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Unabhängige Fachzeitschrift für die Sanitär-, Heizungs-, Lüftungs- und Energiebranche

Der diesjährige Sanitärtag von Suissetec wartete mit einer Reihe von interessanten Vorträgen zu spannenden Themen aus der Welt der Sanitärtechnologie auf. Die charmante wie professionelle Moderation von Christa Rigozzi, die sich mittlerweile bestens in der Gebäudetechnik auskennt, gab dem gelungenen Anlass eine besondere Note. Der Sanitärtag war ausgezeichnet besucht, und der Weg in den Kursaal Bern hat sich auch gelohnt.

Nach der Begrüssung von Beat Waeber, Präsident Fachbereich Sanitär, Wasser/Gas, der den Leitsatz «Zuerst investieren, dann profitieren» den Besuchern mit auf den Weg gab, überbrachte Daniel Huser, Zentralpräsident Suissetec, eine Grussbotschaft des Zentralvorstandes. Seinen Tipp, den Gebäudekomplex Nest auf dem Gelände der EMPA in Dübendorf zu besuchen, kann man jedem Gebäudetechniker sehr empfehlen.

Hans Wicki, Ständerat und Präsident Bauenschweiz, erwähnte in seinem Referat die Devise «Erfolg braucht nachhaltig starke Partner». Er ging auf die häufige Kritik von Bauhandwerksbetrieben ein, dass zu viel Bürokratie die Innovation einschränke und dass man sich auch wehren solle bei unnötiger staatlicher Regelung. Weiter erwähnte er noch mit Blick auf die EU, dass die Schweiz bereits über 2000 Normen übernommen hat, im Sinne einer vereinfachten länderübergreifenden Zusammenarbeit.

Zuerst investieren, dann profitieren

Jürg Bernhard, Referent Persona-Kurse, präsentierte ein paar interessante Denkanstösse zum Thema Lehrlingsausbildung. Mittels übersichtlicher Grafiken zeigte er die Vielfältigkeit und Vorteile unseres dualen Berufsbildungssystems auf, das nach einer abgeschlossenen Berufslehre beispielsweise den Besuch einer Fachhochschule oder einer Universität ermöglicht. Es gibt für motivierte Schulabgänger nicht nur den rein akademischen Weg, um berufliche Karriere zu machen. Jedoch sind noch nicht alle Eltern von diesem positiven Modell überzeugt.

Bei der Auswahl von Lehrlingen sollten berufssuchende Jugendliche auch jugendgerecht angesprochen werden. Jugendkanal versus Erwachsenenkanal. Die Formen der Kommunikation haben sich in den vergangenen Jahren enorm verändert und verlangen entsprechende Anpassungen. Gute Chancen für die Rekrutierung von Lehrlingen sieht Bernhard immer noch im klassischen Schnuppertag, vorausgesetzt, dass dieser gut geplant und organisiert wird. Sonst besteht die Gefahr, dass sich ein interessierter Jugendlicher durch das entgegengebrachte Desinteresse von der ins Auge gefassten Berufswahl verabschiedet.

Eine Schnupperlehre soll cool und informativ sein und einen klaren Ablauf aufweisen. Wenn es zu einem Abschluss kommt, sollten die gegenseitigen Erwartungen bei allen beteiligten Personen klar sein. Eine interessante Idee ist die des «Austauschlehrlings». Hier erhält ein Lehrling während der Ausbildungszeit die Möglichkeit, eine gewisse Zeit in einer anderen Unternehmung zu verbringen.

«Eine Schnupperlehre soll cool und informativ sein.»

Die neuen Leitsätze G1 und Gebrauchsfähigkeitsprüfungen für Gas stellte Andreas Peter vom SVGW vor. Die G1 sind seit Anfang 2017 als Buch und elektronisch verfügbar und seit Kurzem kann auch das einzelne PDF im Webshop gekauft werden. Auf vielfachen Wunsch der Branche wurde eine Übersicht der wichtigsten Änderungen zwischen G1 von 2012 bis G1 2017 ausgearbeitet. Die Übersicht ist im FAQ-Bereich zur G1 online als PDF verfügbar.

22 schwarze Hunde

IT-Sicherheit ist in jeder Unternehmung oder im privaten Bereich eine enorm wichtige Angelegenheit und fristet trotzdem eine Art Mauerblümchendasein. Der Sicherheitsexperte Paul Such, CEO Hacknowlegde SA, gab den Anwesenden praktische und wertvolle Tipps für den Umgang mit Passwörtern. Ein grosser Teil der Attacken wird durch eine Interaktion zwischen dem Hacker und einem Mitarbeiter ausgelöst. Schutzsysteme erschweren zwar den Zugang zu Daten, aber die wenigsten Nutzer wissen, wie ihre Geräte funktionieren. Dadurch ist es einfach für den Hacker, seine Opfer zu manipulieren.

Ein Passwort sollte daher mindestens neun Zeichen aufweisen, und das Hinzufügen von Sonderzeichen und Ziffern erschweren Hackern die Arbeit. Wörter aus Wörterbüchern sind zu vermeiden, denn die Programme von Hackern suchen auch auf solchen Datenträgern. Man kann beispielsweise mehrere bekannte Wörter wie «22 schwarze Hunde» verwenden und zusätzlich ein Passwörter-Verwaltungstool einsetzen.

Eine regelmässige Änderung der Passwörter empfiehlt sich ebenso wie nicht immer dasselbe Passwort zu verwenden. Das war der Moment, als sich zahlreiche Anwesende im Kursaal selber an der Nase nehmen mussten. Such erklärte, dass es einfach sei, die Identität einer anderen Person zu missbrauchen. Daher gilt, niemals auf einen Link in einer unbekannten und/oder ungebetenen Mail klicken und höchste Vorsicht mit in den Social Media veröffentlichen Informationen. Es ist sehr ratsam, gute Passwörter zu verwenden und dem installierten Antivirusprogramm nicht blind zu vertrauen. Ein regelmässiges Update des Computers ist unentbehrlich.

«Ein regelmässiges Update ist unerlässlich.»

Anschliessend stellte Kevin Meier, Leiter IT-Betrieb Suissetec, das 10-Punkte-Programm für KMU vor. Dieses 10-Punkte-Programm ist einfach gehalten, und die Massnahmen können realisiert werden, ohne dass für die Anwender Kosten entstehen. Wo das spezifische Fachwissen in einem KMU nicht verfügbar ist, kann zur Unterstützung ein Experte hinzugezogen werden. Meier wies darauf hin, dass technische Massnahmen alleine nicht genügen, um die IT-Sicherheit in einem Unternehmensnetzwerk zu gewährleisten.

Zusätzlich sind immer auch organisatorische Massnahmen notwendig. Gerade bei kosten- und/oder ressourcenintensiven Massnahmen muss jede Firma, konkret die Geschäftsleitung, eine Abwägung treffen zwischen den Kosten dieser Massnahme und den Risiken, die bei einer Nichtumsetzung der Massnahme entstehen. Die Geschäftsleitung muss deshalb entscheiden, entsprechende Risiken zu tragen oder Ressourcen bereitzustellen, um diese zu minimieren.

Verantwortlichkeit beim Entwässerungskonzept

Nach dem Mittagessen ging Patrick Miller, Fachbereichsvorstand Sanitär/Wasser/Gas, den Grundleitungen auf den Grund. Für die Planung müssen ein Entwässerungskonzept, eine Nutzungsvereinbarung und die Schnittstellen mit dem Bauspengler vorliegen. Der Bauherr bestimmt die Fachperson und der Sanitärplaner erstellt den Entwässerungsplan. Es dürfen keine Gase wie Radon oder Ammoniak austreten, die Menschen oder Tiere gefährden.

Ein wichtiges Hilfsmittel für die Planung ist die Radonkarte Schweiz. Das BAG empfiehlt vorsorgliche Massnahmen zum Radonschutz für alle Neubauten in der Schweiz. Nach Beendigung der Arbeiten und Bezug des Gebäudes ist eine anerkannte Kontrollmessung vorzunehmen. Die Grundstück- und Gebäudeentwässerung sind grundsätzlich nur so gut wie sie geplant oder installiert wurden. Sicherheit steht an oberster Stelle, denn solche Anlagen müssen über Jahrzehnte einwandfrei funktionieren.

Die Wahl des geeigneten Leitungswerkstoffs ist abhängig vom Einsatzbereich, den örtlichen Boden- und Baugrundverhältnissen sowie den Eigenschaften des abzuleitenden Abwassers. Grundstücksentwässerungen müssen durch die zuständige Stelle oder Behörde abgenommen werden.

Interessante Marktlücke

In der Badsanierung sieht Alexandre Guerry, Projekt- und Bauleiter, eine interessante Marktlücke. Grosses Potentzial ist landesweit vorhanden und die Kompetenz und Erfahrung von Sanitärfachleuten ist gefragt. Zudem besteht in diesem Sektor die Möglichkeit, sich durch Kreativität und Qualität von der Konkurrenz abzuheben. Zudem wächst der Renovationsmarkt. Beispielsweise rund 65% der vor 1980 erstellten Gebäude sind noch nicht saniert worden. Am Planungsprozess sollte der Fachmann möglichst früh teilnehmen können; nach erfolgter Beratung über den Umfang der Umbauarbeiten, Erstellen der Detailzeichnung und die Erzeugung eines Mehrwerts.

Sicherheit steht an oberster Stelle, denn solche Anlagen müssen über Jahrzehnte einwandfrei funktionieren.

Danach folgt die Definition der Reihenfolge und Etappen der Umbauarbeiten sowie die Definition des Ausmasses der provisorischen und vorbereiteten Arbeiten. Der Badezimmerbereich ist emotional positiv besetzt und hat in unserer Wohnkultur einen hohen Stellenwert. Dass die Frauen beim Badezimmer eine entscheidende Rolle spielen, haben die Antworten von Moderatorin Christa Rigozzi gezeigt. Sie hatte klare Vorstellungen.

(Bakterien-)Sturm im Wasserglas

Das anschliessende Podiumsgespräch zum Thema Trinkwasserhygiene bildete gleichzeitig den Schlusspunkt hinter dem interessanten Tag in Bern. Zum Einstieg brachte Stefan
Kötzsch, Dozent für Gebäudetechnik, anhand von Testresultaten die Mikrobiologie im Trinkwasser dem interessierten Auditorium näher. Ein Stück O-Ring in der Grösse eines Quadratzentimeters wurde für zwei Wochen in ein Glas mit Trinkwasser gelegt. Rund 60 Mio. Bakterien setzten sich auf dem Gummi an, was etwa der Einwohnerzahl von Italien entspricht. Nein, keine Panikmache, denn der Grossteil der Bakterienarten ist für den Menschen unbedenklich. Aber der Versuch zeigte klar auf, dass sauberes Trinkwasser keine Selbstverständlichkeit ist.

Die Runde diskutierte über die letzten Meter des Wassers. Das Produkt Trinkwasser sollte den Konsumenten möglichst in der gleichen Qualität erreichen, wie es produziert wurde. Der Betreiber von Wasseranlagen ist auch verantwortlich für eine einwandfreie Qualität. Aber, darüber ist sich die Runde einig: der Wissensstand zur hygienischen Situation in der Gebäudeverteilung in der Schweiz ist ausbaufähig.

Falls an einem Objekt Grenzbereiche überschritten werden, ist die Beseitigung von mikrobiologischen Kontaminationen sehr teuer und langwierig. So gesehen
nimmt Prävention in der Gebäudeverteilung die wichtigste Rolle ein, denn einbauen und vergessen geht bei Trinkwasser nicht. Es muss sichergestellt werden, dass an allen Zapfstellen sauberes Wasser fliessen kann. Neben der richtigen Materialwahl braucht es sehr viel Sachverstand in der
Sanitärtechnik.