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Gut zu wissen
08.11.2019 - Ausgabe: 11-2019

Gute Luft und emissionsfreie ­Gebäudeheizung im Fokus

Fery Lipp


Am Presseevent von Kutzner+Weber, Remeha und Pluggit in Maisach D standen die Themen guter Luft und emissionsfreier Gebäudebeheizung im Vordergrund, an dem auch die Kritik an Festbrennstoff-Feuerstätten versachlicht und Lösungsansätze aufgezeigt werden sollten. Ausserdem stellten die Unternehmen ihre neuesten Produkte und Anwendungen für die Heizungs- und Lüftungsbranche vor.

«Mit PluggPlan bietet Lüftungsspezialist Pluggit eine ebenso wirtschaftliche wie effektive einheitszentrale Lüftungslösung für den Geschosswohnungsbau an», sagte Dieter Frost, Leiter Marketing von Pluggit, an der Produktinformationsveranstaltung von Kutzner+Weber (Raab-Gruppe), Pluggit und Remeha in der Kutzner+Weber-Niederlassung im bayrischen Maisach. Sie komme sowohl im Neubau als auch in der Sanierung zum Einsatz und eigne sich perfekt für Wohneinheiten bis max. drei Ablufträume (Küche, Bad, WC).

Während der Entwicklungsphase von PluggPlan tauschte sich der Münchner Technologieführer für ventilatorgestützte Wohnraumlüftungssysteme mit Wärmerückgewinnung mit Entscheidern aus der Wohnungswirtschaft aus. Dabei wurde schnell klar: Neben zuverlässiger Funktionsweise und niedrigen Betriebsausgaben sollte sich die Anschaffung und Montage eines speziell auf die Wohnungswirtschaft zugeschnittenen Lüftungssystems möglichst kosteneffizient und wirtschaftlich gestalten. «Diesen Ansprüchen wird das System PluggPlan in vollem Umfang gerecht», so Frost.

Geeignet für die Wohnungswirtschaft ist die nutzerunabhängige Betriebsweise von PluggPlan. Die Führungsgrösse für die Steuerung des Systems ist die relative Luftfeuchte. Für die Bewohner besteht keinerlei Notwendigkeit einzugreifen, da das System die Luftvolumenströme vollautomatisch regelt. Das entkoppelt die für den Gebäudeschutz notwendige Luftqualität vom Lüftungsverhalten des Mieters, der Vermieter weiss seine Immobilie vor Feuchteschäden geschützt. «Mit einem Wärmerückgewinnungsgrad von über 80 % und einem Stromverbrauch von unter 30 Watt bei maximaler Leistung inklusive Steuerung überzeugt PluggPlan durch höchste Energieeffizienz», betonte Frost. «Für die Zufriedenheit der Mieter sorgt ausserdem die Tatsache, dass das Lüftungssystem flüsterleise funktioniert – ohne ein Zugluftempfinden zu verursachen. Die permanente Frischluftzufuhr bewirkt zudem ein dauerhaft angenehmes Wohlfühlklima.»

Einheitszentral oder dezentral

Für Dieter Frost ist es eine Philosophiefrage, ob einheitszentrale oder dezentrale Anlagen bei Lüftungen bevorzugt werden. Beide haben ihre Vorteile: «Wenn richtig gemacht, sind defacto beide Systeme kostengleich und Schimmel ist kein Thema. Mit unserem dezentralen Wohnungslüftungssystem mit Wärmerückgewinnung iconVent lassen sich ein kontinuierlicher Luftaustausch und Energiesparen auf einen Nenner bringen. Gleichzeitig wird durch die Wärmerückgewinnung eine angenehme Raumtemperatur gewährleistet. Wir beantworten mit den drei Produktvarianten iconVent evo, 160 und 170 slim alle Herausforderungen, die an Einzelraumlüfter gestellt werden.»

Die IconVent-Lüftungsgeräte lassen sich sowohl in Neubauten als auch bei der Bestandssanierung einsetzen. Bei der Installation im Neubau kommen vorzugsweise spezielle Einbausteine zum Einsatz, die bereits in der Rohbauphase in das Mauerwerk integriert werden. Hier werden die Funktionseinheiten später eingesetzt. Für die Sanierung bietet sich eine Kernbohrung an, in die eine gedämmte Einbauhülse geschoben wird, die die Funktionseinheit aufnimmt.

Chancen für Wasserstoff in der Energiewende

Jürgen Jahn, Leiter Produktmanagement Remeha, skizzierte die Chancen für Wasserstoff in der Energiewende: «Dabei hat die CO2-Reduktion im Fokus zu stehen. Doch es gibt mehrere Wege zur Nachhaltigkeit. Sei es der Einsatz von Strom, Gas oder einem Fernwärmenetz. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, diesen und weitere Wege zu begleiten und Planern sowie Fachhandwerkern mit unserer Expertise zur Seite zu stehen. Die Energieversorgung kann keine Patentlösung sein, sondern ein Mix von modernen Energieträgern. Wir sehen die Chancen für den Wasserstoff in der Energiewende.»

Remeha gibt sich von dessen Zukunftsfähigkeit überzeugt und sieht hierin einen vielversprechenden Energieträger. Wasserstoff gasförmig und ein Energieträger. «Genau wie Erdgas und andere Gase lässt sich Wasserstoff speichern und leicht transportieren», so Jahn. «Damit besitzt er alle wichtigen Faktoren, um als zukunftsfähiger Energieträger zu gelten.»

Wasserstoff ist keine neue Entwicklung, sondern bereits weit verbreitet. Industrien produzieren jedes Jahr tausende Tonnen Wasserstoff, indem sie Erdgas spalten. Dabei wird Kohlendioxid freigesetzt. Eine weitere Methode der Wasserstoffproduktion ist die Elektrolysetechnik. Dadurch spaltet sich Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff, ohne schädliche Emissionen zu produzieren. Allerdings kostet dieses Verfahren viel Energie. Wird hierfür nachhaltiger Strom (über Sonnen- oder Windenergie) genutzt, wird Wasserstoff zu einer interessanten Alternative gegenüber fossilen Brennstoffen. Stellt man sich beispielsweise eine Windkraftanlage vor, die auch die Aufspaltung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff übernimmt, entsteht ein zukunftsfähiges Modell. Wasserstoff bietet also neue Möglichkeiten und kann somit eine tragende Rolle bei der Heizungs- und Warmwasserversorgung in zahlreichen Objekten spielen, betonte der Produktmanagementleiter. Insbesondere in Bestandsgebäuden, die gegenüber Neubauten die Mehrheit darstellen. Mit geringen Anpassungen kann die vorhandene Erdgasinfrastruktur für die Verteilung von Wasserstoffgas genutzt werden. Das gilt als grosser Vorteil, da es auf diese Weise an vielen Orten verfügbar ist. Deshalb hat Remeha im Juni ein Pilotprojekt mit wasserstoffbetriebenem Brennwert-Kessel in den Niederlanden mitinitiiert.

Das Projekt in den Niederlanden ist eine gemeinsame Initiative mit dem Netzbetreiber Stedin, der Gemeinde Rotterdam sowie der Wohnungsbaugesellschaft Ressort Wohnen. Den Wasserstoff liefert der Netzbetreiber über eine bestehende reguläre Erdgasleitung. Auf diese Weise wird auch gezeigt, dass sich das vorhandene Gasnetz zum Transport von Wasserstoff eignet. Die Installation des Wasserstoffkessels erfolgt im Heizraum neben einem konventionellen Erdgaskessel, um die Wärme- und Wasserversorgung jederzeit sicherstellen zu können. Mit der Entwicklung des Wasserstoffkessels will die BDR Thermea Group und deren Tochterunternehmen Remeha zur Dekarbonisierung der Heizung beitragen: Der Kessel verbrennt reinen Wasserstoff, der mithilfe umweltneutraler Wind- oder Sonnenenergie erzeugt wurde, ohne CO2 freizusetzen.

«Power to Gas (Wasserstoff) ist eine notwendige Technologie, wenn wir nachhaltig erzeugte Energie über einen längeren Zeitraum speichern wollen, da in Zeiten grössten Bedarfs wie im Winter nicht immer sofort reichlich Wind- und Sonnenenergie zur Verfügung steht», erklärte Jürgen Jahn. «Mit dem neuen Wasserstoffkessel wollen wir uns zusammen mit unseren Brennstoffzellengeräten wie der Remeha eLecta 300 dafür einsetzen, die Umwelt nachhaltiger zu gestalten.»

Nach dem ersten Pilotversuch in den Niederlanden soll in Grossbritannien ein weiterer Feldversuch durchgeführt werden. In den nächsten zwei Jahren sollen dort über 400 Wasserstoffkessel installiert werden. «In diesem Zusammenhang sind auch andere Netzbetreiber und Gebäudeeigentümer in Europa eingeladen», so Jahn, «sich an möglichen weiteren Feldversuchen zu beteiligen, um die Entwicklung der CO2-freien Heizung voranzutreiben.»

Erweiterung für Feinstaubabscheider

Nach einem interessanten Podiums­gespräch mit anerkannten Fachleuten aus der deutschen Verbandsszene zum Thema Holzfeuerungen und ihre Emissionen zeigte Tim Baranowski, Produktionsentwicklung Emissionsreduzierung Raab-Gruppe, neue Lösungen zur sekundären Reduzierung von Feinstaub bei Holzfeuerstätten. Mit der Zulassungserweiterung ergibt sich für die Airjekt-1-Familie von Kutzner+Weber ein grösseres Leistungsspektrum. Ab sofort ist der Anschluss für geschlossen betriebene Feuerstätten bis 100 kW für den Brennstoff Holz möglich. Die Feinstaubabscheider Airjekt 1 funktionieren nach dem elektrostatischen Prinzip: Alle aufsteigenden Partikel im Rauchgas werden elektrisch aufgeladen und agglomerieren bzw. entladen sich im weiteren Verlauf an der Schornsteininnenwand. Der Abscheidegrad von mindestens 50 % kann bereits in einem Abstand von 50 cm hinter dem Partikelabscheider erreicht werden. Die Staubmessung ist an dieser Stelle ebenfalls möglich bzw. kann ab dort erfolgen.

Unterschiedliche Einbaumöglichkeiten – innerhalb und ausserhalb von Gebäuden sowie für die Abgasmündung – bieten Flexibilität bei neuen Anlagen oder in der Nachrüstung. Unter anderem qualifizieren sich die Airjekt-Modelle durch niedrige Betriebskosten, Abscheidegrade bis 90 % und leichte Wartung. Die korrekte Auswahl des Feinstaubabscheiders erfolgt nach Einbausituation und Leistung der Feuerstätte. Erhältlich sind Feinstaubabscheider für die Durchmesser 130 bis 250 mm für metallische oder keramische Abgasanlagen bzw. als Mündungsvariante. Am Schluss der Veranstaltung erfolgte noch eine Führung durch das Technikum bei Kutzner+Weber.

Weitere Informationen:
kutzner-weber.de
solerpalau.com
remeha.de

Jürgen Jahn, Remeha, im Gespräch

Remeha bietet den ersten Wasserstoffkessel am Markt an. Was ist in der Schweiz geplant mit diesem Produkt?

Wir sind noch ganz am Anfang damit und sind noch mit den Pilotprojekten beschäftigt. Wir sind in der Schweiz gut unterwegs und es wird sich weisen, wann wir auch bei Ihnen bereit sind. In unserer Gruppe wird noch geschaut, welche Märkte zuerst bespielt werden. Die Grundbestandteile werden sicher die gleichen sein. Ziel sind mal zunächst die 400 Wasserstoffkessel in Grossbritannien, und dann werden wir sehen.

Sie planen auch ein Brennstoffzellengerät für das Eigenheim, das eLecta 300, für 2020. Ist das sinnvoll, das mit Erdgas zu machen, bei dem wieder CO2 emittiert wird?

Wir glauben, dass das sinnvoll ist, um die H2-Technologie voranzubringen – das, was wir hier machen ist zwar fossil, aber hocheffizient, und bringt eine CO2-Einsparung von 69 %. Das ist schon mal was. Die Gas-Brennwerttechnik ist nach über 30 Jahren kaum mehr steigerbar. Ich betrachte das, was wir hier tun, wirklich als Brücke zur H2-Technologie. Die Brennstoffzelle produziert auch Strom für das Zuhause – und Strom werden wir in der Zukunft noch viel brauchen. Zunächst wird im Gerät in einem Reformer Erdgas in Wasserstoff und CO2 aufgespalten. Der Wasserstoff reagiert innerhalb der Brennstoffzelle mit Sauerstoff zu Wasser. Dabei entstehen Strom und Wärme, die im Gebäude genutzt werden können. Das zur Verfügung stellen von Wasserstoff ist halt noch Zukunft. Immerhin soll jetzt in Hamburg eine 100-Megawatt-Anlage gebaut werden, die 22 000 m3 H2 erzeugen wird.

Welches der beiden innovativen Systeme wird sich bewähren?

Ich glaube beide werden sich durchsetzen. Der Heizkessel macht Wärme, die Brennstoffzelle gibt auch Strom. Und ich kann Ihnen versichern, beides soll auch in der Schweiz angeboten werden.