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Unabhängige Fachzeitschrift für die Sanitär-, Heizungs-, Lüftungs- und Energiebranche

Die Wettkampfplätze in der Gebäudetechnik waren an den SwissSkills 2018 in Bern heissbegehrte Plätze. Die Besucher, darunter sehr viele Schulklassen, erhielten faszinierende Einblicke in die Faszination Gebäudetechnik. Allgemein war an den Berufsmeisterschaften die Vielfalt der Schweizer Berufsbildung zu bewundern. Über 115 000 Eintritte wurden verzeichnet.

An den Schweizer Meisterschaften 2018 der Gebäudetechnik, die in diesem Jahr im Rahmen der SwissSkills auf dem Gelände der Bernexpo in Bern ausgetragen wurden, nahmen 74 Kandidaten die Gelegenheit wahr, sich zu messen und um Medaillen zu kämpfen. Die Wettkämpfe im Zelt 13 – die Zahl 13 steht für Glück – in den EFZ-Berufen Sanitärinstallateur/in, Heizungsinstallateur/-in und Lüftungsanlagenbauer/in wurden bereits zum 28. Mal durchgeführt. Zum achten Mal wurde gleichzeitig ein Wettkampf der Gebäudetechnikplaner in den drei Fachrichtungen Sanitär, Heizung und Lüftung veranstaltet.

Die 115 515 Besucher der SwissSkills erlebten an den Wettkampfplätzen die handwerklichen und planerischen Kniffe in der Gebäudetechnik hautnah mit und verfolgten mit grossem Interesse, wie die jungen Berufsleute die gestellten Aufgaben angingen und lösten.

Wettkämpfe nach internationalen Wettkampf-Normen

Erstmals führten die SwissSkills in der Schweiz das international anerkannte Bewertungssystem CIS ein. Dies basiert auf den Grundlagen der WorldSkills und wurde vor über 10 Jahren erstmals angewendet. «Basierend auf einer Mischung der objektiven Beurteilung (Measurements) und der subjektiven Beurteilung (Judgement) wurden die Wettkampfarbeiten im Anschluss beurteilt», sagte Markus Niederer, Chefexperte Sanitär & Heizung bei den internationalen Austragungen auf dem Wettkampfplatz. Ebenfalls empfehlen die internationale Wettkampf-Vorgaben, dass bei den Wettkämpfen nicht nur die rein mechanischen Tätigkeiten überprüft werden sollen, sondern auch die «Interpersonal Skills», also Fähigkeiten wie Kundengespräche, mündliche Erklärungen, Fehlererkennung usw.

Anderer Wettkampf bei den Sanitären als gewohnt

Im Sanitär-Wettkampf hatte sich daher für 2018 so einiges geändert. Markus Niederer verpasste diesem Wettkampf ein neues Kleid. Weltweilt erstmals wurde nicht nur die reine Installationstechnik von Rohrsystemen geprüft, sondern eben auch diese «Interpersonal Skills». «Diese wurden, und das ist die Weltneuheit», so Niederer, «durch Herstellerfirmen zu 40 Prozent der Gesamtbewertung bewertet.»

So gab es den Geberit-Posten Dusch-WC, wo der Kandidat ein solches montieren, in Betrieb nehmen, dem «Kunden» erklären und übergeben musste. Ein anderer Posten war die KWC-Armaturenkunde, wo der Kandidat Unterschiede der verschiedenen Armaturen mit deren Vor- und Nachteilen zu erklären hatte; zudem war eine Reparatur eines Mischers angesagt. Ein weiterer Posten der Firma Biral befasste sich mit Pumpen und Druckerhöhung. Ein anderer Posten war einer thermischen Solaranlage und deren Komponenten gewidmet.

Bei den restlichen 60 Prozent der Gesamtbewertung wurden unter anderem die Installationstechnik, das Arbeiten unter Zeitdruck und der Umgang mit aussergewöhnlichen Situationen bewertet. Da mussten die Kandidaten eine vorgegebene Rohrinstallation in einem Rahmensystem erstellen, wobei die Zeit sehr knapp bemessen war. Speziell war auch das badende Strichmännchen, das es mit Ideenvielfalt nachzubauen galt.

«Das esch doch kei Sanitärarbeit», ...

… erklärte etwa ein aufbrausender Kandidat, als er sich an die Arbeit des badenden Strichmännchens machen musste. «Genau, recht hat er, und ja, genau das wollten wir überprüfen. Eben wie geht ein Kandidat mit solch aussergewöhnlichen Situationen um und wie löst er eine Problemstellung», betonte Markus Niederer. «Ganz so recht hatte der Kandidat aber trotzdem nicht, da typische Sanitärarbeiten wie biegen, pressen, löten, Kunststoff schweissen, Gewinde verdichten, Masshaltung und Einhalten von Vorgaben in dieser Teilaufgabe vorkamen.»

Nationale und internationale Bewerter

Insgesamt standen 19 Experten im Wettkampfberuf Sanitär teilweise oder die ganze Zeit im Einsatz. Zum ersten Mal wurde auch ein kleiner Teil der Sanitärinstallationen durch ein Team von erfahrenen internationalen Experten aus Grossbritannien und Russland bewertet. Auf die Frage hin, dass es doch gerade zu dieser Zeit schon etwas speziell sei, dass Engländer und Russen in einem Team zusammenarbeiteten, erwiderte World Skills-Chefexperte Markus Niederer: «Internationale Politik ist meistens nur ein Randthema an den WorldSkills und EuroSkills. Dies ist dort einfach kein Thema. Wir pflegen zudem unter den internationalen Experten einen regen und sehr freundschaftlichen Austausch. Es wäre auch schön, wenn einzelne Aspekte und Ideen des neu aufgegleisten Wettkampfkleides Sanitär mit in die Welt getragen und so auch internationale Wettkämpfe befruchten würden.»

Leute lieben Action

Auch Ueli Mumenthaler, Heizungsinstallateur-Chefexperte, lobte die phänomenale Plattform an den Wettkämpfen: «Es waren hier 135 Berufe vertreten, und das tolle Ambiente und die grosszügige Halle haben dem Wirken unserer Wettkämpfer noch mehr Glanz verliehen. Unsere Leute haben viel Platz. Wir bieten in unserem Metier mit viel Schweissen und Hartlöten natürlich auch coole Action für die Leute, denen das sehr gefallen hat.» Mumenthaler sieht in der Mitwirkung bei den SwissSkills nur Vorteile für die Teilnehmer: «Egal, welcher Rang schliesslich am Schluss rausspringt, einen, der hier mitgemacht hat, würde ich sofort einstellen. Das sind nämlich immer Leute, die was erreichen wollen.»

Eljham Azemi, Chefexperte Gebäudetechnikplaner Sanitär, zeigte sich ähnlich begeistert vom Anlass: «Es ist super, dass so viele Besucher und vor allem so viele Schulklassen gekommen sind, denn das ist für unseren Nachwuchs ganz wichtig. Und: Viele Besucher wissen überhaupt nicht, dass es Planer gibt – auch deswegen sind wir hier.»

Grosse Emotionen an der Siegerehrung

In 75 Wettkampfberufen wurden am Samstagabend der Wettkampfwoche die Schweizer Meister und Schweizer Meisterinnen gekürt. Kein Wunder also, dass es grosse Emotionen, Umarmungen und so manche unterdrückte Träne gab.

Die Schweizer Meister 2018 in der Gebäudetechnik sind: Roman Rufener aus Interlaken (Sanitärinstallateur), Simone Sala aus Sementina TI (Heizungsinstallateur) und Dominik Baumann aus St. Gallen (Lüftungsanlagenbauer) sicherten sich die Goldmedaille in den handwerklichen Berufen. Bei den Gebäudetechnikplanern siegten Thomas Huber aus Therwil BL (Fachrichtung Sanitär), Dario Liesch aus Grub SG (Fachrichtung Heizung) sowie Marco Bernasconi aus Reinach BL (Fachrichtung Lüftung).

Medaille als Sprungbrett zu internationalen Wettkämpfen

Bei einigen Berufen sind die Goldträgerinnen und -träger der SwissSkills 2018 gleich auch gesetzt als Kandidatinnen und Kandidaten für die World Skills 2019 im russischen Kazan oder den World Skills Europe 2020 in Graz. Nicht so bei den sieben Gebäudetechnik-Siegern. Die Berufsweltmeisterschaften (World Skills) und die Berufseuropameisterschaften (WorldSkills Europe) werden alternierend nur alle zwei Jahre durchgeführt. Suissetec organisiert für ihre Gebäudetechnikberufe aber jährlich einen Wettkampf. An den WorldSkills sind nur die Berufe Sanitär und Heizung in einen einzelnen Wettkampfberuf «Plumbing & Heating» vertreten. Das heisst konkret, im November werde die besten Schweizer Sanitärinstallateure/innen und Heizungsinstallateur/innen der Jahre 2017 und 2018 gemäss den Vorgaben von Suissetec zu einem Qualifikationswettkampf in das Bildungszentrum Lostorf eingeladen. Dort wird dann entschieden, wer mit an die WorldSkills 2019 darf.

Ein weiteres Highlight am Sonntag

Ein grosses Highlight im Zelt 13 war am Sonntag zu beobachten. Rund 30 Kids im Alter von 8 bis 12 Jahren bastelten in Gruppen eine Raketenabschussrampe. Je zwei Kids wurden dabei von ehemaligen SwissSkills-Teilnehmern der Gebäudetechnik fachkundig unterstützt. Die Raketenabschussrampe bestand aus Materialien und Arbeitstechniken der Branchen Sanitär, Heizung und Spengler. Das war eine gute Gelegenheit für die Kids und Eltern, die Gebäudetechnikberufe hautnah mit zu erleben. Am Nachmittag war es dann soweit: Welche Kids-Gruppe holte sich bei der «Kap Canaveral Olympiade» den Sieg? Die Gruppen Rot, Grün, Gelb, Blau und Hellblau mussten mit ihren Abschussrampen einen Parcours aus diversen Zielgenauigkeits- und mit Weitschussdisziplinen absolvieren. Angefeuert durch Eltern, Verwandte und Publikum gaben die Kids alles, wobei die Gruppe Gelb dann den glorreichen Sieg holte.

Weitere Informationen:
swiss-skills.ch

Die SwissSkills 2018 in Zahlen und Fakten:

  • Veranstalter: Verein SwissSkills Bern
  • Insgesamt 135 Berufe, davon tragen 75 Berufe ihre Schweizer Berufsmeisterschaften aus.
  • Über 100 Berufe konnten die Besucher im Rahmen von MySkills selber ausprobieren.
  • 900 Teilnehmer, 600 Experten, 300 Volunteers
  • 79 involvierte Berufsverbände (Organisationen der Arbeitswelt/OdA)
    Davon 19 aus dem Netzwerk Kleinstberufe.
  • Veranstaltungsbudget von 16,5 Mio. Franken. Zusätzlich wenden die Berufsverbände
    15 bis 20 Mio. Franken auf
  • 73 Prozent des Veranstaltungsbudgets wird durch die öffentliche Hand, namentlich das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation, den Kanton Bern und die Stadt Bern getragen.
  • Messegelände von 100 000 Quadratmetern (entspricht rund 14 Fussballfeldern)
  • Über 64 000 angemeldete Schüler, die die SwissSkills 2018 mit ihren
    Schulklassen besucht haben.
  • Die SRG realisierte eine gesamtschweizerische Themenwoche auf ihren TV-, Radio- und Online-Kanälen in allen vier Landesregionen. Das Schweizer Fernsehen strahlte auf SRF 1 eine neun-stündige Live-TV-Sendung von den SwissSkills 2018 aus.