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Unabhängige Fachzeitschrift für die Sanitär-, Heizungs-, Lüftungs- und Energiebranche

Ein junges Entwicklerteam arbeitet bei der OF-Software AG in Birsfelden, die EDV-Lösungen für Betriebe der Haustechnikbranche anbietet. Neben der Weiterentwicklung des Hauptprogramms OF-4000, das bei vielen Betrieben in der ganzen Schweiz eingesetzt wird, sind die Applikationsentwickler vor allem mit der Programmierung von neuen mobilen Tools für Monteure beschäftigt. Unkonventionell ist, dass auch Lehrlinge direkt in den Entwicklungsprozess eingebunden werden. Zwei von ihnen, Rik de Graaff und Tobias Kunz, die im Juli ihre Lehre bei der OF-Software AG abgeschlossen haben, erzählen im Interview über ihre Ausbildung und ihre Erfahrungen mit der Branche.

Rik de Graaff, Sie haben Ihre Ausbildung als Applikationsentwickler im Rang mit 5,8 bei der OF-Software AG abgeschlossen und zählen zu den besten IT-Lehrabgängern des Kantons Baselland. Was hat Sie bewogen, diesen Beruf zu erlernen?

Rik de Graaff (RdG): Als ich in Belgien in der Schule war, habe ich für den Mathematikunterricht einen programmierbaren Taschenrechner bekommen.

«Seit meiner Schulzeit bin ich von der Applikations­entwicklung fasziniert.»

Wann immer ich mit den Übungen fertig war, habe ich auf dem Taschenrechner Spiele oder kleine Programme, die beim Lösen von Aufgaben geholfen haben, programmiert. Seitdem bin ich von der Applikationsentwicklung fasziniert. Am meisten Spass hat es damals gemacht, wenn andere Leute meine Programme hilfreich oder spassig fanden. So ist es immer noch.

Tobias Kunz, auch Sie haben mit Bravour Ihre Ausbildung abgeschlossen. Wie haben Sie die Lehrzeit absolviert?

Tobias Kunz (TK): Im Gegensatz zu Rik habe ich zunächst für die Theorie die Informatikmittelschule (IMS) in Aarau und Baden besucht und dann die Lehrzeit mit dem obligatorischen zwölfmonatigen Praktikum

«Ich wollte schon immer den Beruf des Informatikers erlernen und habe mit der Informatikmittelschule und dem Praktikum einen guten Weg gefunden.»

bei der OF-Software AG abgeschlossen. Ich wollte schon immer den Beruf des Informatikers erlernen und habe mit der Informatikmittelschule und dem Praktikum einen guten Weg gefunden, da mir Schule grundsätzlich Spass macht.

Rik de Graaff, Sie sind in Belgien aufgewachsen. Was hat Sie bewogen, nach Basel zu kommen?

RdG: Nachdem ich das Gymnasium in Belgien beendet habe und dort zwei Semester an der Uni Informatik studiert habe, zog mich die Liebe zu meiner Freundin in die Schweiz. Am Anfang war es schwierig, mich hier zurechtzufinden, ohne die Sprache gut zu kennen. Zum Glück fand ich eine Praktikumsstelle bei einer Kinderkrippe für englischsprachige Kinder. Die Zeit habe ich dann benutzt, um mein Deutsch zu verbessern. Als mein Praktikum vorbei war, bewarb ich mich bei der OF-Software AG als Lehrling. Für mich hat es sofort gepasst, und ich konnte mich sogar ein paar Monate vor Lehrbeginn als Praktikant bei der OF einarbeiten.

Tobias Kunz, Sie wohnen in Wohlen AG. Warum sind Sie bei der OF-Software AG?

TK: Bei der IMS handelt es sich um ein neueres Konzept der Informatiklehre. Deswegen ist diese Ausbildung bei vielen Betrieben noch eher unbekannt und das Finden einer Praktikumsstelle schwierig.

Nach einigen Absagen von Betrieben in der Nähe meines Wohnorts hat mich die OF-Software AG zu einigen Schnuppertagen eingeladen. Die Chemie hat auf beiden Seiten sofort gepasst und ich habe die Jahrespraktikumsstelle erhalten, obwohl diese Art der Ausbildung auch für OF-Software AG unbekannt war.

Verglichen mit den grossen Ausbildungsfirmen wie Banken, Chemiefirmen usw. ist die OF-Software AG eine vergleichsweise kleine Ausbildungsstätte. War das für Sie ein Vor- oder Nachteil?

TK: Ich denke, das Arbeiten in einem kleineren Betrieb bietet eine komplett andere Dynamik als die einer Bank. Es herrscht ein ganz anderer Umgang zwischen den Leuten, und die Kommunikation ist sehr viel offener. In der OF-Software AG besteht eine sehr flache Hierarchie – jeder hat die Möglichkeit, Ideen und Vorschläge einzubringen. Als Programmierer bin ich natürlich direkt im Entwicklungsprozess involviert, und gerade darum ist es toll, Inputs von allen Seiten zu bekommen, sowohl von anderen Entwicklern wie auch von den Kollegen vom Support. Ich bin hier sehr zufrieden.

«Ich denke, das Arbeiten in einem kleineren Betrieb bietet eine komplett andere Dynamik als die einer Bank.»

RdG: Ich finde es auch sehr cool, dass sogar wir als Lehrlinge Inputs bringen und das Programm so direkt beeinflussen können. Wir dürfen einen wesentlichen Teil von tollen, innovativen Projekten selbst entwickeln, und ich kann mir kaum vorstellen, dass man in einer Bank so viel Impact haben kann. Toll fand ich, dass ich zuweilen auch direkten Kontakt mit den Programmanwendern, also den Sanitär- und Heizungsfirmen, gehabt habe. Kundenwünsche für die Programme konnte ich so direkt aus der Front erfahren. Diese Nähe zur Praxis macht die Arbeit sehr spannend.

Sie haben von interessanten Projekten gesprochen, die direkt bei den Kunden eingesetzt werden. Können Sie ein Beispiel nennen, wo Sie bei der Projektierung direkt involviert waren?

RdG: Am Anfang meiner Lehre habe ich den Ausmassblatt-Designer programmiert. Mit diesem Tool können die Sanitär- und Heizungsfirmen ihre eigenen Ausmassblätter zusammenstellen. Die Monteure setzen diese dann vor Ort beim Kunden oder auf der Baustelle auf dem Tablet ein. Sie können Material und Arbeitszeit rasch erfassen und arbeiten so viel effizienter. Auch am neuen Tablet/Smartphone-Programm OF-Mobile habe ich mitgearbeitet. Konkret habe ich dafür gesorgt, dass die Monteure auf ihren Geräten Meldungen erhalten, wenn z. B. ein Termin im Büro erfasst oder geändert wird.

«Ich finde es sehr cool, dass sogar wir als Lehrlinge Inputs bringen und das Programm so direkt beeinflussen können.»

TK: Momentan bin ich Teil eines ganz neuen Projekts, das erst in ein bis zwei Jahren marktreif wird. Konkret werden der Terminplaner und weitere Teile von OF-4000– programmiert mit den neusten Webtechnologien – erweitert und auf dem Desktop den OF-Benutzern im Büro und zu Hause plattformunabhängig zur Verfügung gestellt. Wichtig dabei ist ein zukunftsorientiertes Denken, denn die Applikation sollte wie OF-4000 in vielen Jahren noch benutzt und von uns aktiv weiterentwickelt werden.

Wie nahe sind Sie während Ihrer Ausbildung der Haustechnikbranche gekommen?

TK: Vor meinem Praktikum hatte ich noch keinen Einblick in die Haustechnikbranche. Während meiner Ausbildung habe ich dann viel vom Geschehen in diesem Bereich mitbekommen, vor allem von den Arbeitsweisen, Anforderungen und Abläufen im Büro bei den Sachbearbeitern. Ich weiss heute recht gut, wie ein Sanitärbetrieb funktioniert.

RdG: Auch ich bin während der Lehre der Branche recht nahegekommen. Ohne Auseinandersetzung mit dem entsprechenden Berufszweig kann gar nicht kundenorientiert programmiert werden. Da die OF-Software AG ihre Programme in enger Zusammenarbeit mit einem ausführenden Betrieb entwickelt, habe ich direkten Kontakt mit ihrem Büropersonal und vor allem auch mit ihren Monteuren.

«Der direkte Kontakt zu der Sanitär- und Heizungsbranche bringt den Vorteil, dass die Programme von Praktikern für Praktiker entwickelt sind.»

Was haben Sie daraus mitbekommen für Ihr zukünftiges Wirken?

RdG: Ich habe gelernt, dass es als Applikationsentwickler sehr wichtig ist, nicht nur sein eigenes Fach zu kennen, sondern sich auch mit dem Alltag seiner Kunden allgemein zu beschäftigen und sich hier in die Wünsche und Bedürfnisse der Haustechnikbranche hineinzudenken. Nur so können wir wirklich brauchbare Programme entwickeln.

TK: Wie Rik denke auch ich, dass ich gute Erfahrungen bezüglich der Zusammenarbeit zwischen Kunden und Entwicklern sammeln konnte. Es ist wichtig, die Bedürfnisse der Kunden zu erkennen und sich bei der Programmierung darauf einzulassen So kann ein Produkt entstehen, das dem Kunden wirklich nützt.

Wie beurteilen Sie die Vorteile der Produkte der OF-Software AG für die Sanitär- und Heizungsfirmen?

TK: Wie bereits erwähnt, entwickeln wir unsere Programme in enger Zusammenarbeit mit der Lüthi-Haustechnik AG, einem ausführenden Sanitärbetrieb mit über 60 Mitarbeitern. Ein grosser Vorteil ist, dass diese Firma im gleichen Gebäude untergebracht ist. Damit ist die OF-Software AG sehr nahe am Endkunden und die entwickelten Applikationen werden so direkt von einem ausführenden Betrieb getestet und die Feedbacks der Monteure und des Büropersonals fliessen direkt in die Software mit ein.

«Da die OF-Software AG ihre Programme in enger Zusammenarbeit mit einem ausführenden Betrieb entwickelt, habe ich direkten Kontakt mit ihrem Büropersonal und vor allem auch mit ihren Monteuren.»

RdG: Durch die Nähe zu Lüthi-Haustechnik AG habe ich es oft erlebt, dass mir Werner Lüthi bei der Programmierung direkt über die Schulter geschaut und sein Feedback gegeben hat. Dieser direkte Kontakt zu der Sanitär- und Heizungsbranche bringt den Vorteil, dass die Programme von Praktikern für Praktiker entwickelt sind.

Wie stellen Sie sich Ihre nähere Zukunft vor?

TK: Bis zu meinem Zivildienst werde ich als Programmierer bei OF-Software AG bleiben. Im September 2018 möchte ich ein Informatik-Studium an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Brugg-Windisch beginnen. Wer weiss, vielleicht verschlägt es mich nach dem Studium zurück zur OF-Software AG.

RdG: Ich habe vor, ab September 2017 an der Universität Basel Informatik im Hauptfach zu studieren und zusätzlich hier bei der OF-Software AG weiter Teilzeit zu arbeiten. So kann ich meine theoretischen Kenntnisse in der Informatik erweitern und hier gleichzeitig nah an der Praxis der Haustechnikbranche bleiben.

Weitere Informationen:

www.of-software.ch