Installateur - Logo - Home
Unabhängige Fachzeitschrift für die Sanitär-, Heizungs-, Lüftungs- und Energiebranche

Die Vereinigung der Schweizerischen Sanitär- und Heizungsfachleute VSSH feiert heuer ihr 75-jähriges Bestehen, am 9. Juni findet die Jubiläumsgeneralversammlung in Zug statt – Zeit für neue Entwicklungen. Die VSSH hat sich in einem veränderten beruflichen Umfeld zu behaupten und die richtigen Entscheide für die Zukunft zu treffen. Auch in den Institutionen der Vereinigung gab es Veränderungen, die neue Wege erfordern. Präsident Milo Tettamanti und Geschäftsführer Pirmin Frei stellen im Gespräch mit dem «p+i» ihre Strategie vor und erklären, wohin die Reise im neuen Dreivierteljahrhundert gehen wird.

Milo Tettamanti, die VSSH unterstützt mittlerweile seit 75 Jahren die Profis aus der Branche. Wie lange sind Sie dabei und wie fühlen Sie sich in unserer schnelllebigen Zeit heute als Präsident einer so traditionsreichen Vereinigung?
Milo Tettamanti (MT): Ich bin seit bald 25 Jahren Mitglied der VSSH, seit 2008 im Vorstand und seit 2011 ihr Präsident. Früher gehörte es sich einfach, nach erfolgreich abgeschlossener Meisterprüfung dieser Organisation beizutreten. Doch im Laufe der Zeit hat sich so manches verändert. Die Werte von früher sowie auch die Exklusivität des damaligen Informationsaustausches sind längst Geschichte. Die Zeiten sind dermassen schnelllebig geworden, das hätten sich die Gründungsväter seinerzeit bestimmt nie träumen lassen. Die VSSH ist in der Tat sehr lange in der Rolle der traditionellen Meistervereinigung verharrt. Doch nun ist es an der Zeit, die Weichen neu zu stellen. Eine bescheidene Jubiläumsfeier scheint mir der rechte Anlass dafür zu sein.

«Früher gehörte es sich einfach, nach erfolgreich abgeschlossener Meisterprüfung der VSSH beizutreten. Doch im Laufe der Zeit hat sich so manches verändert.»

Das Jahr 1942 erscheint uns, nicht nur durch die damaligen Umstände im Krieg, fast wie ein anderes Universum. Was wissen Sie über die Umstände von damals, so eine Vereinigung zu gründen?
MT: Wie Sie gesagt haben, es scheint wie von einer anderen Welt. Von dem Zeitgeist weiss ich nur die Geschichten, die mein Vater zu erzählen wusste. Er stand als Sappeur am Gotthard und bereitete Brücken zur Sprengung vor, falls «der Feind» einmarschieren würde. Doch «der Feind» durfte die Brücken auch so benutzen und fugte Material und Truppen kreuz und quer über die Alpen. Es muss schon eine spezielle Zeit gewesen sein. Im Nachhinein entstanden viele Mythen, die aber oft als bewusst falsche Überlieferungen enttarnt wurden.
Ich denke, es gab schon damals viele Halbwahrheiten und Lügen. Das ist mit ein Grund, warum ich nicht wehmütig nach hinten, sondern lieber interessiert nach vorne schaue. Wer sich für den Zeitgeist von damals interessiert, dem sei das Buch von Konrad Stamm über den «Grossen Stucki» empfohlen. Walter Otto Stucki galt zu der Zeit als eine Art achter Bundesrat und war massgeblich an den Verhandlungserfolgen der Nachkriegszeit beteiligt. Solche Leute könnten wir auch in der heutigen Zeit sehr gut gebrauchen, doch leider sind sie extrem rar geworden.

Welche Punkte von damals, glauben Sie, sind heute noch relevant?
MT: Da ich zur Gründerzeit der VSSH ja noch nicht auf der Welt war, kann ich diese Frage nur gefühlsmässig beantworten … Ich gehe davon aus, dass die Gründerväter einfach dem Installationsgewerbe einen guten Dienst erweisen wollten. Vielleicht haben sie aber auch nur eine Gelegenheit gesucht, um in der Beiz einen Schoppen zu heben. Das ist heute mit Bestimmtheit nicht mehr gefragt.
Gute Dienste für die Branche sind zwischenzeitlich wieder von grosser Bedeutung. Dazu zählen Fakten aus dem Berufsalltag, echte Fakten … Die Reglementierungen von allen Seiten stellen heutzutage für viele ausführende Berufsleute eine echte Herausforderung dar. Was soll ich, was muss ich und was darf ich noch machen, um nicht in Konflikt mit Normen, Regelwerken und Richtlinien zu kommen? Die Kadenz der neu aufgelegten Vorschriften ist heute mit Bestimmtheit viel grösser als früher. Sich darin auszukennen, ist jedoch heute noch genauso relevant wie damals.

Worin sehen Sie die grössten Veränderungen bzw. was hat sich seither grundlegend geändert?
MT: Wie bereits gesagt, das reine gesellige Zusammengehörigkeitsverlangen ist heute sicher nicht mehr so ausgeprägt wie früher. Als ich bei der VSSH eingetreten bin, waren noch zweitägige Generalversammlungsanlässe mit Partnerinnen und separaten Frauenprogrammen üblich. Mehr und mehr verloren diese Ausflüge jedoch an Bedeutung und es kamen bald nur noch Rentner und wenig bis keine aktiven Berufsleute mehr mit. Das ist einerseits schade, anderseits muss man den Zeitgeist auch erkennen und die Angebote halt den Gepflogenheiten des digitalen Zeitalters von heute entsprechend anpassen. Ich will damit nicht sagen, dass wir die etwas ruhiger gewordenen Fachleute nicht mehr bei uns haben wollen. Im Gegenteil: Wir haben dafür sogar extra eine Mitgliederkategorie geschaffen, die verdienten Berufskollegen eine Freimitgliedschaft ermöglicht. Ich finde es enorm wichtig, dass fundiertes Fachwissen nicht im Wandel der Zeit untergeht. Alt und Jung sollen sich an unseren Anlässen treffen und sich gegenseitig austauschen. Das ist mit Bestimmtheit eine der wichtigsten gesellschaftlichen Ziele unserer Vereinigung.

«Die Reglementierungen von allen Seiten stellen heutzutage für viele ausführende Berufs­leute eine echte Herausforderung dar.»
Sie fordern für die VSSH ein zeitgemässes Profil, einen attraktiven Auftritt für den Kadernachwuchs der Branche sowie klare Aufgaben und Ziele für die Vereinigung. Können Sie das präzisieren?
MT: Nun, ein zeitgemässes Profil beinhaltet, auf die Bedürfnisse der Entscheidungsträger in der Branche massgeschneiderte Angebote anzubieten. Wir wollen die Leute bei uns zusammenführen, die im Alltag Entscheide treffen müssen. Das sind neben der Geschäftsleitung von Planungs- und Installationsfirmen vor allem auch die zahllosen Projektleiter und Bauführer, aber auch die Berater der Industriepartner. Ziel muss es sein, dass diese Leute sich in unserem Berufsverband vernetzen können und zielgerichtet sowie schnell an wichtige Informationen kommen.

«Alt und Jung sollen sich an unseren Anlässen treffen und sich gegenseitig austauschen. Das ist mit Bestimmtheit eine der wichtigsten gesellschaftlichen Ziele unserer Vereinigung.»
Auf den Baustellen herrscht heute ein enormer Zeitdruck. Wer da nicht gut informiert ist, entscheidet sehr schnell falsch. Leidtragend ist die Bauherrschaft und der Ruf der ganzen Branche geht bachab. Wie oft höre ich von Bauherren, dass der Installateur XY sich nicht mehr blicken lassen soll, weil seine Arbeit unter aller Kanone war. Was läuft da falsch? Kein Fachmann macht absichtlich Fehler. Jeder will das Beste geben, doch oft geht der Schuss dann gleichwohl nach hinten los. Das ist schade und eine Herausforderung für unseren Fachverband, daran etwas zum Positiven zu verändern.

Die VSSH hat wie andere Verbände und Vereinigungen auch für mehr Nachwuchs und Wachstum zu sorgen und der Mehrwert, Mitglied einer Fachvereinigung zu sein, ist künftig noch deutlicher zu kommunizieren. Was ist in dieser Hinsicht geplant?
MT: Leider wurde in der Vergangenheit der Nachwuchsförderung zu wenig Beachtung geschenkt. Der Verein ist mittlerweile zu einem grossen Teil überaltert. Wir haben aber die Weichen gestellt und werden uns mit aller Kraft für die Zukunft engagieren. Wir suchen die Nähe zur Suissetec, die als Arbeitgeberverband für die Ausbildung der Fachleute verantwortlich ist. Es ist eine weitherum bekannte Tatsache, auch in anderen Sektoren der Baubranche, dass viele top ausgebildete Fachleute mit erfolgreichem Lehrabschluss nach zwei oder drei Jahren den Beruf aufgeben und sich neu ausrichten. Das ist sehr schade und führt zu einem starken Mangel an Fachleuten. Dieser Fluktuation wollen wir entschieden entgegentreten.

«Auf den Baustellen herrscht heute ein enormer Zeitdruck. Wer da nicht gut informiert ist, entscheidet sehr schnell falsch.»
Wenn wir die gut ausgebildeten Fachkräfte in unserer Vereinigung zusammenhalten können, werden wir vermehrt engagierte Leute für Weiterbildungen motivieren können. Davon bin ich überzeugt. Der Mehrwert für die einzelnen Leute liegt in einer grösseren Wertschätzung im Betrieb und dient dank des vertieften Wissens auch einer besseren Vorbereitung zum Erklimmen der Karriereleiter. Engagement in der Branche zahlt sich aus. Gute Fachleute sind gesucht und verdienen auch mehr Geld. Diese Message wollen wir zu den Leuten bringen. Dazu braucht es aber auch unter anderem eine Anpassung unserer Statuten und eine zeitgemässe Formulierung des Vereinszwecks.

«Engagement in der Branche zahlt sich aus. Gute Fachleute sind gesucht und verdienen auch mehr Geld.»
Der Vorstand hat mit Philipp Hauser und Markus Ribi zwei tüchtige neue Mitglieder erhalten. Wie läuft die Zusammenarbeit im Vorstand und welche Aufgaben haben die beiden neuen Mitglieder übernommen?
MT: Ich bin sehr froh, dass diese beiden Berufskollegen sich für die Vereinigung und dessen Nutzen im Berufsalltag einsetzen. Es ist erfreulich, dass entgegen dem allgemeinen Trend der sogenannten Work-Life-Balance sich gestandene Unternehmer in unserer Vereinigung engagieren. Wir brauchen sie dringend!
Markus Ribi hat das Amt des Säckelmeisters übernommen. Er schaut zum Rechten bei den Finanzen und bringt sehr viel Erfahrung als Geschäftsinhaber einer Installationsfirma im grenznahen Basel mit.
Philipp Hauser ist unser Fachmann für die Klima- und Heizungsbranche. Als dipl. Ing. HLK und Fachmann für erneuerbare Energie und Umwelt bringt er das nötige Rüstzeug mit, um den lange vernachlässigten Bereich der HLK wieder neu zu bewirtschaften. Beide haben sich hervorragend in das Team eingearbeitet und sind eine wichtige Stütze der Zukunft. Nicht vergessen möchte ich aber auch den Kollegen Peter Moser, der seit Jahren unser Standbein in der Südschweiz ist.
Ein Aufruf an dieser Stelle: Wir würden gerne eine Kollegin oder einen Kollegen aus der Westschweiz bei uns im Vorstand aufnehmen. Diese Person soll die Brücke in die Romandie schlagen und helfen, unsere Aktivitäten gesamtschweizerisch wieder vermehrt wahrnehmen zu können.

Sie haben mit dem Vorstand ein Grundsatzpapier «Strategie 2020» erarbeitet. Was sind die Kernpunkte darin?
MT: Die Strategie 2020 beruht im Wesentlichen auf drei Säulen:

  1. Weg von der alten Meistervereinigung und hin zu einem zeitgemässen Berufsverband.
  2. Enge Zusammenarbeit mit den massgebenden Verbänden der Schweiz.
  3. Wiederaufnahme der Tätig­keiten in allen drei Sprach­regionen.

Wir wollen das Mitgliederprofil anpassen. Weg von der Meistervereinigung heisst, dass die starre Struktur der Voraussetzung zur Mitgliedschaft in der VSSH bewusst aufgeweicht werden soll. Wir wollen diejenigen Leute ansprechen, die in der Branche tagtäglich Verantwortung tragen müssen. Sei es als Projektleiter, Lehrlingsausbildner oder/und Entscheidungsträger auf der Baustelle. Der Geschäftsinhaber einer Installationsfirma ist dabei für uns genauso wichtig wie seine Kadermitarbeiter. Der Chef muss sich auf seine Leute verlassen können. Wir können ihm helfen, diese Leute in unserem Berufsverband zu vernetzen. Wissensvermittlung ist das Dekret. Mit unseren erfolgreichen À-Jour-Veranstaltungen haben wir den Nerv der Zeit getroffen. Das soll ausgebaut und weiter vertieft werden. Wir sind mit den Veranstaltungen sehr schnell und flexibel in der ganzen Schweiz unterwegs. Hier möchte ich unserem Geschäftsführer und Initiant dieser Veranstaltungsreihen ein Kränzchen winden. Gute Arbeit Pirmin!

«Ein Aufruf an dieser Stelle: Wir würden gerne eine Kollegin oder einen Kollegen aus der Westschweiz bei uns im Vorstand aufnehmen.»
Natürlich beinhaltet die Strategie 2020 noch viel mehr. Das werden wir mittels einer Mitgliederbefragung an der Basis noch weiter vertiefen. Es ist uns wichtig, dass alle VSSH-Mitglieder ihre Meinung zur Zukunft der VSSH kundtun. Wir wollen ein Verein von und für unsere Kollegen und zum Wohle der Branche sein.

«Wir wollen das Mitgliederprofil anpassen. Weg von der Meistervereinigung heisst, dass die starre Struktur der Voraussetzung zur Mitglied­schaft in der VSSH bewusst aufgeweicht werden soll.»
In der VSSH Fachzeitschriften AG – der FZAG, die der VSSH gehört, hat es in der letzten Zeit immer wieder Änderungen in der Zusammensetzung und in der Vorgehensweise gegeben. Was ist der aktuelle Stand der Dinge und was wird mit der AG künftig geschehen bzw. welche Projekte könnten damit verwirklicht werden?

«Es ist uns wichtig, dass alle VSSH-Mitglieder ihre Meinung zur Zukunft der VSSH kundtun.»
MT: Wo gehobelt wird, fallen Späne. Leider ist es uns nicht gelungen, nach dem Verkauf der beiden Zeitungstitel «planer+installateur» und «FRISCALDO» eine Neuausrichtung der VSSH Fachzeitschriften AG auf die Beine zu stellen. Zu stark wichen die Vorstellungen der alten Führungscrew von den Zielen der neuen Vereinsleitung ab. Obwohl die FZAG ein eigenständiges Unternehmen ist, muss es den Zwecken und den Zielen der Vereinigung dienen. 100% der Aktien gehören dem Verein. Da kann es nicht sein, dass ein total unabhängiger Zug in eine komplett andere Richtung fährt. Vorderhand werden wir die AG nun auf Eis legen, bis eine gute Idee für die Wiederbelebung von Aktivitäten sorgen wird.

Pirmin Frei, wie kann die FZAG künftig für die VSSH sinnvoll eingesetzt werden oder welchen Verwendungszweck messen Sie der AG, die künftig an der VSSH-Geschäftsstelle domiliziert ist, zu?
Pirmin Frei (PF): Mit dem Verkauf der beiden Fachzeitschriften hat die FZAG ihren statutarischen Zweck erfüllt. Die dort vorhandenen Mittel gehören den VSSH-Mitgliedern. Darum ist klar, dass wir diese konsequent im Sinne des Vereinszwecks der VSSH verwenden werden. Wir können uns zum Beispiel vorstellen, Diplomarbeiten im Sanitär- und Heizungsbereich finanziell zu unterstützen, weil die staatlichen Mittel für solche Arbeiten seit einigen Jahren nicht mehr so üppig fliessen. Wenn wir Branchen-Projekte mit FZAG-Mitteln anschieben, müssen vorab der klare Mitgliedernutzen bzw. die Wirtschaftlichkeit belegt sein.

Welche Highlights wird die Jubiläumsgeneralversammlung bieten?
PF: Vor der formellen General­ver­sammlung haben wir ein Rahmenprogramm mit starkem Bezug zum Tagungsort Zug geplant. Begrüssungsworte richtet dann Regierungsrat Heinz Tännler, Zuger Finanzdirektor und Präsident des Vereins Minergie, ein wichtiger VSSH-Partner, an uns. Das Galadinner, natürlich mit V-Zug-Küchengeräten hergerichtet, verspricht Gaumenfreunden. Und ge­-
lacht wird garantiert viel – mehr verrate ich natürlich noch nicht.

«Ich wünsche mir, dass es uns gelingt, auch in Zukunftengagierte und kompetente Vorstandsmitglieder zu finden, die den eingeschlagenen Weg mittragen.»

Was wünschen Sie sich beide für die Zukunft der VSSH?
MT: Mein Wunsch ist, wieder Ruhe und Konzentration für das Erreichen der wahren Ziele und zur Zukunftssicherung unserer Vereinigung zu bekommen. Das letzte Jahr hat mich zu stark mit internen und persönlichen Querelen belastet. Ich will nach vorne schauen, um uns mit oder ohne Hilfe aus der Historie weiter zu entwickeln. Deshalb ist das 75-Jahr-Jubiläum für mich nicht in erster Linie eine Nabelschau der Vergangenheit, sondern vielmehr ein Kick-off für die Zukunft.
PF: Ich bin überzeugt, dass die VSSH für die Sanitär- und Heizungsbranche wichtig ist. Sehr gut spürbar ist das jeweils an unseren À-Jour-Tagungen, die von unseren Mitgliedern sehr geschätzt werden. Ich wünsche mir, dass es uns gelingt, auch in Zukunft engagierte und kompetente Vorstandsmitglieder zu finden, die den eingeschlagenen Weg mittragen. Und wenn ich ab dem nächsten Jahr wieder etwas mehr Französisch sprechen kann, so freut mich dies umso mehr.

Weitere Informationen:
www.vssh.ch