Gebäudeschadstoff Radon (Rn) in der Innenraumluft

(Bild: Adobe Stock)

24.09.2026
suissetec, Geschäftsstelle Energie und Gesundheit / PW

Radon – messen, nachweisen und meistern

Punkto Innenraumluftqualität ist aus gesundheitlichen Gründen auch auf Radon zu achten – im Neubau wie im Altbau. Falls der Referenzwert überschritten wird, muss fachgerecht saniert werden. Dabei muss auch die Energieeffizienz berücksichtigt werden.


300, besser 100 Bq/m³

In der Schweiz gilt seit 2018 für Radon in Gebäuden der Referenzwert von 300 Bq/m³ im Jahresmittel. Die WHO empfiehlt als Optimierungsziel 100 Bq/m³.


Radioaktiv, geruchlos, unsichtbar: Hätten wir heute keine Dosimeter, wüssten wir nicht einmal, welche gesundheitliche Gefahr im Untergrund lauert. Denn von dort stammt das Edelgas Radon. Es entsteht, wenn Uran, das in den meisten Gesteinen der Erdkruste vorkommt, in einer mehrstufigen Kette zu Radon zerfällt. Zum Gesundheitsrisiko wird es, wenn es durch Risse, Fugen und andere undichte Stellen aus dem Erdreich in Gebäude eindringt und sich dort in der Innenraumluft anreichert und eingeatmet wird. 

Radon gilt nach dem Rauchen als zweithäufigster Auslöser für Lungenkrebs. Die Gefährdung nimmt mit der Konzentration und der Dauer der Exposition linear zu. Tückisch ist, dass das Gas keine unmittelbare Wirkung hervorruft, weil es eben nicht mit den Sinnen wahrgenommen werden kann. Die gesundheitsschädlichen Folgen von Radon werden oft unterschätzt, obwohl es an der durchschnittlichen Strahlenbelastung der Schweizer Bevölkerung sogar den grössten Anteil ausmacht.

Für Räume, in denen sich Personen aufhalten, gilt seit 2018 hierzulande der Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m³) für die während eines Jahres gemittelte Radonkonzentration. Dieser wird von über zehn Prozent der bisher gemessenen Gebäude überschritten! Die WHO empfiehlt als Optimierungsziel sogar einen Referenzwert von 100 Bq/m³. Geologisch betrachtet ist die ganze Schweiz ein Radongebiet, weshalb betroffene Gebäude in allen Landesregionen zu finden sind. Das Tessin sowie Teile der Alpen und des Juras sind besonders hoch belastet.

Die Karte zeigt die Wahrscheinlichkeit, den Referenzwert von 300 Bq/m³ für die Radonkonzentration in Gebäuden zu überschreiten. (Bild: © swisstopo, BAG)

Die Karte zeigt die Wahrscheinlichkeit, den Referenzwert von 300 Bq/m³ für die Radonkonzentration in Gebäuden zu überschreiten. (Bild: © swisstopo, BAG)

Dosimeter für Radon-Messung über mehrere Monate. (Foto: Peter Warthmann)

Dosimeter für Radon-Messung über mehrere Monate. (Foto: Peter Warthmann)

Fabio Barazza, Bundesamt für Gesundheit BAG, Direktionsbereich Gesundheitsschutz (Foto: BAG)

Fabio Barazza, Bundesamt für Gesundheit BAG, Direktionsbereich Gesundheitsschutz (Foto: BAG)

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Energieeffizienz ohne Nebenwirkungen

Die SIA-Norm 180 verlangt bei Neu- und Umbauten ein Lüftungskonzept, das Radon und anderen Schadstoffen Rechnung trägt – und macht Radonschutzmassnahmen damit zum Stand der Technik. Dies ist, gerade in Verbindung mit der energetischen Erneuerung des Gebäudeparks, bedeutend. Denn die Energiestrategie 2050 treibt die Massnahmen voran: Gefragt sind weniger Wärmeverluste durch dichtere Gebäudehüllen. Der Haken: Wird ein Gebäude luftdichter gemacht, ohne dass die Planenden einen kontrollierten Luftaustausch vorsehen, kann sich in den Innenräumen Radon stärker anreichern als zuvor. Werden energetische Massnahmen fachgerecht geplant und mit Lüftungskonzepten inklusive Wärmerückgewinnung (WRG) umgesetzt, führen sie zu Energieeffizienz, Energieeinsparungen und zu guter Luftqualität in den Innenräumen. 

 

Messen bringt Klarheit

Eine Messung ist einfach und kostengünstig (200–300 Franken). Selbst Laien können sie mit einem passiven Radondosimeter durchführen. Fachpersonen und Hausbesitzer beziehen Dosimeter bei einer anerkannten Messstelle (siehe Kasten «Weitere Infos»). Das BAG empfiehlt eine Messung über das ganze Jahr. Sie ergibt das verlässlichste Resultat. Es ist auch möglich, während der Heizperiode, von Oktober bis März eine 90-tägige Messung durchzuführen, weil Gebäude dann am stärksten belastet sind. In den Wintermonaten erzeugt die Heizwärme durch die Temperaturdifferenz beim Heizen im Gebäude gegenüber der Aussentemperatur eine zusätzliche Sogwirkung. So entsteht, ähnlich wie bei einem Heissluftballon, oben im Gebäude ein Auftrieb und unten im Keller der erwähnte Sog, der das Eintreten von Radon begünstigt.

 


"Nur eine Messung gibt Gewissheit über die Radonbelastung im Wohnbereich und ist eine Vorbeugung gegen Lungenkrebs. Die Radonmessung ist einfach und kostengünstig und sollte für die kommende Heizperiode eingeplant werden!"

  Fabio Barazza, Bundesamt für Gesundheit BAG, Direktionsbereich Gesundheitsschutz. (Foto: BAG)


 

Die Lüftung: der energetisch beste Schutz

Bei positiven und bei erhöhten Werten gilt: Zwingend zunächst die Bausubstanz optimieren. Das heisst, Eintrittsstellen wie Risse und Öffnungen im erdberührten Bereich abdichten. Die Böden von Lichtschächten sollten betoniert und mit einer Entwässerung versehen werden. Kellertüren sind ebenfalls abzudichten, damit die belastete Kellerluft nicht in den Wohnbereich eindringen kann. Weitere wirkungsvolle Massnahmen bei der Sanierung sind der Einbau dichter Fenster und gegebenenfalls einer Lüftung, vor allem im Wohnbereich und im Keller. Beides verbessert die Energieeffizienz.

Vorsicht ist hingegen bei der Installation von Abluftventilatoren geboten: Eine reine Abluftanlage (ABL) ohne Aussenluftdurchlässe (ALD) erzeugt im Gebäude einen Unterdruck, womit radonhaltige Luft aus dem Keller regelrecht in den Wohnbereich gesaugt werden kann. In radonbelasteten Gebieten ist deshalb von einer reinen Abluftanlage abzuraten. Ebenfalls zu beachten ist, dass Aussenluftdurchlässe den Unterdruck und somit den Radoneintrag zwar verringern, diesen aber nicht vollständig unterbinden. Erdberührte Untergeschosse sollten sogar mit einem leichten Überdruck betrieben werden, damit gar kein Radon nachströmt. Was die Energiebilanz betrifft, muss berücksichtigt werden, dass durch die Durchlässe unkonditionierte Aussenluft ohne Wärmerückgewinnung ins Gebäude eindringt.

Für die Sicherstellung von Gesundheitsschutz und Energieeffizienz ist eine Komfortlüftung die eleganteste Lösung. Eine solche mechanische Lüftung mit Zu- und Abluft sowie WRG stellt einen kontinuierlichen, kontrollierten Luftwechsel sicher, verhindert Radonkonzentration im Wohnraum und gewinnt einen Grossteil der Wärme zurück. Hierfür müssen die Installateure die Luftmengen zwischen Zu- und Abluft ausbalanciert einregulieren.

 

Augenmerk auf Kinder

Den grössten Stellenwert hat der Schutz von Kindern: Für Schulen und Kindergärten gilt in Sachen Radon gemäss Strahlenschutzverordnung (StSV, SR 814.501) eine Mess- und Sanierungspflicht.

Auch für Arbeitsplätze gilt ein Referenzwert von 300 Bq/m³. Der Blick auf die eigenen Werkstätten, Lager und Büros ist somit ebenfalls empfohlen – besonders aber, wenn sie sich im Untergeschoss befinden.

Weiterhin sollte Radon nicht isoliert betrachtet werden. Die WHO empfiehlt, das Gas im Kontext der gesamten Innenraumluftqualität zu sehen. Der Einbau oder die Optimierung einer Lüftung verbessert nicht nur den Radonschutz, sondern auch das Management von Feuchtigkeit, CO? sowie von weiteren Schadstoffen. 

 

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Radon ist ein unsichtbares, geruchloses, radioaktives Edelgas. Es dringt aus dem Erdreich über Undichtheiten wie Risse und Kellerfenster etc. in ein Gebäude ein.
  • Nach dem Rauchen ist Radon der zweithäufigste Auslöser für Lungenkrebs.
  • Mehr als 10 % der Schweizer Gebäude sind über dem Referenzwert von 300 Bq/m³ (Jahresmittel) belastet.
  • Die Messung ist einfach und günstig mittels Dosimeter. Idealerweise über das ganze Jahr, alternativ während der Heizperiode von Oktober bis/mit März.
  • Mess- und Sanierungspflicht für Schulen/Kindergärten. Für Arbeitsplätze gilt ebenfalls der Referenzwert von 300 Bq/m³.
  • Energetische Sanierungen steigern die Effizienz – aber dichtere Gebäudehüllen verändern den Lufthaushalt. Radon kann nicht mehr entweichen und reichert sich an. Deshalb energetische Sanierung der Gebäudehülle immer zusammen mit Lüftungsmassnahmen planen – spart Energie und steigert Wohlbefinden, Behaglichkeit und die Leistungsfähigkeit der Menschen im Gebäude.
  • Vorsicht bei reinen Abluftanlagen. Komfortlüftungen mit WRG und korrekt eingestellten Luftmengen eignen sich hingegen perfekt.

Weitere Infos

Weiterführende Informationen und Unterlagen:

·       bag.admin.ch/de/radon

·       Anerkannte Messstellen: bag.admin.ch/de/radonkonzentration-messen

·       Radonkarte der Schweiz

·       suissetec Merkblatt "Be- und Entlüftung von Kellerräumen" (2020) sowie

·       Schlussbericht zur Studie im Auftrag EnergieSchweiz "Konditionierung von Kellerräumen in Wohngebäuden" (2020)


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