis bessere Wirtschaftlichkeit auf.

Aktuelles zur Legionellenvorsorge

Jürg Nipkow, Präsident Kommission SIA 385, ARENA Arbeitsgemeinschaft Energie-Alternativen, Zürich, stellte die Legionellenvorsorge sowie die Warmwassernormen für Trinkwarmwasseranlagen SIA 385 in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. «Die revidierte SIA 385/1 geht nochmals in eine Vernehmlassung, die Änderungen sind daher noch provisorisch», sagte Nipkow. Die Veröffentlichung ist für Herbst 2019 vorgesehen.

«Die SIA 385/1:2011 war 2011 eine Pionierleistung, da sie Hygiene, Energieeffizienz und Benutzerkomfort zum ersten Mal zusammen behandelte, ist aber überholt und wird seit 2016 revidiert», so der Kommissionspräsident. «Ein breit akzeptierter Konsens zu Legionellen ist schwierig zu erreichen, aber nötig: Hygiene vs. Energieeffizienz.» Im Zwiespalt zwischen der Vermeidung der Legionellenvermehrung (hohe Temperaturen) und der Energieeffizienz (tiefe Temperaturen) gilt es also, optimale Lösungen zu finden.

Die Revision der SIA 385/2:2015 (Warmwasserbedarf, Gesamtanforderungen und Auslegung: begleitet die Planung von A bis Z) ist für 2020 vorgesehen. Bei der SIA D0244 (Erläuterung zu den Normen SIA 385/1 und 385/2) ist eine Teilrevision nötig (neu: Wegleitung, 2020).

Nipkow machte in seinen Ausführungen auf die wichtigen Hintergründe der Revision der SIA 385/1 aufmerksam: auf die neue Gesetzgebung (TBDV «Verordnung über Trinkwasser sowie Wasser in öffentlich zugänglichen Bädern und Duschanlagen», die neuen BAG- und BLV-Empfehlungen zu Legionellen und Legionellose sowie die EnEV «Energieeffizienzverordnung» – Wärmedämmung), die neuen Forschungsergebnisse über Legionellen in WW-Anlagen sowie die Unklarheiten in der praktischen Umsetzung der Ausgabe 2011.

95 % der Legionellen in Biofilmen

Der Kommissionspräsident wies auf einige neue Forschungsergebnisse bei den Legionellen hin: Demnach befinden sich ca. 95 % der Legionellen in Biofilmen und nur ca. 5 % im Wasser selbst. Schlecht einregulierte Zirkulationskreise, die im hygienisch kritischen Temperaturbereich (< 50 °C) betrieben werden, sind öfters kontaminiert. Die Kontamination einer Warmwasserversorgung erfolgt primär im Warmwasser-Verteilsystem, nicht im Trinkwasserspeicher, wenn die Speichertemperatur > 55 °C beträgt. Ausserdem sind die Kaltwasserleitungen oft Kontaminationsquellen (zu warm, > 25 °C). Daher stünden auch die Anpassungen der Legionellen-Prävention bei der Revision im Vordergrund, so Nipkow. Übernommen wurde von der alten Version, dass stagnierendes Trinkwasser unbedingt zu vermeiden ist (keine unbenutzten Trinkwasserleitungen kalt und warm, vollständige Trennung stillgelegter Leitungen, nur Speicherung nötiger Warmwassermengen, regelmässige Spülung selten benutzter Entnahmestellen – neu nach 72 h Stagnation), die Auslegung von ≥ 50 °C an allen Warmwasser-Entnahmestellen und ≥ 55 °C in allen warm gehaltenen Trinkwasserleitungen sowie die lückenlose Dämmung warm gehaltener Leitungen.

Nur für neue Warmwasserversorgungen

«Wichtig ist hier festzuhalten», betonte Nipkow, «dass die SIA 385/1 nur für neue Warmwasserversorgungen gilt. Bei Sanierungen, Umbauten, Erweiterungen sind die Anforderungen und Empfehlungen im Rahmen des technisch Möglichen einzuhalten.» Und jede Leitung des Trinkwasserverteilsystems sei in eine der drei folgenden Kategorien einzuteilen:

  • Kaltwasserleitung: Temperatur ≤ 25 °C
  • Warm gehaltene Leitung: Temperatur ≥ 55 °C
  • Ausstossleitung: Auskühlung auf Raumtemperatur (≤ 25 °C) nach Entnahmen
  • Bei Bauprojekten und Installationen gilt:
  • Hydraulischer Abgleich der verschiedenen Stränge der Zirkulation. Die Temperatur am Austritt jedes Strangs muss kontrollierbar sein und mindestens 55 °C betragen. Überprüfung und Protokollierung bei der Übergabe sind wichtig.
  • Erwärmung von Kaltwasserleitungen durch parallel laufende Warmwasser- oder Heizungsleitungen sind zu vermeiden (getrennte Schächte). Nicht warm gehaltene Leitungen müssen auskühlen.
  • Wärmesiphons einbauen, um die Auskühlung der Ausstossleitungen auf Raumtemperatur zu ermöglichen. Das ist wichtig für die Energieeffizienz und die Hygiene.

Bei den Temperaturen erwartet Nipkow, dass sie im Betrieb im Vergleich zu den Auslegungswerten um 3 Kelvin reduziert werden können, falls mit der Planung und Installation hygienisch optimale Betriebsvoraussetzungen geschaffen wurden, Trinkwarmwasser mindestens alle 72 Stunden in allen Entnahmestellen ausgestossen wird und die Temperaturen im Warmwasserverteilsystem überprüfbar sind. Jedoch immer noch ≥ 55 °C am Speicheraustritt, ≥ 52 °C in allen warm gehaltenen Leitungen und ≥ 50 °C an den Entnahmestellen.

«Für eine optimale Warmwasserhygiene braucht es aber mehr als nur die richtige Festlegung der Auslegungstemperaturen und die richtige Einstellung der Betriebstemperaturen», schloss Nipkow. Das gleiche gelte für eine optimale Energieeffizienz der Anlage. Richtige Planung, richtige Installation und richtiger Betrieb seien alle drei gefragt. «Die richtige Planung einer Warmwasserversorgung beginnt bereits in der Vorstudienphase, und zwar in Zusammenarbeit mit dem Architekten.»

Mit den neuen SIA-Normen soll der Warmwasserbereich präzise und gemäss dem Stand der Technik behandelt werden. 

Perfekte Stimmung beim Abendprogramm

Durch das Abendprogramm führte Christa Rigozzi. Sie bat CEO Martin Kaufmann sowie den neuen Leiter des Bereichs Verkauf und Marketing, Patrik Forster, auf die Bühne. Forster, der sich dem Publikum vorstellte, hat kürzlich diese Position übernommen und ist auch Mitglied der Geschäftsleitung von Meier Tobler. Seit letztem August war dieser Bereich interimistisch von CEO Martin Kaufmann geführt worden.

Die Abendveranstaltung bot bei bester Stimmung kulinarische und unterhaltsame Highlights. Viele blieben bis zum späteren Abend.

 

Weitere Informationen:
meiertobler.ch