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Unabhängige Fachzeitschrift für die Sanitär-, Heizungs-, Lüftungs- und Energiebranche

Daniel Elber, Gründer und Vizepräsident von «Verein Zukunft für Kinder», lebt seit vielen Jahren in Bali und setzt sich dort aktiv für die Bekämpfung der Armut im benachteiligten Norden der Insel ein. Neben vielen anderen Massnahmen soll prioritär die Wasserversorgung in 36 Dörfern in Muntigunung mittels Regenwassererfassung sichergestellt werden. Im Rahmen der jährlichen Planung wurde 2016 vier weiteren Dörfern eine eigene Wasserversorgung ermöglicht. Aus Anlass des 75-jährigen Bestehens der VSSH hat die VSSH Fachzeitschriften AG 75000 Franken für dieses Projekt beigesteuert. Weitere 75000 Franken hat der ehemalige Geschäftsführer der VSSH Fachzeitschriften AG und langjährige Chefredaktor des «p+i» Daniel Sommer in einer ambitionierten Sammelaktion zusammengebracht. Daniel Elber erklärt im Interview mit dem «planer+installateur» die Beweggründe für sein Engagement vor Ort und gewährt Einblicke in den Ablauf der Arbeiten.

Daniel Elber, wie ist Bali in den Mittelpunkt Ihres Wirkens geraten und wie lange sind Sie bereits auf der indonesischen Insel aktiv?
Nach über dreissigjähriger Karriere in einer grossen Schweizer Bank habe ich kurz vor der Jahrtausendwende begonnen, mir Gedanken über meine berufliche Restlaufzeit zu machen. Die enorme Veränderung des Bankgeschäfts in den 1990er-Jahren stand nicht mehr im Einklang mit meinen persönlichen Werten. Im Rahmen eines zweitägigen Workshops mit meinem engsten Freundeskreis und der Familie wurden mögliche Lebensalternativen für mich diskutiert. 2003 fasste ich dann den Mut, im Rahmen einer Reorganisation der Bank, meine Arbeitsstelle zu kündigen und mit 52 Jahren den Sprung in eine neue Zukunft zu wagen. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nur, dass ich nicht mehr in das Bankgeschäft zurückkehren würde. Aber was dann, das war die grosse Frage! Da mir die indonesische Insel Bali von früheren Reisen bekannt war und mich diese Kultur schon immer fasziniert hatte, habe ich mich entschieden, ein ganzes Jahr auf diesem wunderschönen Flecken Erde dafür einzusetzen, mich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen und für mich einen beruflichen Neuanfang zu definieren.
«2003 fasste ich dann den Mut, im Rahmen einer Reorganisation der Bank,
meine Arbeitsstelle zu kündigen und mit 52 Jahren den Sprung in eine neue Zukunft zu wagen.»

In Bali angekommen, fielen mir bald einmal neben all den wunderschönen Seiten der Insel auch die Schattenseiten auf: bettelnde Frauen mit ihren Kindern in den Strassen Ubuds und den Städten im Süden der Insel. Mein Kopf war ja frei wie schon lange nicht mehr ... So begann ich mir Fragen zu stellen nach dem Warum: Wieso müssen Menschen in dieser so familien- und gemeinschaftsorientierten Kultur betteln gehen? Welches sind die Hintergründe dieser Situation?
Diese Fragen liessen mich nicht mehr los, und so kam es, dass ich eines Tages mit dem Motorrad über die Berge auf die Nordseite der Insel fuhr und ein Bali kennenlernte, das ich mir gar nicht vorstellen konnte. Extrem trocken und ausgedörrt, gelbe, verbrannte Hänge und staubige Wege, Wüstenpflanzen und Armut, wohin das Auge blicken konnte. Notdürftig übersetzte Gespräche mit Einheimischen bestätigten mir, dass in diesem Bereich Balis eine ausgeprägte Armut herrschte. Auf der Rückfahrt zu meinem Domizil in Zentralbali habe ich mich spontan dazu entschieden, Hilfe zu organisieren. Und damit bin ich jetzt seit 14 Jahren beschäftigt.

Was waren die Beweggründe für Ihr grosses Wasser-Projekt in der Berggemeinde Muntigunung mit 36 Dörfern?
Der Entscheid, Hilfe zu organisieren, war zwar ziemlich naiv, da ich ja keinerlei Erfahrungen in der Entwicklungshilfe mitbrachte, die Sprache nicht verstand und mir auch die Kultur fremd war, aber ich war nicht so naiv, um nicht zu realisieren, dass ich nur mit Unterstützung von professionellen Organisationen ein solches Unterfangen erfolgreich anpacken konnte. Eine erste tiefgehende Analyse der Situation in Muntigunung durch die Yayasan Dian Desa, der wohl reputiertesten Non-Profit-Organisation Indonesiens, hat dann vier grössere Problemfelder aufgezeigt:
1. Die fehlende Wasserversorgung: Die rund 6000 Einwohner dieses Gebietes mussten jeweils bis zu 5 Stunden täglich laufen, um 10 Liter Wasser in ihre Häuser zu bringen.
So begann ich mir Fragen zu stellen nach dem Warum: Wieso müssen Menschen in dieser so familien- ­und gemeinschaftsorientierten Kultur betteln gehen? Welches sind die Hintergründe dieser Situation?»
2. Fehlende Arbeit und Einkommen: Die meisten der mangel­ernährten Einwohner haben keine Schulbildung und fanden daher keine Arbeit. Betteln in den Touristenzentren im Süden war daher die Notlösung. 90 Prozent aller Bettler in Bali stammen aus diesem Gebiet.
3. Die Kindersterblichkeit von 9 Prozent: Dies vor allem aufgrund der sehr schlechten hygienischen Situation vor Ort, dem fehlenden Wasser, Durchfallerkrankungen und Infektionen sowie der Tatsache, dass die nicht registrierten und damit eigentlich «nicht existierenden» Leute ohne ID-Karte in keinem Spital aufgenommen werden.
4. Die Fehlende Ausbildung: Die Eltern haben nur «Betteln» gelernt und nehmen ihre Kinder mit, um möglichst viel Geld zu erhalten. Damit ist auch die Ausbildung der zukünftigen Generation in Frage gestellt und eine bessere Zukunft wird verunmöglicht.
«Wir arbeiten ganzheitlich und unternehmen deshalb alle Anstrengungen, um die Vielzahl der Probleme der Bevölkerung von Muntigunung nachhaltig zu lösen.»
Die absolute Priorität hatte also das Wasser. Ohne Wasser ist Leben nicht möglich und wenn man, wie im Falle von Muntigunung, jeden Tag 5 Stunden laufen muss, um 10 Liter Wasser in sein Haus zu transportieren, dann hat man keine Energie und Zeit mehr, um andere wichtige Entwicklungsschritte zu unternehmen.

Wie war die Wasserversorgung der Bevölkerung in diesem Gebiet bisher organisiert?
Bis zu diesem Zeitpunkt wurde das Wasser jeweils entweder im 2½ Stunden Fussmarsch entfernten Batursee oder dann an der Küste, wo Grundwasser vorhanden war, beschafft. Diese Arbeit wurde meistens durch Frauen mit ihren Kindern ausgeführt. Wenn man sich vorstellt, dass eines dieser Kinder mit 10 Litern Wasser auf dem Kopf 100 Meter vor dem eigenen Haus stürzt und das Wasser verliert, weiss man, welche Entbehrungen diese Menschen auf sich nehmen mussten und zum Teil immer noch müssen. Wenn man zusätzlich in den Grossfamilien bis zu 10 Personen hat, dann genügen eben 10 Liter nicht, um den Grundbedarf nur schon fürs Trinken zu deck­en.
Aus Anlass des 75-jährigen Bestehens hat die VSSH via die VSSH Fachzeitschriften AG 75000 Franken für dieses Projekt beigesteuert. Weitere 75000 Franken wurden vom ehemaligen Geschäftsführer der VSSH Fachzeitschriften AG und langjährigen Chefredaktor des «p+i» Daniel Sommer eingebracht. Wie wurden diese 150000 Franken eingesetzt und welche Wirkung wurde damit erzielt?
Die Mittel wurden dazu verwendet, die Wasserversorgung in weiteren drei Dörfern vollständig und in einem Dorf zusammen mit anderen Spendern sicherzustellen. Die Budgets wurden eingehalten, der Implementierungsplan musste aufgrund von Meinungsverschiedenheiten bezüglich Standort des kommunalen Tanks in einem Dorf verlängert werden, die Projekte sind aber in der Zwischenzeit abgeschlossen. 463 Einwohner mehr verfügen heute über eine nachhaltige Wasserversorgung von mindestens 25 Litern pro Kopf und pro Tag.

Welche baulichen Massnahmen wurden ergriffen, um die Wasserversorgung vor Ort zu gewährleisten?
Wir hatten die verschiedensten Lösungsoptionen für die Wasserversorgungsproblematik genau überprüft und sind zum Schluss gekommen, dass wir kein Wasser über die Berge pumpen und mit 50-km-Pipelines in einem bergsturzgefährdeten Gebiet die Bevölkerung versorgen wollten, sondern uns auf die traditionelle Methode der Regenwassererfassung konzentrieren sollten. Dabei basieren wir auf dem Entwicklungsstatus der Bevölkerung und haben keine energie- und geldabhängigen Lösungen geschaffen, sondern wir versorgen heute die kleinsten Zellen – Familien und Weiler – nachhaltig mit dem notwendigen Wasser, durch das Auffangen dieses Elements während der Regenzeit.
«Die grösste Herausforderung dabei ist und war die Übereinstimmung der Projekte mit den kulturellen lokalen Gegebenheiten, aber auch die Sicherstellung, dass die finanziellen Mittel nach unseren Vorstellungen eingesetzt wurden.»
Die Lösung beinhaltet a) die Renovation sämtlicher existierender Familienwassertanks mit einer Sika- resp. HDPE-Beschichtung, b) die Konstruktion eines zwischen 170 und 270 m3 fassenden grossen kommunalen Wassertanks mit einem riesigen Wasserauffangdach und c) die Schulung der Bevölkerung in diversen Wasserreinigungsmethoden. Ziel ist, dass alle Personen mindestens 25 Liter Wasser pro Tag zur Verfügung haben – gerechte Verteilung ist die Voraussetzung. Zusätzlich zur strategischen Komponente der prioritären Wasserversorgung kommt noch dazu, dass wir mit dem riesigen Wasserauffangdach gleichzeitig ein Dorfbegegnungszentrum respektive einen Produktionsstandort – geschützte Fabrik – schaffen, was die Zielerreichung der zweiten und dritten Problemstellung – Schaffen eines Arbeitsplatzes pro Familie, Ausbildung der Bevölkerung bezüglich Gesundheit – ermöglicht.

«Es hatte sich gleich zu Beginn im Rahmen der Problemanalyse herausgestellt, dass die fehlende Wasserversorgung das grösste Problem der Bevölkerung darstellte

Die Bevölkerung wurde aktiv in den Bau der Wasserversorgung eingebunden. Welches waren die grössten Herausforderungen dabei?
Es hatte sich gleich zu Beginn im Rahmen der Problemanalyse herausgestellt, dass die fehlende Wasserversorgung das grösste Problem der Bevölkerung darstellte. Die Bevölkerung in die Problemlösung einzubeziehen, war damit nicht schwierig. Wir mussten einfach erläutern, was eine andere Lösung – z. B. Wasser über die Berge pumpen und verteilen – für Kostenfolgen und Risiken für die Bevölkerung kreiert hätte. Damit war ziemlich rasch klar, dass die von uns vorgeschlagene Lösung auch für die Bevölkerung die Vorteilhafteste war.
Als nächster Schritt musste gemeinsam definiert werden, wer wofür verantwortlich zeichnete. Wir finanzierten Material und Expertise, die Bevölkerung leistete alle Arbeit, die mit Muskelkraft zu erledigen ist – wie Materialtransport, vor allem in die Dörfer ohne Strassenverbindung, Aushubarbeiten für die kommunalen Wassertanks. Natürlich war es auch unsere Absicht, alles Material, das in Muntigunung vorhanden war, wie zum Beispiel den Sand für den Zement von der Bevölkerung zu kaufen, um damit bereits für ein wenig Einkommen zu sorgen.
Die grösste Herausforderung dabei ist und war die Übereinstimmung der Projekte mit den kulturellen lokalen Gegebenheiten, aber auch die Sicherstellung, dass die finanziellen Mittel nach unseren Vorstellungen eingesetzt wurden. So mussten wir die Vertreter der Dörfer gleich zu Beginn der Projekte darauf aufmerksam machen, dass wir nicht akzeptieren würden, wenn man uns den Sand zu um die Hälfte erhöhten Konditionen verkauft, um die Differenz dem Dorfvorsteher als «Taxen» abzuliefern. Eine Sitzung machte unmissverständlich deutlich, dass es in dieser Hinsicht nur einen Weg gibt, den unseren.
«Es sind nun noch 12 weitere Dörfer ausstehend, was zusätzliche Projektkosten von etwa 600000 Franken bedeutet.»
Eine weitere Herausforderung war, kulturelle Regeln zu verstehen und danach zu handeln. So wurden wir im zweiten Jahr, als eine der Wasserversorgungen bereits gebaut war, damit konfrontiert, dass diese an diesem Standort nicht akzeptabel sei, da das Dach der Versorgung höher als der heilige Baum des Dorfes sei. Eine Lösung fand sich dadurch, dass dieser heilige Baum im Rahmen einer Zeremonie symbolisch 50 m höher an einen anderen Standort verlegt wurde. Und diese Zeremonie kostete natürlich Geld. Mittel, die die Bevölkerung aufzubringen hatte, da wir ja Wasserversorgung finanzieren wollten und nicht für die Finanzierung von Zeremonien zuständig waren. So gab es in den vergangenen 10 Jahren unzählige Situationen, die uns staunen und lernen liessen.

Wie profitiert die gesamte Bevölkerung heute von Ihrem Projekt?
Bis heute sind 24 der 36 Dörfer mit Wasser versorgt, das heisst, dass 66 Prozent der Einwohner nun über eine Wasserversorgung von mindestens 25 l Wasser pro Tag verfügen. Wir sparen damit pro Familie jedes Jahr viele Stunden zur Wasserbeschaffung, die nun produktiv für andere Tätigkeiten genutzt werden können. Wasser bedeutet auch Hygiene und eine substantiell verbesserte Gesundheit. Zusätzlich verfügen nun diese Dörfer über einen zentralen Dorfmittelpunkt, der gleichzeitig als Produktions- und Ausbildungsstandort genutzt wird. In 9 Dörfern sind unter diesen Dächern bereits kleine Fabriken entstanden, die nun über 200 Leute beschäftigen.
«Bis heute sind 24 der 36 Dörfer mit Wasser versorgt, das heisst, dass 66 Prozent der Einwohner nun über eine Wasserversorgung von mindestens 25 l Wasser pro Tag verfügen.»
Welche bürokratischen Hürden mussten bei Ihrem Wirken vor Ort beseitigt werden, bzw. wurden Sie vom Staat dort unterstützt?
Es ist ein wichtiger Teil unserer Philosophie, dass die operative Umsetzung der Arbeiten in diesem Gebiet ausschliesslich durch indonesische Organisationen erfolgt. Damit haben wir «Öl im Prozess», da unsere indonesischen Partner Sprache und Kultur kennen und so sehr gut akzeptiert sind. Dies gilt auch in unserem Verhältnis gegenüber der Regierung, wo ich mich als Vertreter des Schweizer Vereins sehr zurückhalte und meistens unseren indonesischen Landsleuten den Vortritt lasse. Ausnahmen bilden dabei unsere Präsentationen bei der Regierung, mit denen wir diese über den Fortschritt laufend informieren. Allerdings versuchen wir auch ganz konsequent, eine gewisse Distanz einzuhalten, um nicht in administrative, bürokratische oder auch «andere» Praktiken involviert zu werden.
«Es ist ein wichtiger Teil unserer Philosophie, dass die operative Umsetzung der Arbeiten in diesem Gebiet ausschliesslich durch indonesische Organisationen erfolgt.»
Die Arbeiten in den vier Dörfern, die von den Geldern der VSSH-Mitglieder und der VSSH Fachzeitschriften AG profitierten, sind im März abgeschlossen worden. Wie viele Dörfer müssen noch erschlossen werden und wie viel Geld wird noch gebraucht, damit alle 36 Dörfer mit ausreichend Wasser versorgt werden können?
Leider wurde der Bau in einem der vier 2016 geplanten Dörfer leicht verzögert, da sich die Dorfbewohner nicht auf einen Standort des zentralen kommunalen Reservoirs einigen konnten und einige Schlichtungssitzungen durchgeführt werden mussten. Trotzdem konnten wir in der Zwischenzeit alle Projekte abschliessen. Es sind nun noch 12 weitere Dörfer ausstehend, was zusätzliche Projektkosten von ca. 600000 Franken bedeutet. Wir sind der Ansicht, dass wir diese Aufgabe im Rahmen der nächsten vier bis fünf Jahre lösen können.

Wie können Ihre weiteren Anstrengungen vor Ort am besten unterstützt werden?
Am besten unterstützt man uns durch Spenden an den Verein, durch den Besuch des Projektgebiets über ein atemberaubendes Trekking – Mitglieder des VSSH haben im letzten Jahr ja an einer Studienreise teilgenommen und dieses Trekking bestritten – oder durch den Kauf unserer Produkte, die einen direkten Beitrag zur Erhaltung und Schaffung neuer Arbeitsplätze leisten. Die meisten unserer Produkte können «customized» werden und eignen sich dadurch sehr gut als Kundengeschenke oder als Weihnachtsgeschenke, da sie einen emotionalen Hintergrund haben und eine grosse positive Wirkung auf benachteiligte Menschen haben. So hat zum Beispiel eine grosse Privatklinik in der Schweiz im letzten Jahr 2000 Körbe mit Cashewnüssen bestellt, um diese gesunden Produkte ihren Privatpatienten zum Abschied zu übergeben. Ein Bauunternehmer aus der Schweiz hat entschieden, allen Käufern einer Wohnung oder eines Hauses eine Sitzhängematte aus der Produktion in Muntigunung zu schenken.
Hier sehen wir auch eine grosse Möglichkeit für die VSSH-Mitglieder, einerseits ein solches Projekt langfristig und substantiell zu unterstützen und andererseits damit auch imagebildend sich mit einem erfolgreichen Entwicklungsprojekt zu verbinden, das mit nur 5 Prozent Verwaltungskosten neben der Wirkung im Projektgebiet zu überzeugen weiss.

Was bewirkt Ihr «Verein Zukunft für Kinder» sonst noch?
Wie erwähnt arbeiten wir ganzheitlich und unternehmen deshalb alle Anstrengungen, um die Vielzahl der Probleme der Bevölkerung von Muntigunung nachhaltig zu lösen. Dies bedeutet, dass wir zum Beispiel in den letzten 8 Jahren 561000 Bäume gepflanzt haben, die mit der Zeit der Bevölkerung einen kommerziellen Nutzen bringen: Cashewbäume, Lontarplamen, Teak, Bambus, Moringa und Jatropha. Es bedeutet weiter, dass wir die Bevölkerung motivieren, Toiletten zu bauen – 70 Prozent der Bevölkerung haben nun Zugang zu Toiletten – und sie in gesundheitlichen Aspekten unterrichten – Ernährung, Hygiene, Empfängnisverhütung etc. – sowie sie im Rahmen unzähliger Workshops davon überzeugen, dass der Besuch der Schulen für ihre Kinder wie auch für sie selbst einen grossen Nutzen darstellt. Zusätzlich haben wir bis anhin 3 soziale Unternehmen gegründet und indonesischen Eigentümern übergeben. Die erfolgreichen Unternehmen beschäftigen heute 230 Arbeitnehmer.

«Wir gehen davon aus, dass wir für die Erreichung ­aller unserer Zielsetzungen nochmals gut 10 Jahre investieren müssen. Dazu gehören Menschen, die wie Daniel Sommer daran glauben, dass wir hervorragende Arbeit abliefern.»

Verschiedenste Medien und Fernsehsender haben dieses Entwicklungsprogramm als vorbildlich dargestellt. 2011 wurden wir mit einem globalen Eko-Tourismus-Preis für das Trekking ausgezeichnet, 2014 wurden wir im Rahmen des Journalism Impact Day von einer Gruppe internationaler Journalisten als eines von 100 Programmen weltweit bezeichnet, das mit einem systematischen Ansatz und der Messbarkeit und Kopierbarkeit überzeugt. Seit 2015 wird eine Fallstudie über das Programm von der Singapore Management University zur Schulung der Studenten in Nachhaltigkeit verwendet.

Welches werden Ihre nächsten Projekte in Südostasien sein?
Wir gehen davon aus, dass wir für die Erreichung aller unserer Zielsetzungen nochmals gut 10 Jahre investieren müssen. Man darf nicht vergessen, dass es unser Ziel ist, gegen 1000 Arbeitsplätze zu schaffen. Gesamthaft wären dies dann 24 Jahre, also eine ganze Generation. Wir benötigen dafür Hartnäckigkeit und Durchhaltewillen sowie eine grosse Portion Leidenschaft. Dazu gehören Menschen, die wie Daniel Sommer daran glauben, dass wir hervorragende Arbeit abliefern und uns dabei helfen, die «grossen Steine» wegzutragen.

Sie sind an der Generalversammlung zum 75-Jahr-Jubiläum der VSSH in Zug dabei. Worauf können sich die VSSH-Mitglieder freuen?
Ich bin überzeugt, dass sich die Mitglieder der VSSH zusammen mit mir darüber freuen, dass in der Zwischenzeit vier weitere Dörfer mit total 425 Einwohnern über eine nachhaltige Wasserversorgung verfügen. Ich werde an der Generalversammlung die Gelegenheit nutzen, die Situation der Bevölkerung von Muntigunung nochmals kurz aufzuzeigen und darzustellen, was wir mit den Mitteln alles bewirken konnten.