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Unabhängige Fachzeitschrift für die Sanitär-, Heizungs-, Lüftungs- und Energiebranche

Die Vereinigung Schweizerischer Sanitär- und Heizungsfachleute (VSSH) hat wie andere Verbände und Vereinigungen auch für mehr Nachwuchs und Wachstum zu sorgen. Neben der wichtigen Öffnung der VSSH für neue junge Mitglieder will die Vereinigung gemäss ihrer «Strategie 2020» die Zusammenarbeit mit anderen Verbänden vertiefen. Da macht die Nähe zum Gebäudetechnikverband Suissetec, der als Arbeitgeberverband für die Ausbildung der Fachleute verantwortlich ist, doppelt Sinn. Zur künftigen Zusammenarbeit und zu den Herausforderungen für die Verbandsentwicklung äussern sich im Gespräch mit dem p+i Christoph Schaer, designierter Direktor von ­Suissetec, Alois Gartmann, Leiter Bildung Suissetec, VSSH-Präsident Milo Tettamanti sowie VSSH-Geschäftsführer Josef Huwyler.

Milo Tettamanti, die VSSH muss wieder wachsen und jünger werden. Wie wollen Sie bei Fachkräften in der Haustechnik beliebt machen, Mitglied in einer Fachvereinigung zu werden?

Milo Tettamanti (MT): Nachwuchs ist wichtig für alle Vereinigungen und Verbände – bei uns besteht der Nachwuchs aus bereits gemachten Fachkräften, die sich schon bewiesen haben. Wir bieten ein hilfreiches Netzwerk für den Infofluss in der Branche an, das muss noch besser vermittelt werden; Swisstec bildet den Nachwuchs aus und hat die Mitglieder über die Firmen. Auch ihre Leute aus den Firmen sollen zu Infos kommen. Wir sind eine Vereinigung direkt für die Individuen der Branche, das unterscheidet uns und bringt uns doch zusammen. Wir ergänzen uns wunderbar.

 

Welche Chancen liegen für die VSSH ­darin, mit Suissetec zusammenzuarbeiten, und welche Bereiche wird das künftig umfassen?

MT: Wir wollen mehr Leute aus den Firmen, die Kader und bestimmenden Leute – wir wollen wachsen. Nach der Grundausbildung ist vor der Weiterbildung. Wir wollen aber auch fähige Berufsleute in unsere Vereinigung einbinden. Suissetec kann uns dabei unterstützen.

Josef Huwyler (JH): Wir sind sehr schnell bei den Führungsleuten, da haben wir eine grosse Tradition und Erfahrung, uns gibt es ja bereits seit 1942. Unsere Mitglieder haben in der Regel eine Kaderfunktion bei ihren Arbeitgebern. Bei verschiedenen Fragestellungen ist es wichtig, dass nicht nur die Firmen, sondern auch deren Führungskräfte erreicht werden. Dies können wir als  VSSH sicherstellen. Damit soll eine Diskussion bei wichtigen Fragestellungen schnell und effizient breiter abgestützt werden. Hier könnte die VSSH eine wichtige Scharnier-Funktion einnehmen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass wir inskünftig vermehrt versuchen werden, unseren Mitgliedern den Zugang zu wichtigen, von Suissetec organisierten Veranstaltungen ebenfalls zu ermöglichen. Auch dies wäre für eine breitere Abstützung vor allem bei der Meinungsbildung bei wichtigen Themen sicherlich von Vorteil.

Was verspricht sich der Arbeitgeber­verband Suissetec davon, mit der Arbeitnehmervereinigung VSSH zusammen­zuwirken?

Christoph Schaer (CS): Wir sehen ergänzende Zusammen­arbeitsmöglichkeiten vor allem für
die Begleitung der Fachleute. Ich sehe hier ideale ergänzende Zusammenarbeitsmöglichkeiten, Berufsleute vs. Arbeitgeber. Wir wollen Kanäle öffnen für die Weiterbildung und die wichtige Infovermittlung.

Alois Gartmann (AG): Die Firmen werden auch immer grösser, das heisst, es gibt auch immer mehr Kaderleute – so wie zum Beispiel Alpiq, das mit seinen vielen Mitarbeitern genau ein Mitglied bei uns ist. Diese Leute sind zwar via Bildung im Courant normal bei uns, doch dann sind sie weg. Die könnten wir gezielt abholen über unsere Zusammenarbeit.

MT: Die Überalterung ist bei uns ein Problem, mit dem wir richtig umgehen müssen. Die alten Strukturen müssen überwunden werden. Wir sind ein wohlhabender Verband, uns geht es gut. Unser Kässeli wollen wir aber sinnvoll für die Branche einsetzen. So bilden wir einen Fonds, mit dem wir Diplomanden bei ihren Arbeiten unterstützen wollen.

 

Wie können die beiden Vereinigungen künftig zusammen vorgehen, damit ­wieder mehr Mitgliederzuwachs für die VSSH aus der Branche generiert werden kann?

CS: Suissetec ist in der glücklichen Lage, sich in einer für die Branche guten Zeit zu bewegen. Trotz gewisser Zusammenschlüsse haben wir immer noch einen Nettozuwachs, das ist eine schöne Entwicklung – was wir machen, machen wir offenbar gut. Wir haben gut 300 mehr Mitglieder innerhalb von 10 Jahren, das lässt sich sehen bei total 3500 Mitgliedern.

MT: Wir wollen uns bewusst nicht aufs Grosse ausrichten. Wir wollen die normalen, werktätigen Leute aus der Branche abholen, die Planer und Ausführenden – die, die worken, die wollen wir fassen. Wir wollen aufzeigen, wenn einer bei uns mitmacht, wird er mehr verdienen können. Die Mitglieder bekommen bei uns direkten Zugang zu Sachen, damit sie bessere Fachleute werden – Wissen via lebenslanges Lernen ist Macht.

AG: Sich Zeit nehmen für die Stifte ist wichtig und lohnend – wir sind aber auch vielschichtig in der Gebäudetechnik unterwegs, so haben wir viel für die Lüftiger gemacht. Erfolgreich und auf gutes Echo stossend ist auch unsere Baustellenleiterausbildung.

MT: Genau da wollen wir von unserer Seite her aufmerksam machen auf solche Sachen.

Was unternimmt Suissetec, um der grossen Fluktuation durch die Berufsleute, mit der auch andere Berufsgattungen schwer zu kämpfen haben, entgegenzuwirken?

CS: Wir haben sehr viel unternommen für die Nachwuchsrekrutierung und das Image der Branche. In Umfragen stehen wir gut da. Unsere Imagekampagnen haben viel gebracht – unsere Berufe werden klar dargestellt, obwohl unser Wirken komplex ist. Auch in den sozialen Medien haben wir einen Kanal zu den Jungen. All das lohnt sich – wir sind gut unterwegs. Wenn wir das den Jungen ­richtig vermitteln können, haben wir eine grosse Zukunft vor uns. Wir sind uns allerdings bewusst, dass wir erst am Anfang bedeutender Umwälzungen stehen – das wird uns alle noch sehr fordern.

AG: Viele haben noch Sanitärler im ganz üblichen Sinne gelernt. Doch die Zeiten haben sich geändert, auch die Anforderungen – auch wir müssen für einen gesunden und stetigen Nachwuchs kämpfen, wie das alle Berufe tun. Und ganz wichtig: Diejenigen, die schon in der Branche sind, müssen wir weiterbilden und in der Branche halten, indem wir den Stolz unserer Metiers vermitteln.

 

Suissetec hat die Revisionen der Lehrberufe mit Eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) in der Haustechnik vorangetrieben. Die Lehrverlängerung von drei auf vier Jahre wird in den Berufen Sanitärinstallateur EFZ, Heizungs­installateur EFZ und Spengler EFZ ab Sommer 2020 wirksam. Die ebenfalls erneuerten Berufe Lüftungsanlagenbauer EFZ und Gebäudetechnikplaner EFZ sollen im Sommer 2019 starten. Was erwarten Sie, Alois Gartmann, als Bildungsverantwortlicher von den Neuerungen?

AG: Das haben unsere Delegierten entschieden. Wir werden die Chance packen, das richtig umzusetzen. Die Umstellung wird mehr Handlungsorientierung bringen, da die neue Ausbildung mehr der Praxis entspricht. Die Herausforderung besteht auch darin, dass die Berufsschulen mitmachen, bei den ÜK sind wir nahe dran; auch die Betriebe müssen mitziehen. Die grosse Chance besteht darin, dass wir nach der vierjährigen Ausbildung bestens ausgebildete Fachkräfte haben, die ihr Handwerk verstehen und noch kompetenter sind. Durch die vierjährige Ausbildung wird sich auch eine klarere Trennung zur zweijährigen Attestausbildung ergeben.

 

Wird die Verlängerung die Berufe für den Nachwuchs attraktiver machen?

AG: Wichtig ist, dass von den Inhalten und neuen Technologien mit der neuen Ausbildung viel mehr vermittelt werden kann. Wir haben auch gewisse Kriterien des Staates zu erfüllen, wir haben das wirklich sauber erarbeitet und uns sehr genau überlegt, was von den künftigen Fachkräften zu verlangen ist. Auf jeden Fall wird die Handlungskompetenz unserer Fachleute viel höher sein, und das ist gut für die Zukunft.

 

Die Energiestrategie 2050 wird auch für die Gebäudetechnik grosse Herausforderungen mit sich bringen. Was ist hier vorgesehen, um die Branche fit zu machen?

CS: Die ganze Transformation des Gebäudeparks ist bei allem im Vordergrund, deshalb haben wir uns ja auch im nationalen Abstimmungskampf zur Energiestrategie 2050 stark engagiert. Es läuft viel in diesem Bereich. Das bringt für uns in der Gebäudetechnik sehr grosse Chancen, die wir nutzen sollten. Wir müssen unsere Leute dazu ermuntern, sich weiterzubilden. Wichtig ist, dass nicht nur die Leute fit sind, sondern auch die Unternehmen.

Nach Annahme der Energiestrategie 2050 durch das Stimmvolk müssen die Gesetze und Verordnungen nun in den Kantonen aktiv umgesetzt werden. Dazu gibt es noch Abstimmungen in Kantonen. Unsere Sektionen sind hier aktiv. Die Gebäudetechnik steht im Zentrum bei der Transformation des Gebäudeparks in der Zukunft – inklusive Mobilität.

MT: Da gibt es zum Teil noch grosse Wissenslücken – zum Beispiel Dämmvorschriften – bei unseren Leuten. Genau hier haben wir grosse Aufgaben vor uns, um die Branche fit zu halten. Wir müssen unsere Leute à jour halten, von unten nach oben.

 

Als koordinierende Organisation gibt es in der Gebäudetechnik die Konferenz der Gebäudetechnik-Verbände KGTV, die wertvolle Arbeit für die Branche leistet. Inwieweit ist Suissetec da miteingebunden, bzw. wird Suissetec der Interessengemeinschaft beitreten?

CS: Wir sind in nahem Austausch mit der KGTV und haben enge Kontakte, wir werden aber nicht beitreten. Wir arbeiten eng mit vielen Organisationen zusammen, ohne Mitgliedschaft. Wir wollen für unsere Branche unabhängig kommunizieren können.

MT: Für mich ist die Mitarbeit bei der KGTV wertvoll, weil sie viele Vorteile bietet. Das ganze Spektrum ist ja nicht so leicht überschaubar, und so sehen wir, wir gehen in die gleiche Richtung.

 

Welche Themen gilt es in der Gebäudetechnik als nächstes anzupacken?

CS: Es gibt im Moment ganz viele Themen für uns: Energieeffizienz, Trinkwasserhygiene, erneuerbare Energien etc. Wir sind mitten im Transformationsprozess drin. Es ist Pragmatismus gefragt, und die Digitalisierung sollte als Hilfsmittel und nicht als Primat wirken. Der Nutzen sollte stets im Vordergrund stehen.

MT: Es bestehen in der Tat viele Herausforderungen für uns. Hier sticht die Trinkwasserhygiene im Besonderen heraus. Wir müssen unsere hohen Qualitätsanforderungen beibehalten im globalen Umfeld, das wird entscheidend sein, aber nicht ganz einfach.

 

Weitere Informationen:

vssh.ch

Zu den Personen

Christoph Schaer, designierter Direktor von Suissetec. Schaer ist seit 2008 bei Suissetec engagiert. Er leitete während dieser Zeit den Bereich Technik und Betriebswirtschaft und war zuletzt auch stellvertretender Direktor. Der Zentralvorstand von Suissetec hat im Vorfeld der Delegiertenversammlung im Juni 2018 in Fribourg Christoph Schaer zum neuen Direktor gewählt. Christoph Schaer wird per Juli 2019 die Nachfolge von Hans-Peter Kaufmann antreten.

 

Alois Gartmann ist seit Juni Leiter Bildung und Mitglied der Geschäftsleitung bei Suissetec. Vorher war er als Leiter für die Höhere Berufsbildung verantwortlich. Er ist seit 2008 bei Suissetec tätig.

 

Milo Tettamanti, VSSH-Präsident, ist seit 1993 in der VSSH und seit 2002 im Vorstand. Seit 2010 ist Tettamanti Präsident der Vereinigung.

 

Josef Huwyler ist neuer VSSH-Geschäftsführer seit 2018. An der Generalversammlung 2018 hatte Huwyler seinen ersten Auftritt, im Juni wurde er zum neuen Geschäftsführer bestimmt.