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Unabhängige Fachzeitschrift für die Sanitär-, Heizungs-, Lüftungs- und Energiebranche

Dieses Jahr standen am Schweizer Planertag digitale und vernetze Gebäudemodelle, intelligente Regelungstechniken und neue Anforderungen an die Planungsbüros der Zukunft im Zentrum der Veranstaltung. Viele hochkarätige Referenten sorgen für eine 360°-Sicht auf die Entwicklung von Gebäuden und Arealen. Durch den Tag führte gekonnt und eloquent Fernsehmoderator Reto Brennwald.

Die gelisteten Themen am Schweizer Planertag 2019 waren hochaktuell und der Campussaal in Brugg war dementsprechend sehr gut von Fachleuten der Bau- und Gebäudetechnikbranche besetzt. Der Planertag zeigte anhand konkreter Pilot- und Pionierprojekte auf, wie sich das Planen und Bauen verändern und wie sich diese Entwicklungen auf die Akteure der Planungsbranche auswirken. Als etablierter Treffpunkt der Gebäudetechnikbranche bietet er eine ideale Gelegenheit zum Informations- und Erfahrungsaustausch sowie zur Aktivierung von alten und neuen Kontakten.

Zug als Produktionsstandort

Wenn der Name Zug im wirtschaftlichen Kontext fällt, denkt man an Büros, Banken, Versicherungen und hohen Bodenpreisen. Für Beat Weiss, CEO der V-Zug Immobilien AG, ist Zug eindeutig auch ein Industriestandort. Ein Ort der Produktion von Industrieprodukten. Dahinter ist eine Vision:
Technologiecluster Zug.

«Für den Technologiecluster Zug werden keine grünen Wiesen überbaut.» Beat Weiss

Während viele Industriefirmen Arbeitsplätze ins Ausland verlagern, investiert V‑Zug am bisherigen Standort in neue Produktionsanlagen und Bauten. Der heutige Betrieb der V-Zug ist über das ganze historische Areal verteilt. Der erste Schritt zum Energiecluster ist die räumliche Konzentration der Produktion und weiterer Tochterfirmen der Metal-Zug. Ziel des Technologieclusters ist ein Ökosystem von innovativen Technologien und Dienstleistungen. Ein solch kreatives System resultiert aus der vielfältigen Vernetzung zwischen den zukünftigen Nutzern. Für den Technologiecluster Zug werden keine grünen Wiesen überbaut.

Trinkwasser im Gebäude

Über Ursachen und Probleme bei der Trinkwasserversorgung in Gebäuden referierte Stefan Kötzsch von der Hochschule Luzern. In einem Hotel mit einem Leitungsnetz von 1,5 km Chromstahlleitungen, 12 km Kunststoffleitungen und mehreren Steigsträngen wurde Legionellenbefall festgestellt. An jeder beprobten Entnahmestelle war die Ausprägung mittelstark und lag hauptsächlich im Kaltwassersystem vor. Bei einer Befragung stellte sich heraus, dass Gebäudeteile wegen zu geringer Auslastung nicht benutzt wurden. Dadurch stagnierte das Wasser in den Steigzonen und Zimmern teils mehrere Monate.

Als Massnahmen wurde die Reinigung des gesamten Leitungssystems im Impulsspülverfahren (chemisch/mechanisch), anschliessende Realisierung eines Spülplans zur Vermeidung von Stagnation und Kontrollproben Kalt- und Warmwasser vorgeschlagen. Diese Massnahmen wurden aus Kostengründen abgelehnt. Nach zwei Jahren konnte der Legionellenbefall im Kaltwassersystem, trotz verbesserter Auslastung und manueller Spülung der Leitungen, nicht beseitigt werden.

Mikrobiologische Probleme treten meist nur auf, wenn vorher massive Fehler im Bereich Planung, Installation oder Betrieb gemacht wurden. Im Wesentlichen kann die Trinkwasserqualität in Gebäuden durch eine qualitativ hochwertige Installation, einen regelmässigen Wasseraustausch (jede Entnahmestelle mehrmals pro Woche), sowie durch kontinuierlich optimale Temperaturen (Kaltwasser <25 °C an der Entnahmestelle, Warmwasser min. 50 °C (optimal 55 °C)) erhalten werden, resümierte Kötzsch.

«Mikrobiologische Probleme bei der Trinkwasserversorgung treten nur dann auf, wenn vorher massive ­Fehler begangen wurden.» Stefan Kötzsch

Digitale Planung

Markus Weber von Amstein und Walthert sprach über die Digitale Planung. Die Themen Digitales Bauen und Interoperabilität im Planungsprozess zählen zu den wichtigsten Herausforderungen im Bereich des Bauens der Zukunft. Mit der zunehmenden Digitalisierung und Automatisierung stellen die Integrale Planung und das Digitale Bauen eine zentrale und globale Zukunftstechnologie dar, die mehr und mehr beim Entwerfen und Planen (CAD), Fertigen und Produzieren (CAM), Ausführen sowie Betreiben (CAFM) angewendet wird. Mit der Nutzung der BIM-Methode zur Digitalen Planung in der TGA geht ein erhöhter planerischer Aufwand in den frühen Leistungsphasen einher. Gleichzeitig verspricht die Methode für die TGA wesentliche Verbesserungen in der Planungsqualität sowie der Termin- und Kostensicherheit. Morgen werden Use-Case im Mittelpunkt stehen. Das heisst, wer muss welche Informationen zu welchem Zeitpunkt in welchem Format zur Verfügung stellen, um ein bestimmtes Ergebnis oder Nutzen erreichen zu können.

Auslegung von Frischwasserstationen

Frischwasserstationen erwärmen das Kaltwasser mit einem aussen liegenden Wärmeübertrager in einem einzigen Durchgang auf die gewünschte Warmwassertemperatur, erklärte Christoph Ernst von der Taconova Group. Primärseitig wird die dazu benötigte Energie aus einem Energiespeicher entnommen. Für die Erwärmung des Energiespeichers können unterschiedliche Wärmeerzeuger gewählt werden.

Bei der Auslegung gibt es Unterschiede zwischen Warmwasserspeichersystemen und Durchfluss-Wassererwärmern, die für eine optimale Funktionsfähigkeit beachtet werden sollten. Weil Durchfluss-Wassererwärmer das Trinkwasser im Durchfluss erwärmen, müssen diese – im Gegensatz zu Speichersystemen – auf die grösste kurzfristig zu erwartende Spitze (den Spitzenvolumenstrom) ausgelegt werden. Bei der Planung sind spezielle Sanitärausstattungen, wie Grossraumbadewannen oder Duschen mit hohem Durchfluss, zu berücksichtigen. Das notwendige Energiespeichervolumen hängt von der zur Verfügung stehenden Wärmeerzeugerleistung, dem Wärmebedarf und den Wärmeverlusten ab. Der Wärmebedarf und die Wärmeverluste sind anhand der SIA-Norm 385/2:2015 zu bestimmen. Die zur Verfügung stehende Vorlauf-, Rücklauf- und Warmwassertemperatur muss bei der Auslegung der Wärmeübertragerflächen berücksichtigt werden.

«Den innovativsten Beitrag zur Vermeidung von CO2 leistet die neue Grossbäckerei.» Coop Schweiz

Backen mit Müllereinebenprodukten

Unter diesem Titel wissen wohl nur Eingeweihte, was das genau ist. Der Detailhändler Coop hat ehrgeizige Ziele im Bereich Klimaschutz. «Bis 2023 den absoluten CO2-Ausstoss soweit technisch möglich und finanziell zweckmässig zu reduzieren», lautet die Devise. Philippe Hennemann von Eicher und Pauli erklärte das Prinzip mit den Müllereinebenprodukten. Das Kernstück der neuen Grossbäckerei in Schafisheim sind 23 Prozesslinien für Brot und Backwaren. Zur Beheizung der riesigen Öfen werden – in dieser Art erstmalig – Getreiderückstände verwendet. Das spart fossile Energie in erheblichem Umfang.

Den innovativsten Beitrag zur Vermeidung von CO2 leistet in Schafisheim diese neue Grossbäckerei. Die Hitze in modernen industriellen Backöfen stammt üblicherweise von heissem Thermoöl, das in den Wänden der Backöfen zirkuliert. Für die Erhitzung von Thermoöl werden bislang in der Regel Gas- oder Ölheizungen eingesetzt. Die Coop-Grossbäckerei geht einen neuen Weg. Sie benutzt für die Erhitzung des Thermoöls einem neuartigen Biomasse-Brennstoff: ein Gemisch aus Waldhackschnitzeln und staubförmige Getreiderückständen (Müllereinebenprodukt, kurz MNP). Coop bezieht MNP in Pellet-Form aus der unternehmenseigenen Grossmühle Swissmill in der Stadt Zürich.

Der jährliche Wärmebedarf in Schafisheim liegt bei 19,6 GWh und entspricht dem Wärmeverbrauch von rund 4000 Familien-Neubauwohnungen. Der Wärmebedarf ist bedarfsabhängig schwankend. Die mit Holzschnitzel und MNP betriebene Biomassefeuerung verfügt über eine Leistung von 2,5 MW und deckt damit rund zwei Drittel des Energiebedarfs.